Private Debt Darlehen vom Finanzinvestor

Private Fonds ersetzen immer häufiger Banken als Kreditgeber. Diese Schattenbanken verlangen dafür aber viel Geld.

Von Jan Willmroth

Die Halex-Gruppe aus Aldenhoven bei Jülich ist ein typischer Fall. An zwölf Standorten in Europa stellen die Mitarbeiter des Maschinenbauers Presswerkzeuge für die Aluminiumindustrie her, härten Präzisionsstahl und bieten Spezialbehandlungen für Präzisionsbauteile aus Stahl an, deutscher Mittelstand in Reinform. Und Halex gehört zu den zahlreichen Mittelständlern, die in der Hand von Finanzinvestoren sind: Gerade erst hat Bencis Capital die Dachgesellschaft von H2 Equity Partners gekauft - finanziert nicht mit Bankdarlehen, sondern mit dem Geld dreier privater Kreditfonds, wie sie immer häufiger bei solchen Übernahmen zu sehen sind.

Die Finanzkrise jährt sich zum zehnten Mal, für Banken gelten erheblich strengere Regeln, für viele Investitionsprojekte fallen die klassischen Kreditinstitute seit Jahren aus: weil es wegen erhöhter Kapitalvorschriften in vielen Fällen nicht mehr lohnt, oder weil sie bestimmte Kredite nicht mehr vergeben dürfen. In diese Lücke stoßen vermehrt Schattenbanken vor, private Kreditfonds beispielsweise, im Fachjargon spricht man von "Private Debt". Die Anbieter - häufig sind das Finanzinvestoren, die neuerdings auch Kredite vergeben - genießen Freiheiten, die Banken verloren haben. Und wollen sie verstärkt ausnutzen.

"Abseits von Unternehmen, die von Private-Equity-Investoren geführt werden, steckt das hierzulande noch in den Kinderschuhen", sagt Jan Henrik Reichenbach vom US-Vermögensverwalter Muzinich, für den der Verkauf von Halex im Frühjahr die erste Private-Debt-Finanzierung in Deutschland ist. Der Zeitpunkt des Markteintritts ist indes kein Zufall: "Inzwischen steigt das Interesse deutlich, immer mehr Unternehmer verlieren ihre Berührungsängste", sagt er. Mehr als die Hälfte der Finanzierungen kleiner und mittlerer Unternehmen in Europa findet mittlerweile außerhalb des Bankenmarktes statt. Kamen zwischen 2011 und Ende 2017 noch 600 Milliarden Dollar im europäischen Private-Debt-Markt zusammen, dürften es nach Schätzungen der Marktforscher von Preqin bis Ende des Jahrzehnts eine Billion Dollar sein. Ein Großteil davon entfällt auf den angelsächsischen Raum, relativ zu Deutschland sind die Direktkredite in Frankreich und Spanien weiter verbreitet.

Bislang fanden die Fonds mithin nicht allzu viele deutsche Anlageobjekte. Die Beziehung deutscher Mittelständler zu ihren Hausbanken ist traditionell stark, die Vorbehalte gegenüber Finanzinvestoren sind groß. "Der deutsche Markt war lange unterentwickelt", sagt François Lacoste, der beim Pariser Finanzinvestor Idinvest Partners für die Kreditsparte verantwortlich ist. "Seit 2013 aber sehen wir stärkeres Wachstum und noch viel Potenzial." Der Bedarf an schnell verfügbaren und flexiblen Finanzierungen sei deutlich gestiegen, viele Situationen seien Banken zu komplex geworden. Das nötige Vertrauen schaffen zahlreiche Ex-Banker, die wie der frühere Nord-LB-Chef Gunter Dunkel zu privaten Kreditfonds gewechselt sind.

Für eine Zusammenarbeit mit Private-Debt-Anbietern kann es viele Gründe geben. Sei es eine große Investition in neue Fertigungsanlagen, eine geplante Übernahme oder ein kurzfristiger Engpass wegen einer komplizierten Nachfolgeregelung: Branchenvertreter betonen gern, wie flexibel und schnell sie auf den Finanzierungsbedarf von Unternehmern reagieren können. "Diese höhere Flexibilität hat aber ihren Preis", sagt Reichenbach. Während Bankkredite derzeit zwischen zwei und drei Prozent liegen, gehen Finanzierungen von Kreditfonds erst bei sechs Prozent los. Das lohnt sich aktuell, wenn ein starkes Wachstum absehbar ist oder Banken als Kreditgeber für ein Projekt nicht mehr infrage kommen. Häufig sind Fonds aber als Ergänzung interessant: Zögern die Banken bei einer umfangreichen Investition, lassen sie sich womöglich überzeugen, wenn eine Firma Zusagen von privaten Kreditgebern vorlegen kann, die höhere Risiken akzeptieren.