Hurrikane Ein Wetter ist das...

...das sich schon im Frühjahr abgezeichnet hat.

Von hgn

Die Zahl der Wirbelstürme hat sich in den letzten Jahrzehnten zwar nicht verändert - doch wie viele schwere Hurrikane inzwischen Landberührung haben, überraschte bereits 2004 die Fachleute. Dazu kam, dass in diesem Jahr tatsächlich auch besonders viele Stürme auftraten.

Hurrikane

Ohne Coriolis-Kraft gäbe es keine Hurrikane: Wenn sich Teilchen in der Atmosphäre von einem Ort zu einem anderen bewegen, dreht sich unter ihnen die Erde weiter. Sie werden also bezüglich der Erdoberfläche abgelenkt (die Corioliskraft ist also nur eine Scheinkraft). Würden die Teilchen nicht abgelenkt, könnten beispielsweise Luftmassen direkt in ein Tiefdruckzentrum wehen. Mit der Corioliskraft kann die Luft aber nur auf spiralförmigen Bahnen in ein Tief strömen. Der Druckausgleich ist also verzögert und das Tief hat Zeit, sich weiter zu verstärken. Die Corioliskraft wirkt erst mit größerem Abstand zum Äquator, darum entstehen in Äquatornähe keine Hurrikane.

(Foto: © Graphik: Meteo SF DRS)

Deshalb sprach etwa Michael Sachweh, Wetterexperte an der Universität München, von einem außergewöhnlichen Hurrikan-Jahr. Die Wetterlage über dem Atlantik hatte die Entstehung von Wirbelstürmen begünstigt. Bereits im Frührjahr hatte die US-Behörde National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) damals unter anderem aufgrund der hohen Wassertemperaturen für das laufende Jahr "mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent" überdurchschnittlich viele Hurrikane im Atlantik in Aussicht gestellt.

Der Weg zum Hurrikan

Es setzt sich offenbar ein Trend fort, der 1995 begann: Seither habe es mit Ausnahme der beiden El-Niño-Jahre 1997 und 2002 im Atlantik überdurchschnittlich viele Wirbelstürme gegeben, bestätigt die NOAA.

Allerdings waren Perioden mit vermehrter Sturm-Aktivität auch schon früher zu beobachten.

Damit sich ein Hurrikan überhaupt zusammenbrauen kann, braucht er einige wichtige Ingredienzen.

Neben einer ausreichend großen Meeresoberfläche sind dies

- eine Wassertemperatur von mindestens 26,5 Grad

- eine tropische Schlechtwetterstörung, die im Bereich des Atlantiks oft südwestlich der Kapverdischen Inseln ihren Ursprung hat

- einheitliche Windverhältnisse in Wassernähe und in großer Höhe — das Unwetter kann sich nur in Ruhe entfalten

- die Corioliskraft (vgl. Bild).

Die Initialzündung für einen Hurrikan ist eine kleinere Schlechtwetterstörung, meist eine Ansammlung von Gewittern. Dieses Tief, das genau genommen aus vielen kleinen Tiefs besteht, saugt zunehmend Luftmassen an.

Sind auch die übrigen Bedingungen erfüllt — wichtig ist vor allem die stete Zufuhr von Wasserdampf — entsteht ein sich selbst verstärkendes System, ein immer kräftigeres Tief, dass sich zu einem tropischen Sturm auswachsen kann. Ab einer Windgeschwindigkeit von 118 Stundenkilometern wird von einem Hurrikan gesprochen.

Der Weg des Hurrikans

Im Atlantik lassen die Passatwinde derartige Gebilde zunächst westwärts driften. Nach zehn bis 15 Tagen erreichen die Stürme die Karibik. Dort spaltet sich die Zugbahn der Hurrikane in zwei Hauptwege.

Ein Teil der Stürme zieht nördlich der Großen Antillen in Richtung der Bahamas. Dort biegen sie ab und ziehen entlang der amerikanischen Ostküste nach Norden, meistens Richtung Neufundland. Vor oder über Kanada drehen sie erneut und münden dann, schon schwach geworden, in die Westwinddrift ein. Die Reste dieser Hurrikane können in Europa landen.

Die andere Route verläuft in Richtung des Golf von Mexiko. Dort biegen manche Stürme dann nach Norden, andere ziehen noch weiter nach Westen und überqueren die mittelamerikanische Landenge. In dem Fall ist besonders Mexiko betroffen.

Doch ein Hurrikan kann auf dem Weg zur US-Küste auch die ABC-Inseln (Aruba, Bonaire und Curaçao) treffen, wie es etwa "Ivan" getan hatte. Eine derart südliche Route ist jedoch ungewöhnlich — nicht ohne Grund werben die Inseln damit, dass sie hurrikanfrei seien.