Russische Ölfirmen legen Wildwestmethoden an den Tag. Die Bundesregierung sollte das zum Anlass nehmen, ihre Energiepolitik zu überdenken. Dem Konzern Gazprom den Weg nach Deutschland zu versperren, ist der falsche Weg.
Immer diese Russen. Jetzt haben sie schon wieder eigenmächtig den Ölfluss nach Deutschland gedrosselt. Der Konzern Lukoil hat seine Lieferungen nach Deutschland einfach um ein Drittel reduziert, um wenige Tage später höhere Preise für den wertvollen Rohstoff zu fordern.
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Schon Anfang des Jahres hatte die russische Regierung hierzulande Bürger und Politiker aufgeschreckt, weil sie den Ölstrom durch die wichtige Pipeline Druschba, die ein Fünftel des deutschen Bedarfs befriedigt, gleich drei Tage lang stilllegte. Und Anfang 2006 hatten die Russen überraschend weniger Gas in die EU geschickt als vereinbart.
Der mächtige Energielieferant im Osten entpuppt sich zunehmend als launischer Partner. Da kann es kaum verwundern, dass die EU-Kommission an Plänen schmiedet, die russischen Energieunternehmen, die alle vom Kreml kontrolliert werden oder wenigstens beste Beziehungen zum Präsidenten haben, als Aktionäre westeuropäischer Energieunternehmen zu verhindern. Der Energielieferant Russland wird im Westen zunehmend unheimlich.
Es sieht aus wie schlechtes Benehmen, wenn die Russen bei den Energielieferungen zu Wildwestmethoden übergehen. Doch der ganze Ärger ist nicht einfach mit der Mentalität eines ansonsten zuverlässigen Handelspartners zu erklären, der hin und wieder mit rustikalem Verhalten verblüfft.
Die Russen besitzen einen Rohstoff, den die Deutschen unbedingt brauchen. Auch deshalb führen die Russen den Industrieländern vor, dass sie mit der Lieferung von Öl und Gas ein gewisses politisches Wohlverhalten verknüpfen. Wenn plötzlich vertraglich versprochene Ölmengen ausbleiben, bedeutet das auch, dass der schon lange vorhergesagte globale Kampf um den knapper werdenden Rohstoff für Energie begonnen hat.
Der globalisierte Kapitalismus bewirkt, dass die Nachfrage nach Öl und Gas weltweit drastisch steigt. Länder wie China, Indien oder Brasilien haben einen kaum stillbaren Bedarf an Öl. Doch die fossilen Energieträger im Boden sind begrenzt.
Das Ende des Öls ist absehbar, die Fördermengen nehmen tendenziell ab, während die Nachfrage nach dem Rohstoff ungebremst steigt. Auch dafür steht Russland als Beispiel: Das energiereiche Land braucht seine großen Öl- und Gasmengen zunehmend für die eigene Versorgung. Russlands Öl- und Gasexporte werden mit Sicherheit in Zukunft abnehmen, auch wenn Putins Regierung das Gegenteil verspricht.
Angesichts dieses Szenarios, das bald kräftige Preissteigerungen für den Lebenssaft der Industrienationen erwarten lässt, sollten die Politiker die ersten Signale, die von der Druschba-Pipeline ausgehen, zum Anlass nehmen, ihre Energiepolitik zu überdenken - falls man in Deutschland und Europa überhaupt von einer Energiepolitik reden kann.
Wichtiger als der Kampf gegen zu kleine Renten
In Deutschland wird so getan, als sei das Gefeilsche um ein paar Prozentpunkte beim Einsparen des Klimagases Kohlendioxid schon nachhaltige Energiepolitik. Es wird auf Dauer nicht reichen, wenn die Kanzlerin Angela Merkel angesichts ausbleibender Lieferungen aus dem Osten den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu mehr Zuverlässigkeit ermahnt.
Energiepolitik ist bedeutender als der Kampf gegen zu kleine Renten oder die Arbeitslosigkeit. Ohne Energie geht nichts mehr in der Wirtschaft, und drastisch steigende Ölpreise gefährden das Wachstum. Doch weder in Berlin noch in Brüssel ist eine klare Strategie erkennbar, die unsere Abhängigkeit von fossilen Energiequellen verringern könnte.
Besonders fahrlässig ist, dass es nicht einmal in der EU, geschweige denn zwischen Europa und Amerika, eine gemeinsame Linie zum Abbau der Öl-Abhängigkeit gibt. Es wird so getan, als gebe es ausreichend Öl und auch genug Geld, um die hohen Preise in Zukunft locker zahlen zu können. "Es wird schon reichen'', beteuern Ölkonzerne und Lieferländer, um die Industriestaaten zu beruhigen, "keine Bange, es ist genug Öl da.'' Doch das täuscht.
Es gibt viele Methoden, sich auf die Öl-Knappheit einzustellen - schlechte und gute. Amerika ist seit dem Zweiten Weltkrieg militärisch am Persischen Golf vertreten, um seine Interessen zu sichern. Das aufstrebende China unterstützt mit klarem Blick auf die sudanesischen Ölquellen das Verbrecherregime in Khartum. Eine andere Möglichkeit besteht darin, die steigenden Preise einfach murrend zu bezahlen, wenn man es sich denn leisten kann.
Die wirksamste Energiepolitik ist aber, die Abhängigkeit von Öl und Gas zu reduzieren. Dabei bleibt es gleichgültig, ob die Industrieländer den Verbrauch einschränken oder neue Energiequellen erschließen. Beides kostet Geld und Zeit. In der Zwischenzeit aber geht es darum, die Versorgung wenigstens einigermaßen zu sichern.
