Mathias Döpfner schreibt über Klassik, lobt Wolf Biermann und leitet den Springer-Verlag. Über einen Mann zwischen Bild-Zeitung und Bourgeoisie.
An einer der weißen Tafeln des italienischen Restaurants, in dem sich Berlinmittige beim Essen beobachten, sitzen zwei Frauen und drei Männer und erzählen sich was. Eine dritte Frau tritt hinzu. Sie begrüßt die Frauen und zwei der Männer, die beide aufstehen, wie es sich gehört. Der dritte Mann bleibt sitzen, als sie neben ihm Platz nimmt, und nickt ihr kurz zu.
Der frühere Journalist Mathias Döpfner kennt die Risiken des zweitältesten öffentlichen Gewerbes. (© Foto: dpa)
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Das dürfte ihr Ehemann sein.
Aus einer Ansichtssache logisch scheinende Schlüsse zu ziehen, eine Vermessung der Welt nach Augenblicken vorzunehmen, ist zwar anmaßend, aber für Journalisten typisch wie zum Beispiel auch die Suche nach Leichen in den Kellern der Mächtigen, der Reichen, der Schönen.
Über Menschen zu urteilen, die man kaum kennt, aber erkennbar zu machen glaubt, indem man sie beschreibt, gehört im zweitältesten öffentlichen Gewerbe zum Tagesgeschäft.
Das Spiel ist ihm vertraut
Der Vorstandsvorsitzende des Verlages Axel Springer weiß um diesen Faktor Risiko. Denn Mathias Döpfner, 44, war Journalist, bevor er Manager wurde. Das Spiel ist ihm also vertraut aus den Zeiten, da er auf der anderen Seite des Tisches saß.
Mit Fakten und nicht bloß per Augenschein belegbar sind Erfolge wie Misserfolge in der Karriere Döpfners, der als geborener Rheinländer mit Wohnsitz im preußischen Potsdam inzwischen aus Pflichten Lustgewinn zu ziehen vermag.
Verlust von Leben ist nach landläufiger Meinung zwar der Preis für Macht, doch wer darüber klagt, sollte die Küche, in der es nun mal heiß zugeht, lieber verlassen. Der vielfache Familienvater Döpfner mag die Hitze.
Des Nachts öfter aufgewacht
Nachdem er vor einem halben Jahr, wenn auch zu einem Vorzugskurs von 77 Euro pro Aktie, zwei Prozent Anteile am Verlag erwarb, den er leitet, wachte er wegen des Risikos, sich mit mehr als fünfzig Millionen Euro privat verschuldet zu haben, "des Nachts öfter auf mit der Frage: Was, wenn ich einmal Zinsen und Tilgung nicht bedienen kann? Und genau dieses Empfinden des Unternehmerrisikos ist gesund."
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Streit um Parteispitze bei der Linken
Unsere Gesellschaft befreit sich von der hochgedrechselten Kunstwelt aus Rechten und Linken. Dieser Artikel ist ein hervorragender weiterer Beweis dafür (unter täglich wachsenden Indizien), sehr gut geschrieben und in keinem Fall nur lobhudelnd. Vielleicht bedurfte es eines Mannes der feinen Zwischentöne, um die starr rechtsdrehende Welt von Springer anzuhalten und neu zu inszenieren. Dem Verlag scheint es gut getan zu haben. Wenn Herr Döpfner es auch noch schafft, die Medien von morgen aufzustellen, na, dann könnte er ja irgendwann die BILD einstampfen! Aber welch wichtiges Feindbild ginge uns dann verloren?
Ich habe jedenfalls durch diesen Artikel einen sehr guten Befindlichkeitseindruck der obersten Springeretage bekommen. Vieles wußte ich nicht, es hat mich ehrlich gesagt überrascht und angenehm berührt. Irgendwie wirkt es auf mich wie ein Spiegelbild der Großen Koalition, die momentann leider wieder von der Arbeit abrückt, um in Wahlkampfgefechte abzugleiten.
Herr Jürgs, die meisten Ihrer Kritiker können nur bis zum nächsten Grammatikfehler denken. Warum sind wir Deutschen so verdammt penible Fehlerfinderlusthaber - statt auf Inhalte einzugehen?
Wie kann ein so hoch gelobter Autor das englische Wort "Godfather" so grottenfalsch übersetzen, und wie kann so ein Allerweltsfehler in der Redaktion immer wieder passieren? "Godfather" ist nun einmal der Pate, die Baiern kennen den alten Begriff "God" als Taufpaten. Ansonsten schließe ich mich den vorigen Kommentaren an.
Einen Artikel prinzipiell in Lobhudelei und "Gesülze" zu kleiden ist meiner Ansicht nach in einem Magazin durchaus in Ordnung, aber unter besagter Kleidung ein paar Informationen zu verstecken, wäre dann doch nett gewesen!
Die Beziehung zwischen dem Autor und Herrn Döpfner scheint ähnlich beschaffen, wie jene des hochgelobten Musikkritikers zur Friede Springer. Mal sehen, ob auch Herr Jürgs demnächst einen lukrativen Karrieresprung machen darf. Nebenbei möchte ich Herrn Döpfner einige vom Tiefschlaf gesegnete Nächte wünschen. Der arme Mann. Welche Ungerechtigkeiten die Welt doch manchmal mit sich bringt..
Ja, der Artikel ist unverkennbar aus dem SZ-Magazin. Schade um das schöne Format, vor unendlich langen Jahren stand auch mal was drin. Nur dass in diesem Fall, bei dieser Konstellation Jürgs über Döpfner Erwartungen geweckt werden. Bei "Accessoires für die Frau von heute" oder "Das Ultimative für ihn" ist das halt nicht der Fall. Und die Enttäuschung nicht so groß.
Paging