Manfred Schell wird Rentner. Es geht ein Mann, der auch Kabarettisten viel Stoff lieferte. Georg Schramm ("Neues aus der Anstalt") entlässt den streitbaren GDL-Chef bei sueddeutsche.de mit sanften Worten ins Rentnerdasein.
Die Zuschauer der ZDF-Reihe "Neues aus der Anstalt" kennen ihn als nörgelnden Rentner Lothar Dombrowski oder als Drucker August, den hessischen Gewerkschaftler und SPD-Ortsvereins-Aktivisten. Auf sueddeutsche.de entlässt der Kabarettist Georg Schramm Deutschlands obersten Lokführer Manfred Schell mit einem Abschiedsbrief in den Ruhestand.
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Kabarettist Georg Schramm verabschiedet sich von Manfred Schell. (© Foto: Montage sueddeutsche.de)
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Sehr geehrter Herr Schell,
lassen Sie mich gleich zur Sache kommen, Sie sind sicher kein Freund des Feuilleton-Stils. Sie werden mir aus folgenden Gründen fehlen:
1. Sie konnten noch sprechen wie Menschen aus Fleisch und Blut. Als Sie zur Kur waren, durfte Ihr Vize Weselsky öffentlich ans Mikrofon. Eine schwere Zeit für uns alle.
2. Nur durch Sie haben wir Margret Suckale kennengelernt, eine von Ing. Mehdorn als Personalvorstand konstruierte Sprechmaschine. Nur zu gern wüsste ich den Wortlaut all Ihrer Verbalinjurien gegen Suckale hinter verschlossenen Türen - "Super-Nanny" kann doch nicht alles gewesen sein! Sie haben doch sicher unterhalb der Gürtellinie zugeschlagen, aber wie?
Ich kann mir denken, was Sie früher Ihrer Lok alles an den Kessel geworfen haben, wenn sie nicht spurte (man munkelt, der Schrei Ihrer Lok beim Anfahren wäre von Montzen bis Aachen zu hören gewesen). Ihr Ferrari hat doch auch büßen müssen, weil die Räder durchdrehten. Geben Sie´s zu: Sie haben bei Tempo 120 die Sandtaste beim Ferrari gesucht. Und damit kommen wir zu
3. Sand streuen, um den Reibungswiderstand zu erhöhen, das lernt der Lokführer von der Pike auf. Es war ein Genuss, zu erleben, wie Sie Sand ins Räderwerk der gut geschmiert laufenden Kapitalismusmaschine geworfen haben. Es war die letzte Gelegenheit, für die vom Volk geachteten, aber schlecht bezahlten Lokführer was rauszuholen, bevor sie das Schicksal der Heizer ereilt.
Die Sympathie des männlichen Volksteiles galt den Lokführern ja nicht nur, weil wir älteren Jungens auch gerne Lokführer geworden wären, die Sympathie galt dem verblassenden Traum: "Alle Räder stehen still, wenn Dein starker Arm das will!" Sie haben ihn sich erfüllt, stellvertretend für viele - nur beim Ferrari hat´s nicht geklappt.
4. Wenn der Alptraum Mehdorns und der restlichen Wirtschaft einst Realität wird und Spartengewerkschaften, die nicht von Unternehmern finanziert und gegründet werden, landauf, landab den Betrieb lahm legen, wird die Financial Times Deutschland nicht mehr schreiben können, Schell und die GDL seien "...unseriös und an Dilettantismus nicht mehr zu übertreffen". Sie wird schreiben müssen: "Schells böse Saat ist aufgegangen!" Ein Anfang ist gemacht.
Am 17. März dieses Jahres haben Sie beim Milchbauernabend des BDM referiert (das "M" vom "BDM" steht in diesem Fall für "Milchviehhalter"), zwei Wochen später drohten die Milchbauern erstmals mit Milchboykott gegen ALDI und Lidl: "Alle Euter stehen still ..!" Respekt.
Und alles Gute
Ihr Georg Schramm
P.S. Geben Sie rechtzeitig den Führerschein ab und verheizen Sie Carrera- und Modelleisenbahnen, bevor Sie doch noch eine/n Unschuldige/n treffen.
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(sueddeutsche.de/tob)
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Was wurde Manfred Shell während des Streiks von den Redakteuren dieser Zeitung niedergemacht.
Jetzt wo alles vorbei ist, kann man die Masken fallen lassen. Man lässt Georg Schramm als Stellvertreter sprechen und zollt Manfred Schell zum Abschied Respekt.
Liebe SZ-Zensoren, vielleicht sollten Sie mal bei Herrn Prantl vorbeischauen und sich erkundigen, wie weiträumig das GG in Sachen Meinungsfreiheit ausgelegt werden kann! Dann müssten Sie nicht dauernd scharfformulierte Kommentare unterdrücken!
Ich hatte das Vergnügen Herrn Schramm und Herrn Priol noch am Montag live bei der Preisverleihung des BR Kabarettpreises zu erleben. Die Sendung wird Mitte Mai ausgestrahlt.
Der Auftritt (Priol wie immer tagesaktuell - Schramm wie immer bitterböse) war ein absolutes Highlight.
Live kann man beide sehr häufig in München erleben. Tickets über Lustspielhaus oder die bekannten Vorverkaufsstellen - es lohnt sich!!
Leider ist das Durchschnittsalter des Publikums mittlerweile angeglichen an die Kreuzfahrtgäste von Mein Traumschiff.
Aber die Comedyfans bevorzugen halt Fastfood.
Meine Empfehlung: Genießen Sie noch Kabarett, solange es noch solch Sprachkünstler gibt. (frei nach Mehmet Scholl und mit Betonung auf Künstler)
Oder provokativ: Warum Kleinkunst, wenn es Schramm gibt.
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Was Herrn Schell angeht, hat er als einer der ganz wenigen Rückrat bewiesen und der GDL zu hahem Ansehen verholfen. Das würde anderen Gewerkschaftsfunktionären ebenfalls gut zu Gesicht stehen. Andererseits dürfte es für Mehdorn jetzt gemütlicher werden, besonders nachts, da er jetzt, wo Schell weg ist, besser schlafen kann.
Mein besonderer Dank gilt Herrn Schramm für seinen außerordentlichen Witz, den er hier einmal mehr unter Beweis gestellt hat!
Paging