Der Autovermieter reagiert auf den Anschlag in Afghanistan: Eine provokante Werbung wird zurückgezogen.
Diese Anzeige sollte lustig sein: Zwei Soldaten fahren in einem offenen Jeep mit umgeklappter Windschutzscheibe durch herum spritzenden Schlamm. Dazu der Text: "Erlebe, was Kameradschaft bedeutet, zeige dem Feind seine Grenzen und fahre noch günstiger Cabrio als bei Sixt."
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Die Sixt-Werbung (© )
Anzeige
Darüber kann seit dem Anschlag auf drei Soldaten der Bundeswehr am Samstag in Afghanistan keiner mehr lachen - auch bei Sixt nicht. Der Autovermieter stoppte umgehend seine Anzeigen. Die Stornierung kam zu spät für die Sonntagszeitungen von Welt und FAZ sowie den Spiegel - sie druckten bereits.
Schon häufiger hatte Deutschlands führende Autovermietung für Aufsehen gesorgt mit sogenannter Camouflage-Werbung, bei der nicht auf den ersten Blick zu sehen ist, von wem sie stammt.
Das erfährt der Betrachter der Jeep-Szene erst, wenn er die angegebene Web-Adresse www.gehzurarmee.de anklickt. Die führt zu der Seite im Reservierungssystem mit den Sixt-Angeboten für Jeeps und Cabrios - auf der allerdings gar keine Jeeps angeboten werden.
Das Sortiment ist zivil. Hier kann man sich ein Cabriolet wie den VW Eos beziehungsweise die Geländewagen BMW X3 oder Volvo XC90 bestellen.
In der Fachpresse für die Werbewirtschaft wird kolportiert, der Autovermieter und seine Agentur Jung von Matt/Elbe hätten mit ihrem misslungen Manöver eigentlich Bundesverteidigungsminister Franz Peter Jung humorvoll unter die Arme greifen wollen.
Der Dienstherr der Bundeswehr habe mehrfach sowohl den Mangel an Rekruten wie auch die unzureichende Ausrüstung der Truppe bemängelt. Das Arbeitsmotto für die Werbetexter sei gewesen: "Ein Minister klagt. Sixt hilft."
Provokante Werbung gehört bei der Sixt AG sozusagen zum gewinnbringenden Geschäftskonzept. So war der Armee-Werbung eine Serie von ebenfalls getarnten Anzeigen vorangegangen mit der Internet-Adresse www.gibsnisch.de.
Beim ersten Klick auf diese Seite kracht die dem Sixt-Auftritt nachgebaute Homepage in sich zusammen und es erscheint das Original: Das Reservierungssystem des Vermieters.
Nicht zuletzt Aktionen wie diese stabilisieren den Ruf des Unternehmers Erich Sixt aus Pullach bei München als wohl erfolgreichsten Sprücheklopfer der deutschen Wirtschaft.
Ach ja, neue Geschäftszahlen gibt es auch: Die Aktiengesellschaft von Erich Sixt hat mehr Gewinn eingefahren, obwohl der Umsatz zurück ging. Das Ergebnis vor Steuern legte im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr um zwölf Prozent auf 36,5 Millionen Euro zu. Der Umsatz gab dagegen um 4,6 Prozent auf 362,5 Millionen Euro nach.
Der Grund war das schwächere Leasinggeschäft. Das Gesamtjahr soll wieder hervorragend werden: Vorstandschef Erich Sixt erwartet fünf bis zehn Wachstum beim Umsatz und beim Gewinn noch etwas mehr. Neues Geschäft sollen die Kooperation mit China Airlines, eben eröffnete Filialen in Weißrussland und gepanzerte Autos von BMW bringen.
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(SZ vom 24.05.2007)
diese werbung ist auf alle fälle keine antikriegsbotschaft!
es ist die schelichende militarisierung der gesellschaft, die soldaten und ihr auf tötung abziehlende handlung mit sog witz wieder salonfähig macht.
das kapital und das militär waren schon immer eng verbandelt. den kapiutalisten ist es nämlich wurscht womit sie ihr geld verdienen.
jetzt das betroffenheitsgeplänkel durchziehen ist lächerlich, sind sie doch schon allein wegen der gepanzerten limousinen profiteuere von gewalt und die illusion, dass es keine opfer gibt ist eben jetzt geplatzt
Ich finde die Werbung trotzdem amüsant: Richtig guter Humor hat immer etwas sehr Polarisierendes, wie schon Kurt Tucholsky erkannt hat, der behauptet, dass halb Deutschland beleidigt auf dem Sofa sitzt, wenn einer einen guten politischen Witz erzählt. Ich finde die Anzeige auch deswegen gut, weil sie ein Stück Wahrheit enthüllt, das keiner so richtig gern sehen will.
Als ich vor über 25 Jahren in Nutzung eines anderen Tucholsky-Zitats und der Ableitung hieraus darauf hingewiesen habe, dass ich weder zum Mörder noch zum Gemordeten werden will, war ich einer von nur zwei Kriegsdienstverweigerern meines Schuljahrgangs, der gleich bei der ersten so genannten Gewissensprüfung im Kreiswehrersatzamt anerkannt wurde. Nun ist halt irgendwo weit weg, an "dem Feind SEINEN Grenzen", wie die Anzeige mit treffender Ironie formuliert, der Kollateralschaden eingetreten, mit dem bei einem Krieg dem Wesen des Krieges nach ja auch zu rechnen war.
Ich finde es schade, dass Sixt die Anzeige zurücknimmt - damit wird die Firma eigentlich ein bisserl vom Verantwortungs- zum Gesinnungsethiker. Ansonsten kann man da nämlich wirklich geile Schlampenschleudern für die Fönfrisur mieten ... Und mit den gepanzerten BMWs werden sich sicherlich auch in China und Weißrussland ganz neue Zielgruppen erschließen lassen, die den Aktienkurs und die Dividende ein weiteres Jahr kräftig in die Höhe treiben werden, was mich als Aktionär natürlich freut.
Popelige Bigotterie, man kokettiert locker-flockig der Euronen wegen mit Bundeswehr, Abenteuer und so - wenn´s dann zufällig und leiderleider zum völlig falschen Zeitpunkt kracht und scheppert und für kurze Zeit für jedermann sichtbar wird, wofür Soldatentum nebenbei sonst noch steht - puff, die Party fällt in sich zusammen und alle rennen, um noch eine der heißbegehrten Betroffenheitsmasken zu ergattern - Schmierentheater in Reinkultur.
Finde die Werbung richtig gut. Schade, dass man auf sowas immer erst aufmerksam wird, wenns zurückgezogen wird oder sonst wie in der Kritik steht. Gut gemachte Werbung ist doch ein Genuß
Ausgehend davon, dass die Werbung schon einige Zeit vor besagtem Anschlag mit Todesopfern in Afghanistan konzipiert wurde (die Tat mag absehbar gewesen sein, der Zeitpunkt war es jedenfalls nicht), und auch die Veröffentlichung der Werbung Zeit in Anspruch nimmt, halte ich es für falsch, dem Autovermieter hier nun vorzuhalten, er habe taktlos, geschmacklos oder wie auch immer gehandelt.
Der Spruch ist meiner Meinung nach gelungen, der Zeitpunkt hat sich im Nachhinein als ungünstig erwiesen, so wurde aus einer vermeidlich gelungenen Werbeaktion ein Flopp, es hat nicht sollen sein.
Paging