Regierungen und die Finanzkrise Stell' Dir vor, es gibt Geld ...

... und keiner will es: Eine halbe Billion Euro hat die Regierung für die Finanzwirtschaft bereitgestellt - doch die gibt sich seltsam zurückhaltend.

Die Furcht vor öffentlicher Bloßstellung muss groß oder der Bedarf geringer als vermutet sein: Banken und Versicherer fordern bislang kaum Geld aus dem Rettungspaket an. Allein die Landesbanken zeigen Interesse.

Bislang heißt es, dass die Banken abwarten wollten, bis das neue Gesetz in trockenen Tüchern sei und dass sie die Bedingungen zunächst im Detail studieren müssten. Dagegen erteilten Versicherer den angebotenen Staatshilfen schon jetzt eindeutige Absagen.

"Solide Kapitalbasis"

Die Allianz, AMB Generali und Talanx sowie die Rückversicherer Hannover Rück und Münchener Rück und der Stuttgarter Baufinanzierer und Versicherer Wüstenrot & Württembergische (W&W) erklärten, sie sähen keine Notwendigkeit, auf das fast 500 Milliarden Euro schwere Rettungspaket des Bundes zurückzugreifen. Auch der Finanzmakler und Vermögensverwalter MLP will keine Hilfen in Anspruch nehmen.

Aus den Instituten hieß es unisono, die Kapitalbasis sei solide, es gebe keinen direkten Bedarf für Hilfen von außen.

Münchener-Rück-Chef Nikolaus von Bomhard bezeichnete das am Wochenende in Windeseile zusammengeschnürte Maßnahmenpaket dennoch als "sehr positiv" und "absolut notwendig".

Dank der öffentlichen Gelder werde keine Bank umfallen. Bomhard zeigte sich zuversichtlich, dass der zum Erliegen gekommene Markt für Interbankenkredite bald wieder anspringen werde.

Anders als Banken sind Versicherer allerdings weniger stark von der seit mehr als einem Jahr anhaltenden Finanzkrise betroffen. Nach Einschätzung von Experten sind sie deutlich weniger stark vom Geldmarkt abhängig.

Seit dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers im September hat sich die Lage an den Märkten drastisch verschärft. Banken leihen sich untereinander kein Geld mehr, weil sie sich gegenseitig nicht mehr trauen.

Der Bund will der Branche über einen 400 Milliarden Euro schweren Fonds Garantien für Kredite oder Wertpapiere zur Verfügung stellen. Zusätzlich stehen bis zu 80 Milliarden Euro für Kapitalspritzen bereit. Finanzminister Peer Steinbrück will die Hilfen aber mit harten Auflagen für die Banken verknüpfen.

Wer sich von Seiten der Banken an dem Paket beteiligt, ist offen. Im Umfeld der Geldhäuser heißt es, man wolle erst die Details des Gesetzes abwarten, das Ende der Woche verabschiedet werden soll. Vor allem Landesbanken gelten als heiße Kandidaten für die Staatshilfen.

Nordrhein-Westfalens Finanzminister Helmut Linssen erwartet, dass die Stuttgarter LBBW als erste Landesbank den Fonds in Anspruch nehmen wird. Die Stuttgarter LBBW will davon aber nichts wissen. Derzeit gebe es keine konkreten Pläne.

Pflicht zur Öffentlichkeit

Linssen sagte vor dem Düsseldorfer Landtag, die Auswirkungen der Finanzkrise auf die WestLB seien infolge der vor Monaten beschlossenen Milliarden-Hilfen des Landes NRW und der Sparkassen nicht so gravierend. Im Umfeld der BayernLB, die ebenfalls stark mit den Folgen der Krise kämpft, hieß es, die Instrumente des Fonds würden vor einer Entscheidung über eine mögliche Teilnahme erst geprüft.

Schon am Dienstag hatte es geheißen, dass Banken Hilfen aus dem Milliarden-Rettungspaket offenlegen müssten.

Die entsprechenden Regelungen im Aktienrecht zur Transparenz würden auch hier gelten, sagte der Sprecher von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD), Torsten Albig.

Der Sprecher wies auf die Pflicht für sogenannte Ad-Hoc-Mitteilungen hin. Wenn Vorstand und Aufsichtsrat eines börsennotierten Unternehmens sich für eine Finanzspritze entscheiden, müssten sie demnach diesen Vorgang in einer Ad-Hoc-Mitteilung an den Finanzmärkten umgehend publik machen.

Nach Angaben des Ministeriums existiert keine Liste über mögliche Kandidaten, die Geld aus dem Hilfsfonds beziehen wollen.