Bei so viel Werbung konnte kaum jemandem entgehen, dass es mit der "Vanity Fair" eine neue Zeitschrift in Deutschland gibt. Inzwischen hat der Condé Nast-Verlag sechs Ausgaben an den Kiosk gebracht und Verlags-Chef Bernd Runge zieht eine erste Bilanz.
Der große Tag ist nun schon wieder über einen Monat her: Am 7. Februar, 24 Stunden früher als geplant, hatte der Verlag Condé Nast die deutsche Ausgabe seines Magazins Vanity Fair zum Kampfpreis von einem Euro auf den Markt gebracht.
Sieht sich als klassischen Verleger: Condé-Nast-Chef Bernd Runge. (© Foto: Condé-Nast)
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Die Markteinführung des neuen Magazins wurde von heftiger Kritik seitens der Presse begleitet: "Willkommen im Neo-Biedermeier", textete etwa Spiegel Online, Focus-Chef Helmut Markwort fühlte sich beim Titelbild der Erstausgabe an "die Apotheken-Umschau" erinnert, und die Zeit sah Vanity Fair "zwischen Hörzu und Bauer-Verlag".
Kritik, mit der Condé-Nast-Chef Bernd Runge gerechnet hatte. Mit dem Start des Neulings, mittlerweile der siebte Titel (ohne Line-Extensions) des Verlags in Deutschland, ist er trotz der anfänglichen Verrisse zufrieden.
Insbesondere in den Metropolen findet Vanity Fair laut Runge viele Käufer - wenn auch der übliche Neugier-Effekt zu den Ausverkäufen in Berlin und München beigetragen hat.
Inzwischen, nachdem der Preis auf zwei Euro gestiegen ist, verkauft der Titel Runge zufolge "deutlich über 100.000 Exemplare". Damit widerspricht er im Markt kolportierten Zahlen, denen zufolge Vanity Fair auf rund 80.000 verkaufte Hefte abgerutscht sei. Was Sache ist, dürfte ab dem dritten oder vierten Quartal 2007 feststehen: Ab dann will Vanity Fair offizielle Verkaufszahlen an die IVW melden.
Einen Misserfolg kann sich Bernd Runge nicht leisten. Denn die Investition, die sich das Haus das Abenteuer Vanity Fair kosten lässt, ist exorbitant: Einen zweistelligen Millionen-Betrag hat Condé Nast dem Vernehmen nach allein für die Markteinführung springen lassen - eine Summe, die bei der deutschen Tochter des US-Verlags eine kräftige Delle in der Bilanz hinterlässt: Auch wenn der Verlag in diesem Jahr in den schwarzen Zahlen bleibt - große Gewinne wird Bernd Runge an das Mutterhaus nach dem laufenden Geschäftsjahr nicht abführen können. Entsprechend groß ist der Erfolgsdruck.
Frage: Herr Runge, am 7. Februar erschien die erste Ausgabe von "Vanity Fair". Einen Tag später hagelte es Kritiken. Spiegel Online schrieb "Willkommen im Neo-Biedermeier", die Zeit textete: "Das Heft changiert zwischen ,Hörzu' und Bauer-Verlag". Wie sehr schmerzt so etwas den Herausgeber?
Runge: Das haben wir sportlich gesehen. Von bestimmten Autoren haben wir nichts anderes erwartet. Und prinzipiell kann sich das Echo auf Vanity Fair mehr als sehen lassen, es war überwiegend positiv. Kaum ein Zeitschriften-Launch ist in den letzten Jahrzehnten derart intensiv begleitet worden. Das zeigt: Wir werden ernst genommen.
Frage: Aber wie lange? An dem inhaltlichen Spagat zwischen Informationen mit gesellschaftspolitischem Anspruch und Unterhaltung ist beispielsweise auch schon "Max" gescheitert.
Runge: Mit Verlaub: Beide Titel können Sie miteinander nicht ansatzweise vergleichen. Mit unserer 75 Mitarbeiter starken Redaktionsmannschaft steckt bei uns doch viel mehr Substanz dahinter. Unser Konzept und die wöchentliche Erscheinungsweise sind eine neuartige Mischung. Aber natürlich haben Chefredakteur Ulf Poschardt und sein Team einen harten Job vor sich.
Frage: Dabei war es für die Redaktion bis jetzt doch noch relativ leicht. Bis zu drei Fünftel der Heftinhalte sind vorproduziert, heißt es.
Runge: Dem muss ich widersprechen. Erstens ist es für ein neues Team immer schwer. Und es sind nur wenige vorproduzierte Geschichten in Vanity Fair. Was entscheidend ist: In den letzten Heften gab es kein Thema, das wir übersehen hätten. Klar, die Titelgeschichte über George Clooney in Heft 11 ist natürlich langfristig produziert beziehungsweise eingekauft, erscheint aber genau zum Start seines Films "The good German".
Frage: Die amerikanische "Vanity Fair" hat immer wieder durch Scoops auf sich aufmerksam gemacht. Wie viele Enthüllungen wird die deutsche "Vanity Fair" in diesem Jahr landen?
Runge: Wenn man das nur planen könnte... Tatsächlich haben wir doch jetzt schon viele Exklusiv-Meldungen. Ich bin mir sicher, dass wir noch die eine oder andere Überraschung erleben werden. Aber, Sie müssen bedenken: Allein der Spiegel hat mehr Korrespondenten als wir Redaktionsmitglieder. Und es ist nicht das Hauptanliegen von Vanity Fair, mit Sensationen exklusiv auf den Markt zu kommen. Wir wollen eine einzigartige Heftmischung anbieten.
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