Paris Legendäres "Kuss"-Foto für 155.000 Euro versteigert

Die Aufnahme von Robert Doisneau aus dem Jahr 1950 ist für mehr als das Zehnfache des ursprünglichen Schätzpreises verkauft worden.

Bei der Auktion an den Champs-Elysées gab ein anonymer Schweizer Sammler das sensationelle Höchstgebot ab, das einschließlich der Gebühren 184.960 Euro beträgt. Im Auktionshaus Artcurial entstand am Montagabend eine regelrechte Bieter-Euphorie.

Die 75-jährige Pariserin Françoise Bornet, die als Studentin für die Schwarz-Weiß-Aufnahme "Baiser de l'Hôtel de Ville" (Kuss am Rathaus) posiert hatte und ihren Erstabzug nun zum Verkauf freigab, zeigte sich "sehr gerührt". Von den Einnahmen will sie mit ihrem Mann eine Film-Produktionsfirma gründen.

Das Höchstgebot lag zehn Mal so hoch wie der ursprüngliche Schätzpreis von 15.000 Euro. "Der Verkauf bedeutet für mich einen Neubeginn", sagte Bornet.

Vor der Auktion hatte sie ein letztes Mal mit ihrem 18 mal 24,6 Zentimeter großen Abzug auf dem Pariser Rathausplatz posiert. Sie werde sich nunmehr ein Poster des Fotos kaufen und in ihrer Produktionsfirma aufhängen, kündigte Bornet an.

Eine derartige Euphorie habe es zuletzt bei der Versteigerung der Möbel von Ex-Präsident François Mitterrand gegeben, sagte ein Angestellter des Auktionshauses Artcurial. "Vor 20 Jahren wäre das ohne viel Aufsehen über die Bühne gegangen", sagte Auktionator Hervé Poulain.

Die Anwesenheit Bornets bei der Versteigerung habe den Preis nach oben getrieben. "Da setzt eine Magie ein." Der 1994 gestorbene Doisneau hatte sein "Kuss"-Bild seinerzeit für eine Reportage über das Liebesleben in Paris im Auftrag der US-Zeitschrift Life angefertigt.

Jahrzehntelang war die Identität des Liebespaares nicht bekannt. Erst als 1992 ein Ehepaar behauptete, es sei damals von Doisneau fotografiert worden, gab der Fotograf zu, dass es sich gar nicht um einen Schnappschuss gehandelt hatte.

Doisneau hatte das Liebespaar - Bornet und ihr damaliger Freund Jacques Carteaud, die gemeinsam eine Schauspielschule besuchten - in der Nähe des Pariser Invalidendoms entdeckt.

Er verabredete mit ihnen einen Foto-Termin vor dem Rathaus der französischen Hauptstadt. Bornet und Carteaud blieben neun Monate zusammen. Das Foto wurde 1986 als Poster neu aufgelegt und erlebte seitdem eine Renaissance. Der unsterblich gemachte Kuss wurde zum Sinnbild des positiven Klischees von Paris als "Stadt der Liebe".