Lidl fällt erneut wegen fragwürdiger Kontrollmethoden auf: Der Lebensmittel-Discounter soll die Krankheiten von Mitarbeitern in internen Unterlagen festgehalten haben.
Lidl steht erneut wegen fragwürdiger Registrierung von Mitarbeiterdaten in der Kritik: Nach Informationen des Spiegels forderte das Unternehmen Beschäftigte auf, den Grund ihrer Erkrankung anzugeben und diesen in firmeninternen Unterlagen festgehalten.
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Nach dem Verhalten von Mitarbeitern soll Lidl nun auch noch deren Krankheiten ausspioniert haben. (© Foto: dpa)
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Die Praxis bei Lidl kam dem Magazin zufolge heraus, nachdem mehrere hundert Seiten firmeninterner Unterlagen zufällig in einer Mülltonne in Bochum entdeckt wurden. Danach setzte das Unternehmen offenbar bundesweit Formulare ein, in die der 'Grund der Krankheit' von Mitarbeitern eingetragen werden sollte.
So steht beispielsweise über eine Mitarbeiterin, die im Juni vergangenen Jahres krankgeschrieben war: "Will schwanger (werden). Befruchtung nicht funktioniert". Bei einer anderen heißt es als Krankheitsgrund: "Psychologe".
Lidl-Deutschland-Chef Frank-Michael Mros hat die Existenz der Krankenformulare zugegeben. Lidl verwende sie aber seit Januar 2009 nicht mehr. Der Neckarsulmer Discounter unternehme "alles Erdenkliche, damit dem Datenschutz in unseren Gesellschaften und Filialen Rechnung getragen wird", sagte Mros dem Magazin.
"Lidl arbeitet seit April vergangenen Jahres konsequent daran, ein ganzheitliches Datenschutzkonzept zu erarbeiten und umzusetzen. Hierbei werden alle Geschäftsprozesse gewissenhaft untersucht und gegebenenfalls überarbeitet", betonte Joachim Jacob, ehemaliger Datenschutzbeauftragter des Bundes und Berater von Lidl für den Datenschutz, in der Erklärung. Über 3000 Filialen und 34 Regionalgesellschaften seien in diesen Prozess eingebunden, "das nimmt zwangsläufig Zeit in Anspruch."
Deutliche Kritik des Datenschutzbeauftragten
Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar sieht die Notizen "äußerst kritisch". "Der Grund der Krankheit geht den Arbeitgeber grundsätzlich nichts an."
Alle Einträge stammen aus der Zeit nach der Entdeckung der Spitzelmethoden bei Lidl, die im März 2008 für Aufsehen gesorgt hatte. Lidl-Gesellschaften hatten Detektive beauftragt, das Verhalten von Mitarbeitern zu überwachen und zu protokollieren.
(AP/dpa/gal/mati)
Machtkampf in der Linken
Ich halte die Erklärung von Lidl erst einmal für glaubwürdig. Denn wenn sie die Krankenakten weiterführen würden, hätten sie keine neun Monate alten Unterlagen weggeworfen.
Dass solche sensiblen Akten ungeschreddert in die Tonne wandern, ist aber schwer zu glauben. Da scheint wirklich überhaupt kein Bewusstsein für Vertraulichkeit vorhanden gewesen zu sein. Oder der Spiegel hat sich die Geschichte so ausgedacht, um seinen Informanten zu schützen.