Hans Lang aus dem Rheingau verkauft seinen Riesling auch an den Discounter Aldi Süd. Das erzürnt die deutschen Spitzenwinzer.
Als Hans Lang aus Hattenheim im Rheingau im vorigen Jahr kurz vor Ostern 60.000 Flaschen "Riesling Classic" an Aldi Süd lieferte, wusste er noch nicht, was er damit auslösen würde. Winzer Lang ist nämlich nicht irgendeiner: Er gehört zur Elite der deutschen Weinbauern. Lang ist einer von nur 199 Winzern, die Mitglied im VDP sind, dem Verband Deutscher Prädikatsweingüter, die so etwas sind wie die S-Klasse der deutschen Weinwelt.
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Der Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) ist die S-Klasse der deutschen Weinwelt. Dass Mitglied Hans Lang auch an Aldi Süd liefert, behagt der auf Etikette achtenden Konkurrenz nicht. (© Foto: dpa)
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Da kommt man nicht so einfach hinein - es gibt rund 12.000 Winzer zwischen Ahr und Saale-Unstrut, Baden und Mosel. Und wer nicht mehr gut genug ist, der wird gegangen: Man will schließlich kompromisslos Deutschlands beste Weine machen.
Den VDP-Weinbauern gehören nur vier Prozent der deutschen Rebfläche, doch jeder achte Euro, den Deutschlands Winzer umsetzen, fließt in ihre Taschen. In diesem Jahr feiert der Verband sein hundertstes Jubiläum.
Synonym für billig, viel und mäßig
Musste es denn ausgerechnet Aldi sein? Dieses Synonym für billig, viel und mäßig, aber nicht für edel, rar und fein. 7,99 Euro kostete die Flasche Lang-Riesling damals im Discounter, viel mehr als die durchschnittlich zwei bis drei Euro, die deutsche Kunden für eine Flasche Wein ausgeben.
Doch Lang war mit seiner Aktion so zufrieden, dass er in dieser Osterwoche zum zweiten Mal Wein an Aldi-Süd verkaufte. Wieder ist es ein "Riesling Classic" für 7,99 Euro, diesmal der Jahrgang 2008.
Langs Verbands-Kollegen reagierten mit einer Mischung aus Neid, Missgunst, Ärger, kaum verhohlener Bewunderung und Entsetzen. Seither gibt es im VDP kaum eine Woche, in der die "Causa Lang" nicht zum Thema gemacht wird.
Das Thema ist heikel, weil noch weitere VDP-Winzer an Aldi liefern wollen, den größten deutschen Weinhändler. Das wäre so, als verscherbelte Porsche seinen Cayenne bei Lidl, schimpfen die Kritiker von Lang.
"Mut gehabt, etwas zu tun"
Sie fürchten um den Fortbestand des Weinfachhandels, der unter den Discountern und ihren Dumpingpreisen schon lange zu leiden habe. Andere sehen es dagegen als Chance für die deutschen Winzer, dass Aldi-Kunden vernünftigen Wein kaufen und trinken.
Trotz der Anfeindungen bleibt Lang sich treu. Er würde alles genau so noch einmal machen. "Viele Winzer klagen immer, dass die Franzosen, Spanier und Italiener uns so viele Kunden wegnehmen. Warum sollen wir also nicht darum kümmern, dass unser guter deutscher Wein stärker in den Mittelpunkt kommt? Anstatt mich nur in die Schmollecke zu begeben, haben ich eben Mut gehabt, etwas zu tun."
An Aldi sei nichts Anstößiges. "Warum auch?", fragt Lang. Der Discounter habe sehr hohe Qualitätsanforderungen, und immerhin belieferten viele VDP-Kollegen Tengelmann und Edeka, "da sagt auch keiner was Schlechtes".
Lesen Sie auf der zweiten Seite, welche Qualitätskriterien VDP-Verbandspräsident Steffen Christmann für entscheidend hält.
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1) Fritz Keller (Weingut Franz Keller - Schwarzer Adler) ist nicht Mitglied im VDP.
2) was ist daran verwerflich, dass jemand Winzergenossenschaften berät?
Mittlerweile haben Winzergenossenschaften ein hohes Niveau erreicht und werden in den einschlägigen Fachmagazinen (Vinum, Gault Millau od Eichelmann) höher bewertet als so manches VDP Weingut.
Die Deutschen geben am meisten Geld in Westeuropa für ihre Küchen aus, aber am wenigsten für ihr Essen und Trinken. Wenn das nicht Wahnsinn in Perfektion ist.
Den typischen Aldi-Kunden dazu zu kriegen, dass er 8 EUR für eine Flasche Wein ausgibt, ist begrüssenswerte Pionierarbeit. Deutschland ist nämlich immer noch das Land, wo die Leute zwar reichlich Geld, aber wenig Ess-Kultur haben. Billignahrung dominiert und wird allgemein gut gefunden. Leider kommt die Idee zur falschen Zeit: In der Krise werden die Deutschen wohl noch mehr beim Essen und Trinken sparen.