Skandal um verseuchte Eier Dioxin-Eier auf Duisburger Kinderbauernhof entdeckt

Ausgerechnet auf einem Kinder- und Lernbauernhof sowie einem Biohof in Duisburg sind dioxinbelastete Eier entdeckt worden. Die erhöhten Messwerte lagen bereits Mitte März vor, der vorösterliche Eierverkauf lief dennoch weiter - erst nach zwei Wochen schritt das Land ein und ließ die Betriebe sperren.

Unmittelbar vor Ostern sind auf zwei Duisburger Bauernhöfen dioxinverseuchte Eier gefunden worden. Nun wird bekannt, dass es sich bei einem der Höfe um einen Kinder- und Lernbauernhof der Arbeiterwohlfahrt (AWO) handelt. Die Messergebnisse des Hofs sowie eines anderen Duisburger Bio-Hofs lagen bereits Mitte März vor - der vorösterliche Verkauf aber ging weiter, bis das Land am Mittwoch Sperrung der Betriebe anordnete.

Wenige Tage zuvor war bereits ein Fall erhöhter Werte dioxinähnlicher PCB (Polychlorierte Biphenyle) in einem größeren Betrieb in Ostwestfalen-Lippe bekannt geworden. Eier des Hofs mit 25.000 Legehennen hatten eine bis zu sechsmal über dem Grenzwert liegende Konzentration an PCB aufgewiesen. Einen Zusammenhang zu den Duisburger Fällen sehen die Experten nicht.

Die Behörden rufen die Eier nun zurück: Verbraucher und Handel sollen Eier mit der Stempelnummer 0-DE-0521041 schnellstmöglich entsorgen, hieß es. Die Eier des einen Duisburger Direktvermarkters mit 120 Bio-Hennen tragen die Stempelnummer 0-DE-0521991. Der AWO-Hof mit 150 Legehennen stempele die Eier nicht, weshalb das Ministerium den Namen des Ingenhammshof bekanntgab.

Im nordrhein-westfälischen Umweltministerium hat man wenig Verständnis für das Verhalten der Duisburger Stadtverwaltung: "Die Betriebe hätten schon am 20. März gesperrt werden müssen. Die Stadt hat aber nur weitere Proben veranlasst", sagte ein Ministeriumssprecher. Die städtischen Mitarbeiter hätten die Werte knapp über dem Grenzwert als nicht besorgniserregend eingestuft und die Ergebnisse der Kontrollproben abwarten wollen, entgegnete ein Sprecher des Duisburger Rathauses. Zudem sei unmittelbar mit der Ursachensuche begonnen worden.

Unterschiedliche Angaben über Höhe der Dioxinbelastung

Über die Höhe der gemessenen Werte gingen die Angaben auseinander. Während das Land beim AWO-Hof mit 10 Pikogramm (ein Pikogramm entspricht einem Billionstel Gramm) eine vierfache Überschreitung des Grenzwerts von 2,5 Pikogramm sieht, ist bei der Stadt nur von einer doppelt so hohen Belastung die Rede. Für eine erhöhte Hintergrundbelastung durch die Schwerindustrie seien diese Werte aber zu hoch, hieß es in Düsseldorf. Auch im Futtermittel sei nichts gefunden worden, berichtete das Ministerium.

"Bislang hatten wir keine Probleme", sagte AWO-Mitarbeiter Osman Apaydin. Die Eier stammten von freilaufenden Hühnern und ihr Vertrieb sei nicht-kommerziell. "Wir wissen selbst nicht, wie das sein kann." Beim zweiten Duisburger Fall, dem Bio-Hof, lag die Dioxin-Belastung nur leicht über dem Grenzwert. In diesem Fall sei es durchaus möglich, dass der Wert durch die benachbarte Industrie verursacht worden sei, hieß es.

Bauernverband kritisiert spätes Einschreiten

Kritik kam vom Deutschen Bauernverband: "Es kann nicht sein, dass die Öffentlichkeit erst informiert wird, wenn die Eier alle aufgegessen sind", sagte Verbandssprecher Johannes Funke. Der vom Bundeslandwirtschaftsministerium ins Leben gerufene Zehn-Punkte-Plan zur Bewältigung solcher Situationen greife offenbar nicht.

Erst vor gut einem Jahr hatte es einen bundesweiten Skandal um dioxinbelastete Eier gegeben. Über 1000 Höfe wurden gesperrt und Tausende Tiere getötet. Damals stammte der Eintrag des Gifts Dioxin von belastetem Futtermittel.