Übernahmeplan geplatzt Volkswagen und Porsche fusionieren

Fusion statt Übernahme: Die Familiengesellschafter von Porsche und VW einigen sich auf eine neue Konzernstruktur. Die Eigenständigkeit aller Marken soll dabei gewahrt bleiben.

Von Michael Kuntz

Die Automobilhersteller Volkswagen und Porsche sollen fusionieren. Die Unternehmerfamilien Porsche und Piëch sprachen sich nach einer Sitzung in Salzburg für einen integrierten Konzern aus. Darin soll Porsche als eigenständige Marke erhalten bleiben. Damit ist die seit September 2005 von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking betriebene Übernahme von VW zumindest vorerst gescheitert.

Fusion statt Übernahme: Die Familiengesellschafter des Sportwagenherstellers wollen beide Unternehmen in einem "integrierten Autokonzern" zusammenführen.

(Foto: Foto: ddp)

Die Familiengesellschafter von Volkswagen und Porsche wollen Europas größten Autokonzern und den Sportwagenhersteller in einem Unternehmen zusammenführen, teilte am Mittwochabend die Porsche Automobil Holding SE mit. Unter einer einheitlichen Führungsgesellschaft sollen in der angestrebten Struktur zehn Marken nebeneinander stehen, wobei die Eigenständigkeit aller Marken und damit auch die von Porsche gewahrt bleibe. Der Volkswagen-Konzern wird bisher als Unternehmen mit selbständigen Marken geführt. Das sind VW, Audi, Seat, Skoda, Lamborghini, Bugatti, Bentley, VW Nutzfahrzeuge und Scania.

Gespräche werden fortgesetzt

Auf Wunsch der Familien Porsche und Piëch sollen die Firmen Volkswagen und Porsche die Gespräche, die bisher nur auf Vorstandsebene geführt werden, fortsetzen und innerhalb von vier Wochen zu einem Ergebnis kommen. Der Arbeitsgruppe sollen auch das Land Niedersachsen als zweiter Großaktionär von VW und die Arbeitnehmervertreter der beiden Unternehmen angehören.

Bis zur Bildung einer gemeinsamen Holding bleibt somit offen, wer den Machtkampf bei Volkswagen letztlich gewinnt: Ursprünglich hatte der Porsche-Aufsichtsratsvorsitzende, Wolfgang Porsche, zusammen mit Porsche-Vorstandschef Wiedeking den VW-Konzern übernehmen wollen. Über einen Beherrschungsvertrag sollte Porsche Zugriff auf die 10,5 Milliarden Euro Rücklagen von VW bekommen.

Der Plan geriet durch die Finanzkrise aber ins Stocken, die Banken wollten das zunächst erfolgreiche Vorhaben nicht weiter finanzieren. Porsche hatte sich verhoben. Der VW-Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piëch soll sich daraufhin mit VW-Konzernchef Martin Winterkorn dafür stark gemacht haben, dass VW umgekehrt Porsche übernimmt; doch auch diese Lösung ist nun offenbar vom Tisch.

Kapitalerhöhung geplant

Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung plant Porsche jetzt eine Erhöhung des Kapitals um vier bis sechs Milliarden Euro. Die Summen sollen jeweils zur Hälfte von den Stammaktionären, also den Familien Porsche und Piëch, sowie von den Vorzugsaktionären aufgebracht werden. Zusätzlich könnte ein Großinvestor einsteigen. Hier war zuletzt das Scheichtum Katar im Gespräch. Für das Zusammengehen von Porsche und VW gilt ein Zeitraum von einem Jahr als realistisch. Unter anderem müssen die Aktionäre bei außerordentlichen Hauptversammlungen zustimmen.

Bei dem Treffen in Salzburg sei nun lediglich eine Richtungsentscheidung der Familien möglich gewesen, erklärte ein VW-Kenner. Über die Zukunft von Volkswagen werde im Aufsichtsrat des Konzerns entschieden und "nicht beim Familienrat". Das Land Niedersachsen als zweiter Großaktionär neben Porsche spricht durch seine Sperrminorität an VW ein wichtiges Wort mit.

Auch der VW-Betriebsrat pocht auf Mitsprache. Sein Vorsitzender Bernd Osterloh sagte: "Wir finden es richtig, alle Beteiligten zu Gesprächen an einen Tisch zu holen. Wir werden uns konstruktiv daran beteiligen." Osterloh fügte aber hinzu: "Ob die Gespräche überhaupt zu einem Ergebnis führen, ist aus unserer heutigen Sicht völlig offen." Die Rechte der 360.000 Mitarbeiter müssten gewahrt bleiben.