Mit aller Macht stemmen sich die Regierungen gegen die Krise. Hier eine Milliarden-Rettungsmaßnahme, dort ein Billionen-Konjunkturpaket - brauchen wir das überhaupt?
Der vielleicht wichtigste Satz, den Ökonomen hervorgebracht haben, stammt von John Maynard Keynes und ist mehr als siebzig Jahre alt: "Es ist weniger schwierig, neue Ideen zu entwickeln", sagt er, "als den alten zu entkommen."
Das Beispiel Japan (im Bild: Tokio) gilt vielen als Warnung: Die Regierung hat in den achtziger und neunziger Jahren die Wirtschaft massiv unterstützt - umsonst (© Foto: Reuters)
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Vermutlich wäre Keynes stolz darauf, wenn er wüsste, dass seine Konzepte nun selbst zu diesen alten Ideen gehören, von denen die Welt nicht lassen mag: Wenn es brenzelt in der Wirtschaft und die Konjunktur einzubrechen droht, kommt Herr Keynes. Er ist so smart, weil er die Ratlosigkeit der Ökonomen und Politiker in Zeiten der Krise überdeckt.
Süßes Gift
Gewiss, Vorschläge gibt es genug: Die einen wollen die Zinsen senken, die nächsten Geld verschenken, und die dritten alles dem Markt überlassen. Unbeirrbar verfolgt da jeder seine Spur - und stets finden sich Gegner, die sich nicht überzeugen lassen wollen. Denn jedes Konzept birgt Vorteile und Mängel, und alle kosten Geld.
Weil alles so unklar ist, die Notenbanken nicht auf Befehl handeln und der Markt unbarmherzig ist, wählt die Politik das süßeste Gift - das von Keynes.
Das Prinzip: Der Staat soll mehr Geld ausgeben, um dem Rad auf dem Weg ins wirtschaftliche Tal in die Speichen zu fallen. Er legt ein "Konjunkturpaket" auf, um den Abschwung zu bremsen und so die Nachfrage zu stimulieren.
Wenn viel Geld eingesetzt wird, wirkt das auch. Zwar merkt der Einzelne davon meist nichts, doch zumindest die Statistiken für das große Ganze sehen besser aus - so viel Einigkeit besteht sogar unter den Ökonomen. Doch wenn das Wirtschaftswachstum auf diese Weise gefördert wird, stellt sich das Ergebnis meist als Strohfeuer heraus.
Und wie viel wo bei wem tatsächlich ankommt, ob und wie viel Arbeitslosigkeit vermieden wurde, vermag am Schluss keiner genau zu sagen. Keynes scherzte einst, dass das Finanzministerium im Grunde auch alte Flaschen mit Banknoten füllen und sie in einer ausgedienten Kohlegrube versenken könnte.
Wenn dann private Firmen Leute anheuerten, um die Flaschen wieder hochzuholen, würde die Arbeitslosigkeit ebenfalls sinken. Nicht wenige befürchten, dass es doch kein Scherz war.
"Ein wirtschaftliches Rezept muss plausibel sein, ob es richtig ist, ist zweitrangig", zitiert der Spiegel den Ex-Kanzler Helmut Schmidt. Ökonomen schlucken, wenn sie solche Sätze hören.
Doch wenn sich die Forscher gegenseitig mit den schlechtesten Prognosen zu überbieten suchen und das Volk erstarrt - werden irgendwann alle Bedenken beiseitegewischt.
Nichts scheint schlimmer zu sein als die Politik der ruhigen Hand. Stattdessen gilt: Es muss etwas geschehen. Die Faustregel dabei: Je schwächer eine Regierung, ein Politiker ist, desto schneller entflammt die Liebe zum Konjunkturpaket.
Und das Volk goutiert das. Auch aktuell: Fast die Hälfte der Deutschen sagt aufs Geratewohl, dass die Rettungspakete zu klein seien. Stattdessen fordern im Politbarometer 93 Prozent der Befragten Zusatzinvestitionen in Verkehrsprojekte, Schulen oder Krankenhäuser; 80 Prozent wollen steuerlich entlastet werden.
Vergessen sind die riesigen Defizite, die ganz im Sinne Keynes vor allem seit den sechziger und in Deutschland seit den siebziger Jahren angehäuft wurden - damals, als die "Globalsteuerung" das Maß in der Wirtschaftspolitik war. In bester Absicht natürlich.
