Telefon-Hersteller Gigaset: Massenentlassungen hier, FC-Bayern-Party dort

"Das ist nicht mehr normal", oder? Thomas Müller posiert mit einem Gigaset-Telefon.

(Foto: Marc Müller/dpa)

Warum Gigaset 550 Leute feuern will und gleichzeitig mit dem FC Bayern eine Party schmeißt. Und was eine Briefkastenfirma in Singapur damit zu tun hat.

Von Christoph Giesen

Da sitzen sie nun, die Bayern-Stars Thomas Müller, Xabi Alonso und Thiago und lassen sich auf einer Bühne im Bauch der Allianz-Arena von einer Journalisten-Darstellerin zu ihren Handygewohnheiten befragen. Denn gerade haben sie die neuen Smartphones ihres Sponsors Gigaset in Empfang genommen. Thomas Müller sagt, dass vor allem David Alaba und Jérôme Boateng für das Knipsen von Selfies in der Mannschaftskabine verantwortlich seien.

Nach gut einer halben Stunde ist das Geplänkel auf der Bühne endlich vorbei und die Spieler geben Einzelinterviews. Angereist sind auch etliche Journalisten aus China. Eine Reporterin trägt das Trikot des Abwehrspielers Holger Badstuber. Ein anderer lässt sich später noch Autogramme geben. Ein Sponsorentermin wie jeder andere auch? "Nein das ist nicht mehr normal", sagt Mike Schürig, Sprecher der IG Metall in Nordrhein-Westfalen. "So viel Chuzpe wie die Gigaset-Führung hat lange kein Unternehmen in Deutschland mehr an den Tag gelegt."

Was ihn ärgert: Nur zwei Tage bevor im Stadion in München freundliche Worte gewechselt werden, hatte Gigaset eine Hiobsbotschaft verschickt. Von 1250 Mitarbeitern sollen 550 das Unternehmen verlassen. Nach derzeitigen Vorstellungen der Unternehmensführung sollen 440 Mitarbeitern gekündigt werden, 300 davon alleine in Deutschland. Abfindungen sind nicht eingeplant. Noch Anfang des Jahres hatte sich Gigaset-Vorstandschef Charles Fränkl selbstbewusst gezeigt: "Ich finde, wir sind gerade die best story in town", sagte er im SZ-Interview. Doch wie passt das noch alles zusammen?

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Das Lieblingsprojekt von Gigaset heißt Smart Home

"Wir haben den Abbauplan zum frühestmöglichen Zeitpunkt kommuniziert, da bisher Beschäftigungssicherungsvereinbarungen galten, die kein früheres Handeln ermöglicht haben", rechtfertigt Fränkl sein Handeln. 2012, als Gigaset, die frühere Siemens-Festnetzsparte, schon einmal am Abgrund stand, hatten die Arbeitnehmer auf Geld verzichtet. Dieser Vertrag ist nun ausgelaufen.

Dass das klassische Festnetzgeschäft stagniert, ist seit Jahren klar. Fränkl ließ deshalb Beiboote zu Wasser. Sein Lieblingsprojekt nennt sich Smart Home. Das gesamte Haus wird dabei über eine Gigaset-Anlage gesteuert. Man kann die Heizung regeln, die Alarmanlage scharf schalten oder die Rollläden herunterlassen. 2012 verkündete Fränkl vor Analysten, dass er bis 2015 jährlich 30 bis 50 Millionen Euro mit Smart-Home-Produkten umzusetzen werde. Doch wie sieht es damit aus? Fränkl sagt nur: "Unser Smart-Home-Geschäft ist on track." Sein Sprecher ergänzt: Umsatzzahlen einzelner Einheiten kommuniziere Gigaset generell nicht.

Die Wahrheit ist bitter: Der Umsatz liegt im einstelligen Millionenbereich. Ein Retter musste also her. Und das ist der chinesische Multimillionär Pan Sutong. Seit zwei Jahren ist er der größte Anteilseigner der Gigaset AG. Ohne sein Geld wäre das Unternehmen 2013 insolvent gewesen. Doch was hat Pan, der sein Geld gerne in Rennpferde und exklusive Bordeaux-Lagen steckt, mit der abgehalfterten Siemens-Festnetzsparte vor? Offenbar nicht mehr viel. Pan scheint es vor allem um den Markennamen und ein ganz neues Geschäft, nämlich um Smartphones zu gehen. Smartphones, die allesamt in China hergestellt werden.