Dem rasanten Aufschwung von Bioprodukten in den vergangenen Jahren folgt die Ernüchterung: Konsumenten lassen die teurere Ökoware links liegen.
In der erfolgsverwöhnten Biobranche macht sich so etwas wie Ernüchterung breit. Immer deutlicher zeichnet sich ab, dass die goldenen Jahre des ungebremsten Wachstums möglicherweise vorbei sind. Im ersten Halbjahr 2008 gaben die Deutschen zwar immer noch mehr Geld für Ökoware aus als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Schaut man jedoch genauer hin, sieht es nicht ganz so rosig aus. So griffen die Deutschen etwa seltener zu Käse und Brot aus dem Bioregal. Auch bei Ökogemüse ging der Absatz um fünf Prozent zurück, wie die Zentrale Markt- und Preisberichtstelle für Agrarprodukte (ZMP) berichtet. Dagegen stiegen die Verkaufszahlen von Fleisch, Wurst und Eiern.
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Die meisten Verbraucher in Deutschland greifen hin und wieder zu Bio-Produkten. Doch immer weniger können sich die teuren Erdbeeren, Zitronen oder Orangen aus ökologischem Anbau noch leisten. (© Foto: dpa)
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Auch der Biohandel spürt die Probleme
Das Wort Krise will man in der Branche dennoch nicht in den Mund nehmen. "Grundsätzlich sieht es nicht so schlecht aus", beschwichtigt Gerald Wehde von Bioland, einem der größten Ökoverbände Deutschlands, der 4500 Anbaubetriebe und 800 Hersteller vertritt. Doch auch er muss zugeben: "Wir wachsen nicht mehr so schnell wie in den vergangenen Jahren." Wehde begründet die gedämpften Erwartungen mit der allgemeinen starken Verteuerung von Lebensmitteln. Auch der Biohandel bekomme inzwischen die Kaufzurückhaltung der Konsumenten zu spüren. "Wir leben schließlich nicht auf einer Insel."
Vor neun Monaten, zur Eröffnung der Grünen Woche, klang das noch anders. Damals gab der Bund ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), der Dachverband der Bioerzeuger, eine geradezu euphorische Prognose ab. Der Umsatz mit Ökoware könnte sich innerhalb weniger Jahre sogar verdoppeln, auf mehr als zehn Milliarden Euro, hieß es damals. Ein ehrgeiziges Ziel gemessen daran, dass die letzten Verdoppelung gut sechs Jahre in Anspruch genommen hat. 2007 setzte die Branche mit 5,3 Milliarden Euro so viel um, wie nie zuvor.
Immer mehr Ökoware aus dem Ausland
Das zu Jahresbeginn ausgegebene Wachstumsziel sehen Experten wie Ulrich Hamm, Agrarprofessor an der Universität Kassel, inzwischen in fernere Zukunft rücken. Der gesamte Biomarkt werde nicht mehr so stark zulegen wie zuletzt, prognostiziert er. Den Aufwärtstrend hält er allerdings für ungebrochen. Neben der wachsenden Kaufunlust macht er vor allem Engpässe im Angebot für den Rückgang verantwortlich. Vor allem bei Kartoffeln und Frischgemüse hapere es beim Nachschub, besonders bei Produkten aus deutschem Anbau. Dies gilt auch als Hauptursache dafür, dass mehr und mehr Ökoware aus dem Ausland kommt.
Ins Stocken geraten ist auch die Expansion von Bio-Supermarktketten wie Basic. Das Unternehmen mit Sitz in München hat seine ehrgeizigen Wachstumsziele auf Eis gelegt und wird in diesem Jahr voraussichtlich keine einzige neue Filiale eröffnen. Noch vor eineinhalb Jahren war von bis zu zwölf neuen Standorten jährlich die Rede. Auch im Nachbarland Österreich sollte die Expansion vorangetrieben werden. Ein missglückter Einstieg des Lidl-Eigners setzte dem jedoch ein Ende. Die finanzielle Beteiligung der Neckarsulmer Schwarz-Gruppe löste bei der Basic-Kundschaft einen Proteststurm aus und ließ die Umsätze stark einbrechen. Die Schwarz-Gruppe zog sich daraufhin zurück. Seitdem steckt Basic in einer schweren Krise. Vor wenigen Wochen wurden Vorstand und Aufsichtsrat neu besetzt.
