Messe Stuttgart Auch im ungeraden Jahr erfolgreich

Auch etablierte Veranstaltungen wie die Reisemesse CMT zogen mehr Besucher und Aussteller an.

(Foto: Franziska Kraufmann/dpa)

Neue Veranstaltungen sorgen bei der Messe Stuttgart für steigende Umsätze. Für 2016 rechnet die Gesellschaft wieder mit Rekorderlösen. Nun baut das Unternehmen ihre Hallen- und Ausstellungsfläche weiter aus.

Von Dagmar Deckstein

So kann man sich irren. Das gab auch der baden-württembergische Wirtschafts- und Finanzminister Nils Schmid (SPD) zu, als er sich Mitte Januar mit seiner Frau Tülay unter die 1600 Gäste mischte, die zum Neujahrsempfang der Stuttgarter Messe gekommen waren. Als Schmid freimütig zugab, dass auch er seinerzeit ein "Zweifler" gewesen sei, was den Neubau der Stuttgarter Messe auf dem weitläufigen Areal gleich neben dem Flughafen Echterdingen anbetraf. Jetzt sei diese Messe "ein wichtiges Schaufenster der Leistungsfähigkeit Baden-Württembergs". Die Landesregierung werde deren Erfolg "weiter nach Kräften befördern".

Zwanzig Jahre lang stritten sich Politik, die umliegenden Gemeinden und vor allem sechs Bauern inbrünstig um die benötigten Grundstücke für den Messeneubau vor dem Stuttgarter Flughafen. Der Kampf dieser seinerzeitigen "Wutbürger" stand der eineinhalb Jahrzehnte später entbrannten Auseinandersetzung um das Bahnprojekt "Stuttgart 21" kaum nach.

Gerade vor der Landtagswahl am 13. März dieses Jahres wird sich Nils Schmid hüten, den Erfolg der inzwischen zehntgrößten Messe Deutschlands kleinzureden. Hat die neue Stuttgarter Messe mit 105 000 Quadratmetern Fläche, verkehrsgünstig gleich neben dem Flughafen und an der Autobahn A 8 gelegen, doch seit ihrer Eröffnung am 19. Oktober 2007 immer neue Besucher- und Umsatzrekorde zu verzeichnen.

2015 erwirtschaftete die Landesmesse Stuttgart GmbH einen Gesamtertrag in Höhe von rund 115 Millionen Euro und ein Ergebnis von etwa acht Millionen Euro vor Pacht und Ertragssteuer. "2015 war das erfolgreichste ungerade Geschäftsjahr unserer Geschichte. Im Verhältnis zu den vergleichbaren Jahren 2013 und 2011 konnten wir beim Umsatz fast 20 Prozent zulegen", sagt Ulrich Kromer, Sprecher der Geschäftsführung. Dazu muss man wissen, dass die ungeraden Jahre, in denen die Messe turnusmäßig weniger zugkräftige Veranstaltungen hat, die notorisch schwachen sind. Die dennoch sehr ansehnliche Bilanz war unter anderem der neuen Messe "Moulding Expo" im Mai 2015 geschuldet, einer Internationalen Fachmesse für Werkzeug-, Modell- und Formenbau. Die war gleich im ersten Jahr ein voller Erfolg mit 620 Ausstellern aus 28 Ländern und fast 15 000 Besuchern. "Im deutschen Messewesen hat es nicht viele Veranstaltungen gegeben, deren Debüt so erfolgreich war", meint Ulrich Kromer.

2016 rechnet die Messe mit neuen Rekorderlösen

Dazu konnten auch die etablierten Veranstaltungen allesamt zulegen. Die Stuttgarter Urlaubsmesse CMT vermeldete einen Aussteller- und Besucherrekord, das neue Messeduo "veggie & frei von" für gesundheitsbewusste Freunde von Bio- und vegetarischer Kost fand regen Zuspruch im Messeherbst 2015, und die Weltleitmesse für Rollladen, Tore und Sonnenschutz, R+T, hat erneut eigene Rekorde gebrochen (60 000 Besucher aus 122 Ländern, 900 Aussteller, 649 davon aus dem Ausland). Insgesamt präsentierten 19 847 Aussteller in 58 Veranstaltungen mit 1,13 Millionen Besuchern ihr Angebot in Stuttgarts Messezentrum - mehr als je zuvor in einem ungeraden Jahr.

Dass immer mehr Aussteller und Besucher gern nach Stuttgart kommen, hat nicht nur mit der vorteilhaften Verkehrsanbindung zu tun. Es gibt auch immer mehr neue Themen. Auch der Anteil ausländischer Aussteller ist seit 2007, der Inbetriebnahme der neuen Hallen am Flughafen, um rund 29 Prozent gestiegen, die Zahl der ausländischen Besucher hat im gleichen Zeitraum sogar um 52 Prozent zugelegt.

So lagen jene Messegegner also falsch, die den Landesmesseplanern seinerzeit "Gigantismus" vorwarfen und völlig überzogene Erwartungen. Weit gefehlt - das Stuttgarter Ausstellungsgelände platzt keine zehn Jahre nach Eröffnung schon wieder fast aus den Nähten. Zeit also, die neue Halle 10 in Angriff zu nehmen, für deren Bau Mitte Januar 2016 bereits der Spatenstich erfolgte. Fertig sein soll sie um die Jahreswende 2017/18, und einen Namen hat sie auch schon: Paul-Horn-Halle. Dafür hat sich der Tübinger Hersteller von Präzisionswerkzeugen die Namensrechte gesichert. Mit dann 120 000 Quadratmetern Ausstellungsfläche rückt die Stuttgarter Landesmesse künftig von Platz zehn auf Platz acht in Deutschland vor. Aber nicht nur dieser Umstand freut Kromers Co-Geschäftsführer Roland Bleinroth: "Die Vermietung für die Halle 10 läuft bereits auf Hochtouren. Wir bearbeiten schon Anfragen bis ins Jahr 2024 hinein". Aber auch schon für 2016 warten die Landesmesse-Veranstalter mit rosigen Voraus-Rechnungen auf. Da rechnen sie mit Rekorderlösen für das traditionell lukrativere gerade Jahr von gut 140 Millionen Euro und mit einem Betriebsergebnis vor Pacht und Steuer von etwa 20 Millionen Euro.

Voraussetzung dafür ist nicht zuletzt, sich immer wieder neue, publikumswirksame Messe-Themen auszudenken. Und da scheint es offensichtlich kaum ein Sujet zu geben, für das sich Aussteller und Besucher nicht auf einer Live-Plattform zusammenbringen ließen. So wirbt die Stuttgarter Landesmesse mit einer neuen Veranstaltung vom 25. bis 26. Juni namens "Comic Con Germany", einem neuen Treff für Fans von Comics, Videospielen, TV-Serien und Ähnlichem. Keine Publikums-, sondern eine Fachmesse, ist die zweite Themen-Neuheit des Jahres. Bei der Veranstaltung "Morgenstadt Urban Solutions" sollen sich unter anderem Bürgermeister und Wirtschaftsförderer vom 21. bis zum 23. Juni mit der Stadt der Zukunft befassen. Und nicht zuletzt - Tigermücke und Zika-Virus sind derzeit ebenfalls hochaktuell - neu wird im März dieses Jahres auch zur "Pest Protect" eingeladen, die dem Thema Schädlingsbekämpfung gewidmet ist.