Rohstoffspekulation bei Goldman Sachs Hin- und Herfahren für fünf Milliarden Dollar

Die Investmentbank Goldman Sachs lässt einem Medienbericht zufolge täglich Tausende Tonnen Aluminium in ihren eigenen Lagerhäusern hin- und hertransportieren. Das treibt den Rohstoffpreis künstlich in die Höhe. Das Geldhaus kassiert kräftig ab.

Bei einer einzelnen Coladose geht es nur um Bruchteile eines Cents - doch insgesamt um mehrere Milliarden US-Dollar. Laut einem Bericht der New York Times treibt die amerikanische Investment-Bank Goldman Sachs die Preise für Aluminium künstlich in die Höhe.

Demnach kaufte das Institut vor drei Jahren die Firma Metro International, aus deren Lagerhallen im Raum von Detroit ein großer Teil des Aluminiums für den amerikanischen Markt kommt. Bevor die Investmentbank einstieg, mussten Kunden durchschnittlich etwa sechs Wochen auf die Lieferung des Aluminiums warten - jetzt sind es 16 Monate. Und für jeden Tag, den das Metall im Lager verbringt, fallen Lagergebühren an, die Goldman Sachs, der auch ein Teil des Aluminiums gehört, an ihre Kunden weitergibt.

Außerdem treiben diese nach Recherchen der New York Times absichtlich verschleppten Lagerfristen den Marktpreis insgesamt in die Höhe. Ein Viertel des Aluminiums in Amerika geht durch die Hallen von Metro International und hat deshalb auch einen entsprechenden Effekt auf die Rohstoffbörsen. Deshalb müssen also auch Kunden anderer Unternehmen den erhöhten Preis zahlen - selbst wenn sie, um die langen Wartezeiten zu umgehen, beispielsweise direkt bei den Bergbauunternehmen einkaufen. Goldman Sachs, die auch viel in Aluminium handelt, gehört zu den Gewinnern.

Laut Analysten habe diese Strategie von Goldman Sachs die amerikanischen Konsumenten in den vergangenen drei Jahren mehr als fünf Milliarden Dollar gekostet. Ein "komplett künstlicher Kostenaufwand", zitiert die New York Times den Chef einer Beratungsfirma, die sich auf Rohstoffhandel spezialisiert hat.

3000 Tonnen Aluminium pendeln täglich hin und her

Dabei verlangen die Regularien eigentlich, dass täglich 3000 Tonnen ausgeliefert werden müssen. Nur nicht zwingend an Kunden. Stattdessen wird in den Metro-Hallen nach Ansicht von Experten bis zu 90 Prozent dieser Menge lediglich in ein anderes Lager umgeschichtet. Nach Angaben der New York Times unterhält Metro International unter der Führung von Goldman Sachs dafür eine eigene Lkw-Flotte, die täglich mehrfach zwischen den einzelnen Lagerhäusern hin- und herfährt und Aluminiumblöcke verschiebt. Um die Regularien einzuhalten und dennoch zu verhindern, dass die Lagerfristen kürzer werden.

Ein künstlicher Preisanstieg könnte in Zukunft auch für Kupfer drohen. Goldman Sachs, JP Morgan und die Finanzverwaltungsfirma BlackRock besitzen gemeinsam bereits 80 Prozent des verfügbaren Kupfers auf dem Markt. Dies hat die United States Securities and Exchange Commission (SEC) im vergangenen Jahr nach einer umfangreichen Lobby-Kampagne genehmigt - angeblich in der Überzeugung, dass eine Verknappung des verfügbaren Kupfers die Preise nicht in die Höhe treiben werde.

Kupfer gehört zu den meistverwendeten Metallen überhaupt und ist für elektrische Leitungen jeglicher Art nahezu unverzichtbar. Seit 2002 stieg der Preis an den Rohstoffbörsen von etwa 1500 US-Dollar je Tonne auf aktuell etwa 7000 US-Dollar. Ein großer Teil des Kupfervorrats darf nun in die Lagerhallen von Goldman Sachs, JP Morgan und BlackRock geliefert werden.