Discounter legen noch zu
Wehde von Bioland bestätigt, dass in jüngster Zeit kaum Biosupermärkte in Deutschland hinzugekommen sind. "Das Wachstum über die Fläche ist weitgehend abgeschlossen", meint er. "Viele interessante Standorte sind besetzt", bestätigt Susanne Eichholz-Klein von der Beraterfirma BBE Retail Experts, die den Biomarkt beobachtet. Gerade die steigende Zahl von Biosupermärkten galt zuletzt als die Hauptantriebskraft des Bio-Booms. Um weitere Zuwächse zu erzielen, müsse nun der Umsatz auf den bestehenden Flächen gesteigert werden, so Wehde. Aber auch er weiß, dass die hohen Zuwachsraten der vergangenen Jahre kaum zu erreichen sein werden.
So ist es auch zu erklären, dass zuletzt der Einzelhandel, also Lebensmittelketten und Discounter, beim Verkauf von Bioware am stärksten zulegen konnte. Ein größeres Bio-Sortiment gehört hier längst zum Standard. "Vor allem im Discountbereich wird der Umsatz mit Bioware noch zunehmen", erwartet Eichholz-Klein. Schon jetzt liege der Discounter-Anteil am Gesamtumsatz der Branche bei 28 Prozent. Doch selbst hier kaufen viele Kunden, die bis vor kurzem noch bei Bio zugriffen, lieber konventionell erzeugte Ware. Viele könnten sich die teureren Ökoprodukte nicht mehr leisten, heißt es. Die eigentlichen Verlierer des abflauenden Bio-Booms sind jedoch der Naturkosthandel und die Direktvermarkter. Deren Umsätze gingen im ersten Halbjahr 2008 teilweise deutlich zurück.
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(SZ vom 16.09.2008/jkr)
Wie lectrix sagt richtigerweise sagt: Im Ausland werden die Landwirte für iher sogenannten Bio-Produkte über den Tisch gezogen.
Inwieweit es sich tatsächlich um Bio-Produkte handelt, inwieweit die Produktion unseren Standards und Richtlichen entsprechen, steht auf einen anderen Blatt.
Nachwievor gilt jedoch: Die höchsten Gewinne erzielt man um Umschlagsplatz.
Teuer sind die "Bio"-Produkte alleine schon aus psychologischen Gründen, denn der Konsument soll auch denken "Ein hochwertiges Produkt hat seinen Preis"
Stellt sich also die Frage, wer wirklich für die Preise verantwortlich ist, wer die Marktgerechtigkeit festlegt ...hmm... für mich erscheint es, als ob es dafür klare Absprachen gebe, und nun wird den Konsumenten und den Produzenten der Schwarze Peter zugeschoben.
Vor über 15 Jahren als wenige Landwirte ihren Betrieb auf die Produktion ökologisch angebauter Produkte umstellen, damals, als die ersten Bioläden aus dem Erdboden gestampft wurden, da war `Bio´ was wirklich Besonderes. Zugegeben, die Kontaminierungen der benachbarten Felder mögen den Öko-Wert der im Öko-Feld angebauten Erzeugnisse damals schon beeinträchtigt haben. Sehen konnte das aber keiner. Früher, als die Verfasserin dieses Beitrags (lectrix) noch kräftig Öko-Körner in verschiedenen Mahlgraden schrotete, manche Öko-Freaks viele Kilometer mit ihren Möhrchen (Pkw) hinterlegten, um sich mit Bio-Sachen einzudecken, da war die Bio-Welt noch in Ordnung?!
Heute kann ich mich bei Aldi, Plus, Lidl und wie sie alle heißen mit Öko-Gendöns zudecken. Aus Ländern, in welchen kostengünstiger produziert wird, wird der Öko-Kram zu einem Großteil importiert. Der auswärtige Landwirt ist preiswerter als der hiesige, weil der dortige Landarbeiter teilweise zu miserablen Bedingungen ackern muss. Eine Folge der Globalisierung. Unökologisch finde ich das. Wen wundert´s, dass das Auswirkungen auf die Öko-Branche in Deutschland hat.
es sind zum großteil die geschmacksverstärker die das fertigdressing so viel spannender machen als essig&öl&gewürze. die nahrungsmittelindustrie weiß wie sie die menschen dazu bringt ihre produkte zu kaufen.
wow, ich hab bisher das salatdressing aus der tüte sogar als eine der enderscheinungen des fertigessens betrachtet. gibts was einfacheres als öl und essig zusammen zu schütten?
...das so mancher mehr geld für sein auto ausgibt als für nahrung. ich verzichte seit einigen monaten auf fertig- und industriefood (das beginnt schon beim instant-saltdressing aus der tüte) und mir geht es merklich besser. komischerweise steigen meine lebensmittelausgaben dadurch um einiges weniger als die auto-kosten meiner zeitgenossen.
aber jeder wie er will.