Auch dabei lassen sich Fehler machen. Ein Fehler wäre, die russischen Energiekonzerne, die nach Beteiligungen an Versorgungsunternehmen in Westeuropa drängen, mit politisch-administrativen Mitteln fernzuhalten. Es mag naheliegend sein, diese unheimlichen Mächte abwehren zu wollen.
Doch sicherer wird die Belieferung mit Öl und Gas nur, wenn die Russen durch ihre Beteiligungen selbst ein Interesse an der Versorgung in Deutschland haben.
(SZ vom 31.08.2007)
Machtkampf in der Linken
Die Grünen sind nicht unbedingt meine politischen Favoriten, aber in der Frage der Energie- Gewinnung und Verteilung liegen sie richtig: die Rohstoffe verwenden, die für uns hier verfügbar sind: Sonne, Wind, Wasser; dezentrale Versorgung aus kleinen Einheiten heraus; so weit wie möglich dieses Prinzip auf alle Wirtschaftsgebiete ausdehnen. Hilft auch gut gegen so Typen wie Claassen und ähnliche, ach so, Nettiquette, na ja...
Ich weiß nicht was das gemeckere soll , ein deutscher Bundeskanzler, den wir selbst gewählt haben und auch wieder abgewählt haben. Sein, so nachhaltiges Sprichtwort
-der ruhigen Hand- steckt noch immer in der Regierung. Der einzige Unterschied: dieser Bundeskanzler ist nicht mehr in der Regierung sondern in dem Unternehmen welche jetzt das Land erpresst, ach nein es ist nur ein Unteschied sondern zwei, denn jetzt beteiligt sich auch die Union mit der neuen Bundeskanzlerin, aber was sage ich da, kommt denn nicht Frau Bundeskanzlerin Merkel aus den neuen Bundesländern, welch ein guter Freund der Russen war.
Was beschweren wir uns noch, es sind ja nur wir die kleinen die bezahlen müssen, dieMinister bekommen ja unsere Steuergelder
Mfg OrleansBerlin
Was Herr Büschemann leider übersieht, ist, dass wir uns mit der russischen Gas- und ölmafia weitere gutfinanzierte Lobbyistenhorden ins Land holen würden, die mit ALLEN Mitteln versuchen werden, die Verwendung und den Ausbau erneuerbarer Energien zu verhindern.
Mit allen Mitteln heißt, diese Organisationen werden sich nicht auf die Pflege der politischen Landschaft mittels Schmiergeldern beschränken, sondern dann werden auch die Zerstörung von Freiland-Solarkraftwerken oder die Sprengung von Windkraftanlagen bald zum Alltag gehören.
Das Beste daran: die deutsche Polizei dürfte noch nicht mal gegen die Täter ermitteln, weil ja sonst zur Strafe sofort die öl- und Gaspreise steigen würden!
Steigende öl- und Gaspreise sind nicht schlecht für die Wirtschaft, in Gegenteil: sie beschleunigen die Entwicklung von effizienteren und alternativen Technologien.
um die Rohstoffe hat begonnen. Was sich hier anbahnt ist nur ein kleiner Vorgeschmack dessen, was in den nächsten Jahren auf all die Nationen zukommt, die keine Rohstoffe und insbesondere über keine fossilen Lagerstätten verfügen.
Dieser Verteilungskampf wird vordergründig über den Preis geführt. Um diesen so hoch als möglich zu gestalten wird mit allen schmutzigen Tricks gekämpft, wie wir sie auch aus der Wirtschaft kennen. Dazu gehört auch die künstliche Verknappung wie in diesem Fall.
Tatsächlich geht nur um Macht. Macht. Macht.
Die Parameter haben sich verschoben. Früher stand die Nation mit dem schlagkräftigsten Militär und den beeindruckensten Waffen an der Spitze. Die Aufrüstung hat dies jedoch egalisiert. Es ist egal ob man seinen Gegner 1 oder 100 Mal auslöschen kann. Es ist eine gewisse Gleichheit entstanden, die den Ostblock jedoch in den (beabsichtigten) wirtschaftlichen Ruin getrieben hat und mit ein Grund für die Auflösung der UDSSR war.
Rußland hat aus seiner Niederlage beängstigend schnell gelernt: Nicht der mit den Waffen, sondern der mit einer florierenden Wirtschaft hat das Sagen. Und dazu braucht es eben Rohstoffe und insbesondere Energie.
Rußland und die UDSSR wurde über den Preis für Ihr Militär besiegt.
Rußland wird über den Preis für seine Rohstoffe gewinnen wollen.
Rohstoffarme Länder: Zieht euch warm an, das Siel um die Weltherrschaft hat erneut begonnen!
Erst müssen die widerlichen öl- und Gaslobbyisten aus dem Einflussbereich der Parlamente verdrängt werden, bevor in Europa endlich eine vernünftige Energiepolitik einkehren kann. Diese sollte in erster Linie auf Nachhaltigkeit ausgerichtet sein und nicht auf die Profite von Konzernen.
Dem Autor widerspreche ich, wenn es darum geht, Zugeständnisse an Russland zu machen. Die beste Sanktion wäre, die gedrosselten Energiemengen bald nicht mehr zu benötigen. Einfach billigere und umweltfreundliche Energien fördern und fiese Spritschlucker hart sanktionieren. Anstatt Geld im Ausland zu versenken (z.B. Afghanistan), kann man mit dem Geld auch deutsche Häuser besser (und staatlich gefördert) isolieren.
Paging