Hypo Real Estate Düsteres Bild von der Zukunft

Finsterer können Prognosen kaum ausfallen: Die Hypo Real Estate weist im dritten Quartal einen Milliardenverlust von 3,1 Milliarden Euro aus - und rechnet auch für 2009 mit roten Zahlen.

Nach hohen Verlusten im dritten Quartal rechnet das neue Management der Hypo Real Estate (HRE) auch für das Gesamtjahr und 2009 mit roten Zahlen. Als Gründe dafür nannte das angeschlagene Institut am Montag vor allem die hohen Kosten für die Rettungshilfen durch den Staat und andere Banken sowie den notwendigen Umbau des Dax-Konzerns.

"Es wird länger als ein paar Quartale dauern, um die Gruppe neu zu positionieren", sagte Vorstandschef Axel Wieandt, der Mitte Oktober von der Deutschen Bank nach München gewechselt war, bei seinem ersten öffentlichen Auftritt vor Analysten.

Die Überarbeitung hin zu einem nachhaltigen Geschäftsmodell habe nun Priorität. Die HRE werde im Neugeschäft kleinere Brötchen backen, erwäge den Verkauf von Vermögenswerten und suche nach Kosteneinsparungen.

Keine Dividende in den nächsten Jahren

Wieandt deutete an, dass es zu Einschnitten in der 1850 Mitarbeiter zählenden Belegschaft kommen könnte. Er blieb bei Fragen zur künftigen Aufstellung aber insgesamt sehr vage. Auch für die Zeit nach 2009 äußerte sich die Bank nur zurückhaltend: Es werde in den nächsten Jahren voraussichtlich kein dividendenfähiges Ergebnis geben, hieß es.

Der irische HRE-Tochter Depfa hatte den gesamten Konzern Ende September wegen eines Liquiditätsengpasses an den Rand des Zusammenbruchs gebracht. Entstanden waren die Probleme, weil der Staatsfinanzierer angesichts der sich damals verschärfenden Finanzkrise keine kurzfristigen Gelder mehr am Markt aufnehmen konnte, um sein Kreditgeschäft aufrechtzuerhalten.

Schließlich wurde die HRE durch Hilfen über 50 Milliarden Euro aufgefangen. Das Geld reicht allerdings nicht aus, wie Wieandt einräumen musste: "Wir brauchen im vierten Quartal mehr als die 50 Milliarden Euro und sprechen darüber mit der Soffin."

Verhandlungen über Kapitalspritze

Die neu geschaffene Behörde zur Stabilisierung der Finanzbranche vergibt Garantien an bedürftige Banken, mit denen diese sich dann Geld von anderen Banken oder am Markt holen können.

Auch über eine direkte Finanzspritze verhandelt die HRE. Analysten rechnen angesichts der schwachen Kapitalausstattung mit einem Bedarf von mehreren Milliarden Euro.

Trotz der umfangreichen Staatshilfen für die Finanzbranche trauen sich die Institute weiterhin kaum über den Weg und leihen sich untereinander kein Geld: "Eine hinreichende Refinanzierung allein über die Geld- und Kapitalmärkte ist der HRE vorerst nicht möglich, auch wenn dies mittelfristig natürlich unser Ziel ist", so Wieandt.

Deshalb könnte die Bank nach Auslaufen der derzeitige Hilfen länger auf staatliche Unterstützung angewiesen sein, hieß es im Quartalsbericht. Die bisherigen Maßnahmen kosten die HRE pro Jahr 466 Millionen Euro. Eine ähnlich hohe Nachzahlung könnte hinzukommen, sobald die Bank wieder Gewinne macht.

Stühlerücken im Aufsichtsrat

Für das dritte Quartal wies die Hypo Real Estate Bank unter dem Strich einen Verlust von 3,05 Milliarden Euro aus. Dieser geht vor allem auf Abschreibungen von 2,5 Milliarden Euro auf die Problemtochter Depfa zurück. An der Börse verloren HRE-Aktien in einem fallenden Gesamtmarkt am Montag 1,2 Prozent auf 3,20 Euro. Vor einem Jahr kosteten sie noch knapp 40 Euro.

Im Aufsichtsrat gibt es derweil einen Neuanfang: Gleich acht der ehemals zwölf Mitglieder verlassen das Kontrollgremium.

Neuer Vorsitzender soll Michael Endres werden, der früher im Vorstand der Deutschen Bank saß. Mit ihm ziehen weitere Prominente in das Gremium ein, darunter der ehemalige Commerzbank-Vorstand Bernd Knobloch, Ex-Bundesbank-Vorstand Edgar Meister sowie der Chef der Landesbank Berlin, Hans-Jörg Vetter. Verlassen haben den Aufsichtsrat alle Mitglieder, die nicht zum Konsortium um den HRE-Großaktionär JC Flowers gehören.