Konzernumbau Pofalla mischt die Bahn auf

Der ehemalige Kanzleramtsminister baut den Staatskonzern um - und seine Macht aus. Das gefällt nicht allen.

Von Markus Balser, Berlin

Bei der Deutschen Bahn sorgen Entscheidungen über den Konzernumbau für Wirbel. Nach Angaben aus Konzernkreisen baut Vorstand Ronald Pofalla das eigene Ressort Wirtschaft, Recht und Regulierung aus und um: So soll etwa die DB Sicherheit GmbH - eine Konzerntochter mit 3700 Beschäftigten, vor allem Sicherheitskräften - in seinem Bereich angesiedelt werden. Bislang ist für die Sparte Pofallas Vorstandskollegen Volker Kefer zuständig. Intern sorge der frühere Kanzleramtsminister von Angela Merkel damit für Unmut, heißt es weiter. "Es rumort in der Führung gewaltig."

Begleitet wird der Umbau von einer bereits zum Jahreswechsel vollzogenen, aber erst jetzt bekannt gewordenen Personalie: Der bisherige Chef der Konzern-Sicherheit, Gerd Neubeck, soll Sonderbeauftragter für europäische Sicherheitsfragen der Bahn werden und zusammen mit europäischen Konkurrenten an gemeinsamen Sicherheitsstrategien etwa zur Abwehr von Terroranschlägen arbeiten. Seine Nachfolge tritt Hans-Hilmar Rischke an, bislang Leiter des Objekt- und Personenschutzes bei der Bahn. Ein Konzernsprecher bestätigte beide Wechsel am Freitag. Mit der Personalie Rischke verbinde die Konzernspitze auch die Hoffnung, dass sich das angespannte Verhältnis der Bahn zur Bundespolizei wieder bessern werde, hieß es aus dem Hintergrund. Er sei bereits seit 1981 im Sicherheitsbereich der Bahn tätig.

Sparen will Pofalla künftig bei der Auftragsvergabe an externe Kanzleien. Bislang zahlte die Bahn für Gutachten und Klagen jährlich rund 50 Millionen Euro. Nun sollten von den 200 Hausjuristen des Konzerns 28 abgestellt werden, um als interne Berater die entsprechenden Aufgaben zu übernehmen. Offen sei, ob Rechtsabteilungsleiterin Marianne Motherby ihren Posten behalte, heißt es intern. Und: Auch dieses Vorhaben Pofallas stoße im Konzern auf Gegenwehr. Die als selbstbewusst geltende Abteilung halte sich etwa zugute, in Kartellstreitigkeiten Millionen für die Bahn gesichert zu haben.

"Die Rechtsabteilung wird zukünftig effizienter aufgestellt und plant die externe Rechtsberatungskosten in Höhe von 50 Millionen Euro pro Jahr deutlich zu reduzieren", bestätigt ein Konzernsprecher lediglich. "Für diese Tätigkeit wird innerhalb der Rechtsabteilung ein Bereich geschaffen, zu dem die angesprochenen Mitarbeiter wechseln." Einen Stellenabbau soll es demnach nicht geben.

Der ehemalige CDU-Politiker Pofalla war im Sommer im Rahmen einer Personalrochade in den Bahn-Vorstand gekommen und hatte dort das zentrale Ressort Wirtschaft, Recht und Regulierung übernommen. Der 56-Jährige gilt auch als enger Vertrauter von Bahn-Chef Rüdiger Grube. Der hatte dem Konzern ein hartes Sanierungsprogramm auferlegt, das den Konzern erst einmal tief in die roten Zahlen drückt.