Von Michael Kuntz

Warum Audi-Finanzchef Rupert Stadler die besten Chancen besitzt, Vorstandsvorsitzender in Ingolstadt zu werden.

Rupert Stadler hält es mit den Ausdauersportarten. Der 43-Jährige fährt sehr gerne Rennrad und geht gern laufen. "Letzteres klappt sogar auf Dienstreisen, wenn man sich gut organisiert."

Audi-Finanzvorstand Rupert Stadler (© Foto: dpa)

Anzeige

Ob der Finanzchef von Audi in Ingolstadt das in einem Jahr auch noch so sagen wird, ist zumindest nicht ganz sicher. Denn alles deutet darauf hin, dass der Betriebswirt Stadler an diesem Mittwoch vom Audi-Aufsichtsrat zum Audi-Vorstandsvorsitzenden gekürt wird und künftig noch weniger Zeit für Sport haben wird als heute bereits.

Als Nachfolger von Martin Winterkorn, der zum 1.Januar an die Spitze des VW-Konzerns wechselt, darf der im bayerischen Titting geborene Stadler dann viele schnelle Autos bauen und damit gutes Geld verdienen - Fortschritt durch Technik eben. Die Aufholjagd von Audi gegen BMW und Mercedes geht weiter.

Faible für schnelle Autos

Angeblich sitzt der Zahlenmensch Stadler auch gern am Lenkrad, sogar dem des neuen R8-Boliden, den Audi auf Wunsch mit Beleuchtung für den Mittelmotor liefert und der nicht bei 250 Kilometer pro Stunde abriegelt - der erste richtige Rennwagen von Audi.

Zukunftsfähigkeit lebt von ambitionierten Zielen, findet Stadler. Wer nur den Fußstapfen anderer folge, werde niemals überholen. "Ich setze deshalb als sportlicher Fahrer lieber den Blinker und überhole." Audi will von 2008 an jährlich eine Million Fahrzeuge verkaufen - "und das bei einer Kapitalrendite von mehr als zehn Prozent".

Als gute Basis für seine Karriere erweist sich Stadlers Zeit als Bürochef des früheren Konzernchefs Ferdinand Piëch, der als Aufsichtratsvorsitzender und Großaktionär neuerdings wieder die Fäden bei Volkswagen zieht. Nebenbei leitete Stadler die Produktplanung von VW, bevor er 2002 von Wolfsburg nach Ingolstadt wechselte.

Ein Konzern im Umbruch

Der Aufstieg von Stadler an die Spitze der wichtigsten Volkswagen-Tochter wird wohl an diesem Mittwoch vom Aufsichtsrat der VW-Premiumtochter beschlossen. Vielleicht gibt es auch erst eine Willenserklärung und die formale Berufung folgt später. Denn diese Sitzung hat leicht skurrile Züge - sie spiegelt den Konzern im Umbruch.

Vorsitzender des Gremiums ist Bernd Pischetsrieder, noch bis zum Jahresende Konzernchef. Sein designierter Nachfolger im Spitzenjob, Martin Winterkorn, ist aber noch Audi-Vorstandsvorsitzender. Er wird dann wohl demnächst den Aufsichtsratsvorsitz bei Audi übernehmen. Wie nun konkret zu verfahren ist an diesem Mittwoch, daran tüfteln die Juristen.

Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite

  1. Sie lesen jetzt Kleiner Quälfaktor
  2. Seite 2
Leser empfehlen