Die Produktion von bunten Fanartikeln für Olympia 2008 in Peking läuft auf Hochtouren. Nun untersucht das Organisationskomitee, ob Kinderarbeit im Spiel ist.
Arbeitsrechtler haben Verstöße gegen die Schutzvorschriften in Fabriken angeprangert, in denen für die Olympischen Spiele in Peking produziert wird. In mindestens vier Fabriken würden die chinesischen und internationalen Standards zum Arbeitsschutz nicht eingehalten, heißt es in einem Bericht der Organisation PlayFair 2008 vom Sonntag. Dem Bündnis gehören Gewerkschaften und Arbeitsrechtsgruppen an.
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Die Vorwürfe an die Lizenzfabriken des IOC wiegen schwer: Kinderarbeit, Sieben-Tage-Wochen, tägliche Arbeitszeiten von 15 Stunden ohne Pause und für die Hälfte des gesetzlichen Mindestlohns. (© Foto: dpa)
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Rucksäcke, Mützen und andere Produkte würden in Fabriken produziert, in denen Kinder arbeiteten und in denen nicht der gesetzliche Mindestlohn gezahlt werde, heißt es in dem Bericht, der unter dem Titel "Keine Medaille für die Olympischen Spiele bei den Arbeitsrechten" am Sonntag veröffentlicht wurde.
Keine Medaille fürs IOC
Kritisiert werden sowohl die Organisatoren der Spiele 2008 als auch das Internationale Olympische Komitee (IOC). Die Lizenzierung des Olympia-Symbols sei eine wichtige Einnahmequelle für das IOC und die nationalen Verbände, erklärte Guy Ryder, Generalsekretär des Internationalen Gewerkschaftsbundes (ITUC).
"Es ist eine Schande für die gesamte olympische Bewegung, dass solche schwerwiegenden Verstöße internationaler Arbeitsstandards in lizenzierten Fabriken stattfinden."
Die ITUC hatte im Winter Ermittler ausgeschickt, um die Arbeitsbedingungen vor Ort zu überprüfen. Sie entdeckten demnach "schlimme Verletzungen" der grundlegenden Rechte.
Arbeiter erhielten nur die Hälfte des gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohns, Kinder von zwölf Jahren wurden beschäftigt, Überstunden waren an der Tagesordnung, Beschäftigte wurden angehalten, Inspektoren über die Arbeitsbedingungen zu belügen.
Dreizehnjährige arbeiten bis zwei Uhr morgens
Die ITUC-Ermittler zitieren in ihrem Bericht ein 13-jähriges Mädchen, das zwei- bis dreimal im Monat von morgens bis zwei Uhr nachts arbeiten musste, oder einen Arbeiter, der trotz Hantierens mit gefährlichen Stoffen keine Handschuhe trug und sich Verletzungen zuzog.
Das IOC hat inzwischen auf die Vorwürfe reagiert und eine Untersuchung gestartet. Künftig sollen die Fabriken kontrolliert werden, die unter Lizenz Fanartikel herstellen. Das Komitee lege "großen Wert" auf die Arbeitsbedingungen in den Werkstätten, sagte der Sprecher Sun Weide am Montag in Peking.
PlayFair: 70 Millionen Dollar Erlös
Die Lizenzen für offizielle Fanartikel wie Mützen, Taschen oder Plüschtiere sollen im kommenden Jahr rund 70 Millionen Dollar (52 Millionen Euro) einbringen, wie in der Kampagne PlayFair 2008 zusammengeschlossene Gewerkschaften und Hilfsorganisationen schätzen. Das wären 40 Prozent mehr als im Jahr 2000 bei den Olympischen Spielen in Sydney. Die Lizenzen, welche die Herstellerfirmen zahlen müssen, gehen direkt an die Organisatoren der Spiele.
(sueddeutsche.de/AP/AFP)
Linke-Vize-Chefin Wawzyniak
Welchen Ruf China hat, ist das eine. Was hier tatsächlich hinter den Kulissen abläuft, ist das andere. Seit sich das Land für den Westen geöffnet hat, poliert es ständig seinen Ruf auf. Als Ausländer wird man hier vorzüglich behandelt, nicht nur von den durchweg freundlichen einfachen Leuten, es gibt auch keinerlei Gängeleien durch Polizei und Behörden. Wer nächstes Jahr die Olympischen Spiele besucht, wird danach wohl viel Positives zu berichten haben. Das werden bestens organisierte Hochglanzspiele mit vielen zufriedenen Gästen.
Auf der anderen Seite wundert es mich nicht, wenn Organisationen wie PlayFair 2008 oder das ITUC auf skandlöse Zustände stoßen, sobald sie nur ein wenig an der Hochglanzoberfläche kratzen. Für unsere Begriffe unmenschliche Arbeitsbedingungen sind hier nämlich, so mein Eindruck, für weniger privililegierte Arbeitnehmer wie Fabrikarbeiterinnen oder Bauarbeiter eher die Regel als die skandalöse Ausnahme.
Und dann gibt es ja auch noch hinter der Hochglanzkulisse, die China darbietet, das, was wir als "Menschenrechtsverletzungen" bezeichnen: fehlende Pressefreiheit, Zensur, Inhaftierung von missliebigen Journalisten,. jahrelange Haft ohne reguläres Gerichtsverfahren in einem dieser berüchtigten Arbeitslager, den Laogai, Zwangsabtreibungen, Massenhinrichtungen usw. usf. Jede dieser "Menschenrechtsverletzungen" ist zwar für unsere Begriffe ein Skandal, aber hierzulande nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Menschenrechte, d.h. Rechte des Einzelnen, sind dieser Gesellschaft völlig fremd.
.. jetzt raten sie mal wieviel westliche Unternehmen in Billiglohnländer Hungerlöhne zahlen, ua. in China.
man sollte nicht mit Steinen werfen, wenn man im Glashaus sitzt.
gruß
g
In China werden noch ganz andere Menschenrechte mit den Füßen getreten, zum Beispiel die Religionsfreiheit. Das Land hat die Olympischen Spiele dringend nötig, um seinen Ruf aufzupolieren, denn der ist ziemlich verdreckt.
Wer glaubt, dass es sich um ein Saubermann-Land westlichen Standards handelt, irrt gewaltig.