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Gysi gegen Lafontaine
Keynes hat mit "Es ist weniger schwierig, neue Ideen zu entwickeln, als den alten zu entkommen" ewige Gültigkeit.
Die neue und bisher einzige Idee, mit der man nicht an konjunkturellen Symptomen herumdoktort, sondern die Ursachen beseitigt (u.a. Mangel an Kaufkraft), finden aufgeschlossene Menschen unter bandbreitenmodell.de
Also derart irrsinnige "Weltenbrand-Vorstellungen" können wohl nur noch der deutschen (Medien-)Elite entspringen. Vollkommen verantwortungslos und ein Zeugnis einer intellektueller Hilflosigkeit, deren Resultate zwangsläufig Tatlosigkeit und unterlassene Hilfeleistung sein müssen.
Bei diesen "Überlegungen" wabbert im Hintergrund immer wieder die fixe Idee herum, dass Konjunkturptogramme teuer seien, wohingegen eine Rezession quasi zum Nulltarif zu haben ist. Blanker Unsinn! Jeder Prozentpunkt Wachstumsverlust wirkt sich unmittelbar auf das Staatsdefizit aus - mal ganz abgesehen von der wirtschaftlichen Substanz und den Arbeitsplätzen die verloren gehen.
Zumal sich 1929 die entsprechende Politik Brünings nicht wirklich bewährt hat - moderat ausgedrückt!. Darf man mal erwähnen!
PS: Als weiterführende Lektüre empfehle ich Alexander Rüstows "Vom Versagen des Wirtschaftsliberalismus" - dort befasst sich dieser Vordenker der sozialen Marktwirtschaft genau mit diesem "wirtschaftsorthodoxen Laissez-faire-Denkansatz" und seinen verheerenden Folgen in Krisenzeiten.
Wenn man ganz ehrlich ist, muss man feststellen, es ist nahezu unmöglich, den Konsum mit vernünftigen, wirklich notwendigen Dingen in Deutschland so anzukurbeln, dass das Geld tatsächlich in Deutschland bleibt. PCs, Handys, Unterhaltungselektronik, Flachbildschirme, Elektrogeräte, Textilien und viele andere Dinge des täglichen Gebrauchs werden größtenteils im Ausland hergestellt und mit Produkten, die Deutschland zu Exportweltmeistern gemacht haben, kann der Privatmann in der Regel nichts anfangen (Maschinen, Motoren, Anlagen usw). Auch die Ausgaben für den Urlaub bleiben oft nicht im Inland. Handel und Reisebüros bekommen, wenns hoch kommt, noch etwas vom Kuchen ab. Straßenbauten und andere Investitionen in die Infrastruktur, kann man auch vergessen, da die Genehmigungsverfahren oft bis zum Sankt Nimmerleinstag dauern, weil es Leute gibt, die aus Prinzip gegen alles sind und die durch alle Instanzen klagen, sie wollen Ökostrom, sind aber gegen Windräder und Staudämme, siewollen ohne Stau Auto fahren, sind aber gegen Straßen, sie wollen fliegen, sind aber gegen Flugplätze.
@ Hirschfänger: ... Sie bestätigen meine Vermutung.
Zitat"....und welches Auto sie sich in Zukunft überhaupt noch leisten können. " Welches ist nicht die Frage, ob überhaupt wäre richtiger.
Zitat:"Damit Sie der Realität wieder ein Stück näher kommen, sollten Sie sich einmal mit der Zeit von 1929 bis 1933 beschäftigen. "
Sind Ihnen solch zusammenhanglose und fragwürdige Äußerungen denn nicht peinlich ?
Mit Zweitwagen und Dritthandy haben über 90 Prozent der Bundesbürger ohnehin nichts im Sinn. Den meisten geht es nur noch um die Frage, wie sie ihre Kinder vernünftig um die Runden bringen und welches Auto sie sich in Zukunft überhaupt noch leisten können.
Falls es Ihnen entgangen ist, auf den Kfz-Steuernachlass springt so gut wie niemand an.
Damit Sie der Realität wieder ein Stück näher kommen, sollten Sie sich einmal mit der Zeit von 1929 bis 1933 beschäftigen.
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