Die IG Bau fordert für Forstarbeiter eine gesetzliche Lohnuntergrenze. Große Waldbesitzer sind dagegen. Ihr oberster Lobbyist ist der Bruder von Karl-Theodor zu Guttenberg.
Wenn es um den deutschen Wald geht, können Politiker schöne Sonntagsreden halten. Vom Wohlergehen der Wälder, verkündet Bundespräsident Christian Wulff, hänge "unser aller Zukunft ab". Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU), selbst Besitzerin einer Waldparzelle in Bayern, sagt: "Der Schutz und die Nutzung des Waldes müssen miteinander in Einklang stehen." Die Appelle der beiden waren vor ein paar Tagen nicht ohne Grund zu hören: Die Vereinten Nationen haben 2011 zum "Internationalen Jahr des Waldes" ausgerufen.
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Der Deutsche Forstunternehmerverband fordert einen Mindestlohn für die 20.000 Forstarbeiter im deutschen Wald. (© dpa)
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Solche Gedenktage sind aber immer eine gute Gelegenheit, um auch andere Botschaften öffentlich zu platzieren, etwa für die Gewerkschaft IG Bau und den Deutschen Forstunternehmerverband. Sie fordern einen Mindestlohn für die 20.000 Forstarbeiter im deutschen Wald - und stoßen dabei auf den Widerstand der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände mit einem Freiherrn an der Spitze: Philipp zu Guttenberg, dem jüngeren Bruder von Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). "Es ist unglaubwürdig, für den Wald zu werben und gleichzeitig die Forstarbeiter im Stich zu lassen", sagt IG-Bau-Vorstandsmitglied Harald Schaum.
Das Recht auf eine faire Bezahlung dürfe nicht "hinter die Belange weniger, aber einflussreicher Großgrundbesitzer untergeordnet werden". Schaum denkt dabei nicht zuletzt ans Ausland: Von Mai an gilt innerhalb der Europäischen Union die volle Freizügigkeit. Dann dürfen auch Beschäftigte aus den meisten neuen osteuropäischen EU-Beitrittsländern in Deutschland arbeiten. Dagegen hat Schaum nichts. Er fürchtet aber eine neue Billigkonkurrenz, etwa aus Polen, mit Stundenlöhnen von 3,50 oder vier Euro. Zumindest große Waldbesitzer könnten solche neuen Anbieter zum Fällen und Schleppen von Holz engagieren.
Die nächste Branche für Mindestlöhne
Die privaten Arbeitgeber der Forstarbeiter haben deshalb, besorgt um ihre Aufträge, eine Art große Koalition mit der Gewerkschaft gebildet. Herausgekommen ist dabei ein Tarifvertrag, der einen Mindestlohn vorschreibt. Danach bekommt ein Forstarbeiter wenigstens 10,52 Euro pro Stunde in West- und Ostdeutschland. Damit sich von Mai 2011 auch Anbieter mit Sitz im Ausland daran halten müssen, muss Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) den Mindestlohn für allgemeinverbindlich erklären.
Die Forstarbeiter wären dann nach dem Wach- und Sicherheitsgewerbe die elfte Branche, für die Lohnuntergrenzen nach dem Arbeitnehmer-Entsendegesetz gelten. In einem Schreiben an die Tarifparteien zeigt das Ministerium dafür durchaus Sympathie. Es weist aber darauf hin, dass eine Entscheidung "nur im parlamentarischen Verfahren mit den notwendigen Mehrheiten getroffen werden" könne. Es sei deshalb notwendig, "dass Sie als Tarifvertragsparteien im politischen Raum nachdrücklich für eine Aufnahme der Branche werben." Doch dort macht auch Philipp zu Guttenberg seinen Einfluss geltend.
Der Freiherr dürfte mit 1000 Hektar Wald in Deutschland zu den 300 größten Waldbesitzern der Republik gehören. Sein Verband vertritt zwei Millionen Eigentümer, viele haben nur winzige Baumbestände, die sie selbst pflegen. Ein Mindestlohn kann ihnen egal sein. Die großen aber, die private Firmen für Arbeiten im Wald engagieren, haben durchaus kein Interesse an einer gesetzlich verbindlichen Lohnuntergrenze. Bei den Hartz-IV-Gesprächen, in dem es auch um Mindestlöhne ging, waren die Forstarbeiter für die Union jedenfalls schnell kein Thema mehr. Freiherr zu Guttenberg könnte wissen, warum. Aber er war am Donnerstag nicht zu sprechen.
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(SZ vom 25.03.2011/wolf)
ja, das ist ein echtes Problem. Von 6,50 € kann man nicht leben und wenn man dann alt wird, dann wird man auch noch rausgeworfen. Ich bin jetzt 58 und kann noch net in Rente, aber das Arbeitsamt hat nix für mich. Jetzt tu ich halt abwarten. Was ein Glück, dass ich im Haus von meiner Tochter wohnen kann. Aber dass es die Billiglöhne jetzt auch schon für Holzhauer gibt, das finde ich schrecklich.
Schade, in der Überschrift konnten Sie noch den Bruder vom Bruder trennen. Im Text haben Sie es dann nicht mehr geschafft und scheren alle über einen Kamm. Oder habe ich überlesen, dass der Bruder auch Politiker ist? Und wissen Sie tatsächlich, wie und was im Familienkreis zu diesem Thema besprochen wurde? Wissen Sie denn überhaupt, ob in der Familie darüber gesprochen wurde?
Und bitte, jetzt keine Antwort nach dem Motto: Ich weiß es nicht, aber das kann man sich ja denken, das muß so sein, das ist einfach so...! --> Denn ich DENKE, dass deutsche AKWs sicher sind - WISSEN tue ich es leider nicht...
Passt der Begriff 'Parasit' für einen Menschen denn wirklich? Ich lasse Ihnen selbstverständlich ihre persönliche Meinung. Und ich bin sehr froh, in einem Land leben zu dürfen, in dem man diese auch äußern und schreiben darf. Aber ein Mindestniveau sollte dann doch eingehalten werden - zumal (nicht unbedingt auf Sie bezogen!) besonders in diesem Forum sofort ein großer Aufschrei der Entrüstung kommt, wenn die eigene Meinung oder politische Richtung kritisiert wird, egal ob niveauvoll oder eher oberflächlich.
Manchmal werden (vielleicht sogar richtige) Gedanken einfach durch die Ausdrucksweise disqualifiziert und verlieren dadurch potentielle Mitstreiter.
... entscheiden ueber hungerloehne fuer die sie selbst nicht arbeiten wuerden. leider wird der arbeitnehmer von staatswegen gezwungen solche jobs anzunehmen. wuerde ein unternehmer mit einer kalkulation und solchen einkommensprognose bei seinem steuerberater/unternehmensberater vorstellig werden wuerde dieser im vor einem solchem verlustgeschaeft im hoechsten masse abraten.... aber der arbeiter ist in deutschland zum nutzvieh verkommen... licht aus im kopf und gute nacht deutschland...
Und zu den Hungerlöhnen erhalten die z.G. noch reichlich Agrarsubventionen für den Forst. Anstengungsloser Wohlstand des Adels: Wie lange noch dulden wir solche Parasiten ?
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