Hugo Boss Permira boxt Dividende durch

Der Finanzinvestor Permira hat bei dem Modehersteller Hugo Boss eine Sonderdividende durchgesetzt - für die Boss nun einen Kredit aufnehmen muss.

Von Martin Hesse

Die Ausschüttung in Höhe von 345 Millionen Euro wird mit höheren Schulden finanziert und fließt zu mehr als 70 Prozent an den Großaktionär Valentino Fashion Group (VFG). VFG kann dadurch die Schuldenlast senken, die Permira der Firma bei der Übernahme im vergangenen Jahr aufgebürdet hatte.

Der Aufsichtsrat von Boss beschloss die Ausschüttung in der Nacht zum Mittwoch nach zähem Ringen. Vergangene Woche hatte sich das Gremium vertagt.

Nach Angaben aus Verhandlungskreisen stimmten die Arbeitnehmervertreter gegen die Dividende, mit dem Doppelstimmrecht des Aufsichtsratsvorsitzenden Giuseppe Vita setzte sich die Eigentümerseite jedoch durch.

Die Arbeitnehmer hatten Permira eine Beschäftigungsgarantie für Hugo Boss abringen wollen, außerdem sollte sich der Finanzinvestor festlegen, keine weiteren Sonderdividenden auszukehren, hieß es weiter. An diesem letzten Punkt seien die Verhandlungen gescheitert.

Differenzen über Wachstumstempo

Die Dividende hatte seit Wochen für Wirbel gesorgt, manch einer führte den Rücktritt von Boss-Chef Bruno Sälzer auf Differenzen über die Ausschüttung zurück.

In Finanzkreisen heißt es, Differenzen habe es weniger über die Dividende als vielmehr über das Wachstumstempo und die Profitabilität bei Boss gegeben. Finanzvorstand Joachim Reinhardt betonte am Mittwoch, zwar werde bei der Finanzierung von Boss der Eigenkapitalanteil von 52 auf 20 Prozent sinken.

Es bleibe jedoch genug Spielraum, um mehr in Wachstum zu investieren als im Durchschnitt der vergangenen Jahre. Die Minderheitsaktionäre reagierten verunsichert: Die Aktie stieg zunächst deutlich, rutschte aber dann klar ins Minus. Analyst Christoph Dolleschal von der Commerzbank sagte, die Sonderausschüttung zeige, dass Permira nicht besonders am externen Wachstum von Hugo Boss interessiert sei.