Sirup Tri Top: Hersteller insolvent Sinnliche Erinnerungen

Waldmeister, Himbeere, Kirsche: Der klebrige Sirup Tri Top ist Kult - doch inzwischen nur noch mäßig erfolgreich. Nun musste der Hersteller Insolvenz anmelden.

Von Elisabeth Dostert

Himbeere. An den süßen Geschmack von Himbeeren denkt Johannes Dorn, Mitglied der Geschäftsführung des Marktforschungsinstituts Rheingold, beim Namen Tri Top. In den 60er und 70er Jahren liebten Kinder den mit Wasser verdünnten Sirup in bunten, künstlichen Farben. "Mal schmeckte es extrem süß, mal wässrig, je nachdem, wie meinen Eltern die Mischung geriet", erzählt Dorn. Himbeer liebte er: "Waldmeister schmeckte eklig." Dorn erinnert sich an sonnige Nachmittage im Garten seiner Eltern in den 70er Jahren. Da war Dorn noch ein Kind. Er denkt an die grellen Kleider seiner Mutter, den knallroten Käfer des Vaters, eine intensive, sinnliche Zeit.

Der Versuch, an alte Zeiten anzuknüpfen, ist vorerst gescheitert. Mitte Juli melden die "The Tap Cap Company" und die Töchter Tri Top und Kauf-Idee - die Firma, die den Wassersprudler Maxx herstellt - Insolvenz an. Zum vorläufigen Verwalter wurde der Hamburger Spezialist Klaus Pannen bestellt. "Es gibt bereits mehrere Interessenten, sowohl für einzelne Firmen als auch die Gruppe insgesamt", sagte Pannen am Freitag der Süddeutschen Zeitung.

Im vergangenen Jahr setzte ihm zufolge Tap Cap mit 54 Mitarbeitern insgesamt 23 Millionen Euro um, Tri Top steuerte mit 20 Mitarbeiter sieben bis acht Millionen Euro bei. Pannen, der auch die Insolvenzen Weserbank und Schieder Möbelwerke verwaltet, ist gerade dabei, sich ein Bild zu machen. Zu den Ursachen der Insolvenz von Tap Cap, Schuldenhöhe und Verlust mag er sich noch nicht äußern. Auch Pannen kennt den Sirup noch aus Kindertagen: Lieblingsgeschmack Waldmeister.

Comeback mit mäßigem Erfolg

In den 80er Jahren hatten die Union Deutsche Lebensmittelwerke Tri Top vom Markt genommen. Für mehr als ein Jahrzehnt verschwand der klebrige Saft in den konischen Flaschen, die aussehen wie eine Lavalampe, aus den Regalen. Als Ende des Jahrtausends der Markenschutz für Tri Top auslief, sicherte sich das Hamburger Unternehmen DS die Markenrechte.

Nach anfänglichen Erfolgen verkaufte die Firma Tri Top 2007 an den Finanzinvestor Absolute Opportunity Investment, der Tri Top zusammen mit Kauf-Idee unter dem Dach der Aquellness bündelt. Der Erfolg blieb mäßig. In einem Ranking des Informationsdienstes Euromonitor schaffte es die Firma gerade mal auf Platz 144 der größten Erfrischungsgetränkehersteller, Lichtjahre entfernt von den Marktführern Coca-Cola und Pepsi-Cola. Der im Herbst 2007 von Aquellness geplante Börsengang im wenig regulierten Segment Entry Standard wurde kurz vor Ende der Preisfindungsphase abgesagt. Man wolle es lieber in London versuchen, hieß es. Auch daraus wurde nichts. Aquellness legte sich den neuen Namen zu.

Tri Top war nicht der erste Versuch, Marken mit sentimentalem Erinnerungsschatz wiederzubeleben. Sunkist, Ahoi-Brause, Kölnisch Wasser, Creme 21 oder Afri-Cola sind andere Beispiele mit mehr oder minder großem Erfolg. "Das gelingt nur, wenn es ein Markenversprechen gibt", sagt Marktforscher Dorn. "Und Tri Top trägt das Versprechen an Süßes und Selbstgemachtes." Im Zeitalter gesundheitsbewusster Ernährung sei solch ein Versprechen aber schwierig. "Tri Top passte nicht mehr in das Zeitgefühl", sagt Dorn. Anders als Tri Top sei es der Brause Ahoi gelungen, wider den Zeitgeist den Verbraucher zu überzeugen. Das Comeback des Sirups mag erschwert haben, dass die Marke rund 15 Jahre ruhte, ein ganzes Kinderleben lang. Und die Konkurrenz ist heftig.

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