Wirtschaftsprognosen Société Générale liefert langfristig beste Konjunktur-Vorhersagen

  • Die deutsche Wirtschaft ist 2014 wohl um 1,5 Prozent gewachsen - genau so, wie es eine Prognose vom IW vorhergesagt hat.
  • Damit ist sie die zutreffenste Prognose, wie eine Auswertung zeigt.
  • Über die Jahre hinweg haben sich vor allem die Vorhersagen der französischen Bank Société Générale bewährt.

Die Experten der Pariser Großbank Société Générale machen seit Jahren die durchschnittlich besten Prognosen zur konjunkturellen Entwicklung der deutschen Wirtschaft. Dies ergab die neue Auswertung zum Prognostiker des Jahres 2014 (Tabelle). Die französischen Ökonomen verdrängten damit von Platz eins den langjährigen Spitzenprognostiker Carsten Klude von MM Warburg. Während Klude mit seiner Vorhersage von 2,3 Prozent für das Wirtschaftswachstum 2014 deutlich über der tatsächlichen Entwicklung (1,5 Prozent) lag, prognostizierten die SG-Kollegen die Entwicklung fast auf den Zehntelprozentpunkt genau. Nur die Ökonomen des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft lagen mit ihren Einzeljahresprognose für 2014 noch besser.

Die Prognosen der Experten für Deutschland werden seit 2002 jeweils zum Jahresende ausgewertet, früher durch die Financial Times Deutschland, heute vom Internetportal Wirtschaftswunder exklusiv für die Süddeutsche Zeitung. Damit liegen mittlerweile 13 Vergleichsjahre vor.

Wer ein guter Prognostiker ist, zeigt der langfristige Vergleich

Ob Prognosen zur Konjunkturentwicklung in einem einzelnen Jahr eintreffen oder nicht, ist oft von Zufällen geprägt - oder von schwer vorhersehbaren politischen Krisen. Wer ein guter Prognostiker ist, zeigt sich daher oft erst im längerfristigen Vergleich. Und da lässt sich nach 13 Jahren Auswertung der Prognostiker des Jahres durchaus erkennen, wer regelmäßig nah an der Wirklichkeit liegt - und wer nicht.

Ganz oben liegt in der Langzeitwertung auch die Bank of America. Das gute Ergebnis ist allerdings noch stark von vergangenen Jahren geprägt, als die Bank mit Holger Schmieding einen damals sehr treffsicheren Europa-Chefökonom hatte. Seit 2011 arbeitet Schmieding für die Berenberg Bank. Ähnliches gilt für die Société Générale und deren früherer Europa-Chefökonomin Véronique Riches-Flores. Allerdings schnitt die Pariser Bank eben auch 2014 wieder gut ab.

Mittelmäßig schneidet die Bundesregierung ab

Zu den zuverlässigsten Prognostikern zählen im längerfristigen Schnitt auch die Ökonomen führender Wirtschaftsforschungsinstitute, wie Roland Döhrn, Konjunkturchef des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschungs (RWI). Auch die Konjunkturexperten des Münchner Ifo-Instituts belegen regelmäßig die oberen Plätze, wenn auch nicht in diesem Jahr, ebenso wie das Hamburger Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) und das Kieler Institut für Weltwirtschaft.

Eher mittelmäßig schneidet dagegen die Bundesregierung (Langzeitrang 24 von 48) ab. Besonders bemerkenswert: auf den letzten Plätzen stehen mit dem Internationalen Währungsfonds (47) und der EU-Kommission Institutionen, die aus ihren Prognosen auch unmittelbar relevante wirtschaftspolitische Empfehlungen ableiten.

Wie gut ein einzelner Ökonom abschneidet, scheint auch nicht ganz unabhängig davon zu sein, wo und für wen er arbeitet. So liegt der einstige Top-Prognostiker Holger Schmieding seit seinem Wechsel zur Berenberg Bank nun schon im dritten Jahr in Folge auf einem der letzten Plätze. Vielleicht hilft der gesunde Abstand ja, gute Prognosen zu machen. Seine besten Prognosen machte Schmieding bei der Bank of America - aus London.