Debatte um Plastiktüten Auch Papiertüten sind eine Umweltsünde

Landen mal auf der Straße, mal im Müll und irgendwann als Partikel in Tier-Mägen: Einkaufstüten aus Kunststoff.

(Foto: dpa)
  • In einigen Ländern hat sich gezeigt, dass sich umweltschädliche Plastiktüten leicht aus dem Verkehr ziehen lassen.
  • Von April an sollen 60 Prozent der gut sechs Milliarden in Deutschland jährlich verbreiteten Plastiktüten etwas kosten.
  • Papiertüten werden oft als Alternative gehandelt, vebrauchen aber ebenfalls eine Menge Ressourcen.
Von Michael Kläsgen

Beim Klamottenladen H&M wird es Plastiktüten bald nicht mehr umsonst geben, bei Media Markt auch nicht. Die Billigkette Kik hat sie als einer der ersten Textilläden ganz aus den Geschäften verbannt. Im Drogeriemarkt Rossmann kosten Plastiktüten schon seit Jahresbeginn etwas. Wie im Supermarkt wird man auch bei C&A und Tchibo für die Kunststofftüte zahlen müssen. Karstadt verlangt seit Kurzem je nach Größe der Plastiktüte zwischen 5 und 30 Cent. Kaufhof macht es im Sommer nach.

Die Unternehmen wollen damit dazu beitragen, die Umwelt zu schonen. Denn der Kunststoff zersetzt sich laut Schätzungen erst in 500 Jahren oder überhaupt nicht in der Natur; oftmals landet er in den Mägen von Fischen oder Vögeln, die daran verenden. Für die Unternehmen sind die Tüten in erster Linie eine relativ günstige Werbefläche.

Auf Drängen der EU und des Bundes wollen sich trotzdem viele von ihnen dazu verpflichten, das Plastiktüten-Aufkommen zu reduzieren, der Umwelt zuliebe. Zwar liegt der Verbrauch mit 76 Tüten pro Kopf in Deutschland gegenwärtig unter den Anforderungen aus der EU. Bis 2025 soll der Verbrauch aber weiter auf 40 Stück pro Einwohner sinken.

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Deswegen macht das Bundesumweltministerium Druck. In anderen Ländern, vor allem in Irland, hat sich gezeigt, dass sich Tüten leicht aus dem Verkehr ziehen lassen, wenn dafür Geld, zum Beispiel mehr als 20 Cent, verlangt wird. Von April an sollen nun 60 Prozent der insgesamt pro Jahr gut sechs Milliarden in Deutschland verbreiteten Plastiktüten etwas kosten.

Nicht alle Händler machen zum Bedauern von Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) mit. Um das EU-Ziel zu erreichen, soll die Kostenpflicht bis 2018 auf 80 Prozent aller Tüten erhöht werden.

Hendricks ist nach Aussage eines Ministeriumssprechers bereit, die Selbstverpflichtung auch zu unterschreiben, wenn die erwarteten 60 Prozent im April nicht ganz zustande kommen, aber ersichtlich ist, dass der Einzelhandel auf dem richtigen Weg ist. In der Selbstverpflichtung werde die Ministerin allerdings auch festschreiben, dass sie sich vorbehält, "ordnungspolitisch", also notfalls per Gesetz, einzugreifen, falls der Einzelhandelsverband HDE den Anforderungen nicht nachkommt. "Wir versprechen uns hiervon vor allem einen deutlichen Anreiz für Verbraucherinnen und Verbraucher, im Einzelfall bewusster zu entscheiden, ob eine Tragetasche benötigt wird oder nicht."