Sinkende Mehrweg-Quote Einwegpfand verwirrt Verbraucher

Das Einwegpfand hat nichts gebracht - der Anteil klassischer Pfandflaschen geht immer mehr zurück. Gerade mal jede zweite verkaufte Flasche ist in Deutschland noch mehrfach verwendbar. Das Bundesumweltministerium will mit einer neuen Verordnung den Trend stoppen.

Von Michael Bauchmüller, Berlin

Die "Einwegflut", sie war schon den rot-grünen Erfindern des Dosenpfands ein Dorn im Auge. Mit "zunehmender Wucht" drängten Einwegflaschen auf den Markt, warnte 2002 der grüne Umweltminister Jürgen Trittin. Ein Zwangspfand auf Einwegverpackungen sollte das beenden, 2003 wurde es eingeführt. 25 Cent Pfand muss der Einzelhandel seither je Dose oder Flasche erheben. Nur: Geändert hat das nichts. Die Einwegflut hält an.

Das Ausmaß des Misserfolgs musste auch das Bundeskabinett unlängst turnusmäßig zur Kenntnis nehmen, gemessen in der sogenannten Mehrwegquote. Der Anteil klassischer Pfandflaschen lag 2004 noch bei 71,1 Prozent - für damalige Verhältnisse schon ein erschreckend niedriger Wert. Sechs Jahre später aber wurde gerade mal jede zweite Flasche mehrmals befüllt.

Während die Deutschen Bier weiterhin gerne aus Mehrwegflaschen trinken, greifen sie bei Mineralwasser immer öfter zu Einwegflaschen vom Discounter. 2004 noch kauften sie zwei von drei Sprudelflaschen im Kasten. Aber schon 2010 lag dieser Wert nur noch bei 43 Prozent. Das Zwangspfand mag Dosen zu wertvoll gemacht haben, um sie einfach wegzuwerfen. Aber den umweltfreundlichen Mehrwegsystemen hilft es wenig.

Verwirrung bei den Verbrauchern

Nun sollen spezielle Schilder in Supermärkten her. Es gebe "Irritationen" bei den Verbrauchern, was nun Einweg sei und was Mehrweg, heißt es im Arbeitsentwurf einer Verordnung aus dem Bundesumweltministerium. "Im Handel finden sich verstärkt Angebote von Einweggetränkeverpackungen, deren Design stark an das von Mehrweggetränkeverpackungen angelehnt ist."

Obendrein sei durch das Pfand bei vielen Verbrauchern der Eindruck entstanden, es handele sich automatisch um Mehrwegflaschen. So waren es die meisten ja auch lange gewohnt.

Tatsächlich sind Einweg- und Mehrwegflaschen oft kaum unterscheidbar, große Hersteller führen stets beides. Mehr noch: Für die Verbraucher ist die Rückgabe der Einweg-Variante bequemer. Denn Supermärkte müssen auch solche Einwegflaschen zurücknehmen, die sie gar nicht im Sortiment haben. Hauptsache, auf dem Etikett findet sich das Symbol des Einwegpfandes: ein geschwungener Pfeil nebst Dose und Flasche.

Anders bei Mehrwegsystemen: Hier nehmen Händler nur jene Flaschen zurück, die sie selbst auch führen. Manche leere Flasche werden Verbraucher nur umständlich wieder los.

Um das System etwas zu entwirren, sollen Märkte "deutlich sicht- und lesbare Informationstafeln oder Schilder anbringen", auf denen dann in großen Buchstaben entweder "Einweg" oder "Mehrweg" stehen soll, empfiehlt der Entwurf. Das Ganze werde es Verbrauchern leichter machen, "sich bewusst für eine Getränkeverpackung zu entscheiden, die ihren ökologischen Ansprüchen genügt". Das Ergebnis lässt sich irgendwann nachlesen - in der Mehrwegquote.