Messe Frankfurt Ausbau eigener Marken

Auf gutem Weg: Die Frankfurter Messe hat sich weltweit breit aufgestellt, um Risiken zu begrenzen.

(Foto: Roland Holschneider/dpa)

Die Messe Frankfurt verzeichnet ein Rekordjahr und zeigt sich trotz Digitalisierung und politischer Spannungen optimistisch. Um Risiken zu begrenzen, hat sich das Unternehmen weltweit breit aufgestellt.

Von Helga Einecke

Das Thema Sicherheit wird seit den Anschlägen in Paris immer wichtiger. Auch für die Messe Frankfurt, die weltweit zehn Veranstaltungen zur Sicherheitstechnik betreibt. Erstmals soll es 2016 in Deutschland eine Konferenz für vernetzte Sicherheit geben. Dabei arbeitet man mit dem Verband der Elektroindustrie zusammen. Im Nahen Osten, in Asien, Südamerika, Russland und Afrika sind die Veranstaltungen rund um die Sicherheitstechnik schon erprobt. Es geht um Überwachung, Brandschutz und anderes mehr.

Sehr sicher sind sich die Messemanager in Bezug auf die Geschäfte im laufenden Jahr. Messechef Wolfgang Marzin strahlt Optimismus aus, als er von einer Reise nach Shanghai und China zurückkehrt. Die Veranstaltungen von 2016 seien gut gebucht. Neben Klassikern wie Konsumgütern oder Textilien gehe es um Zukunftsthemen wie Ernährung, Mobilität und 3-D-Druck. "Das Medium Messe wird auf keinen Fall auf dem Rückzug sein", sagt er.

Hinter ihm liegt ein Rekordjahr. Nur alle sechs Jahre fallen die großen Gast-Veranstaltungen Achema, IAA und Buchmesse zusammen. 132 Messen und Ausstellungen der Frankfurter wurden 2015 von 89 800 Unternehmen gebucht und von mehr als vier Millionen Menschen besucht. Der Umsatz schnellte auf 645 Millionen Euro in die Höhe. Neben den großen Veranstaltungen in Frankfurt trugen neue Messen in Russland, China, Indien dazu bei. Noch werden knapp zwei Drittel der Geschäfte in Deutschland gemacht, der Auslandsanteil aber steigt. "Wir haben am Standort Frankfurt auf unserem eigenen Gelände Geld verdient, das schaffen nicht allzu viele", fügt Marzin hinzu. Er spielt damit auf andere deutsche Messegesellschaften an, die keinen Gewinn abwerfen und subventioniert werden müssen.

In Frankfurt summierte sich der Gewinn vor Steuern 2015 auf mehr als 40 Millionen Euro. Wegen der guten Ertragslage haben die Manager die Bilanz bewusst belastet und so viel Abschreibungen und Rückstellungen wie möglich hineingenommen. Da geht es vor allem um die Halle 12. Sie soll das letzte freie Stück des Messegeländes zwischen den Toren Süd und West bedecken. 250 Millionen Euro soll das kosten. Erstmals wird es eine Großbaustelle mitten auf dem Areal geben. Rücklagen gebildet wurden auch für mehrere alte Gebäude, die zur Sanierung zum Teil abgerissen werden müssen.

Ungeachtet der laufenden Investitionen, die sich in den kommenden zehn Jahren auf 500 Millionen Euro summieren, spricht Marzin von einem kerngesunden Unternehmen. Schon die Vergangenheit habe gezeigt, wie widerstandsfähig das Geschäftsmodell der Messe Frankfurt sei und wie es sich in Zeiten von Herausforderungen behaupte.

Die Digitalisierung schreckt ihn nicht. Messen würden sich nicht komplett verändern. "Die Menschen wollen sich analog treffen", sagt er und fügt hinzu: "Wir glauben an die haptische Begegnung." Digitale Elemente seien längst ein Bestandteil der Veranstaltungen. Die Messegesellschaft selbst sieht sich auch strategisch digital gut aufgestellt.

49 Textilmessen rund um den Globus werden von Frankfurt aus gesteuert

In Zukunft will man sich auf den Ausbau der eigenen Marken konzentrieren. Als eine Kernkompetenz gilt das weltweite textile Netzwerk. 49 Textilmessen rund um den Globus werden von Frankfurt aus gesteuert. Diese Veranstaltungen repräsentieren den globalen Textilhandel. Denn die Länder, in denen sie stattfinden, bestreiten 75 Prozent aller weltweiten Textilexporte. Die Messen heißen zum Beispiel Heimtextil, Techtextil, Texprocess, Texcare. Letztere ist der Treffpunkt der Wäschereien, Reinigungen und Miettextilien.

Auch beim Thema Mobilität und Logistik sieht sich die Messe Frankfurt ganz vorn, nicht nur in den Jahren, in denen die IAA stattfindet. Die Automechanika wird 15-mal weltweit auf vier Kontinenten betrieben. In Südafrika und Mexiko gibt es neue Konzepte, ebenso wie in Russland mit einer Schau für Nutzfahrzeuge. In der Türkei ist eine Fachmesse für Motorräder, Fahrräder und Zubehör hinzugekommen. "Die Türkei wird auch für uns geostrategisch immer bedeutender", sagt der Messemanager. Tatsächlich belasten politische Spannungen oder Embargos das Geschäft mit Veranstaltungen und müssen deshalb ins Kalkül miteinbezogen werden. "Alles, was den Handel einschränkt, ist nicht gut für die Messe", sagt Marzin. In Russland etwa würden die Branchentreffen auf kleinerer Fläche stattfinden. Nach Frankfurt kämen deutlich weniger russische Besucher. Überhaupt kein Potenzial sieht man in Brasilien. Angesichts der andauernden Krise komme ein Engagement nicht infrage. Frankfurt sei mit der Tochter Indexport in Südamerika von Argentinien aus stark vertreten. Generell achtet die Messegesellschaft darauf, weltweit breit aufgestellt zu sein. "Ein zu starkes Engagement kann in Krisen anfälliger machen", sagt Marzin.

Für die IAA und die Buchmesse stellt die Messegesellschaft nur das Gelände und den Service zur Verfügung. Und sie beherbergt auch sonst eine Menge Gäste. Das Kongress- und Tagungsgeschäft entwickelt sich dynamisch. 150 Treffen gab es 2015, für 2016 sind bereits 90 gebucht. Ein Höhepunkt wird die Jahrestagung der Asian Development Bank (ADB) aus Manila sein, die 5000 Teilnehmer, Regierungsvertreter, Politiker, Notenbankchefs und Banker aus 67 Mitgliedsländern anlocken soll. Anfang Mai wird Frankfurt der Treffpunkt asiatischer Geldgeber sein.