Hewlett Packard Milliardenschwerer Angriff auf IBM

Der Computerhersteller Hewlett-Packard will für knapp 14 Milliarden Dollar den Computerdienstleister EDS übernehmen - und endlich zum Rivalen IBM aufschließen.

Der US-Computerkonzern Hewlett Packard (HP) steigt groß in den Markt der IT-Dienstleistungen ein. Dafür übernimmt der Konzern das US-Unternehmen EDS für 13,9 Milliarden Dollar. "HP und EDS zusammengenommen werden eine führende Kraft bei den weltweiten IT-Services bilden", sagte HP-Chef Mark Hurd. Die EDS-Führung hat dem Geschäft bereits zugestimmt. Nun sind die Aktionäre am Zug.

Durchsichtige Strategie: Hewlett-Packard hofft auf sichere Margen im Markt mit Computerdienstleistungen.

(Foto: Foto: Reuters)

Die Börsianer waren in ersten Reaktionen wenig angetan. Obwohl der Konzern zeitgleich gute Zahlen fürs abgelaufene zweite Geschäftsquartal präsentierte und seine Jahresprognose anhob, verlor die Aktie vorbörslich 3,68 Prozent auf 45,02 Dollar. EDS bauten unterdessen ihre Vortagesgewinne vorbörslich um 0,46 Prozent auf 24,24 Dollar aus. Das Wall Street Journal hatte bereits über die bevorstehende Übernahme berichtet. HP bietet 25 Dollar je Aktie in bar, finanziert unter anderem über Kredite.

Mit einem Schlag auf den zweiten Platz

Die Übernahme ist eine der größten in der HP-Geschichte. Im Jahr 2002 kaufte der Konzern den Computerhersteller Compaq für rund 20 Milliarden Dollar und machte sich damit weniger abhängig vom Geschäft mit Druckern. EDS ist einer der führenden IT-Dienstleister weltweit. Im vergangenen Jahr war auch über ein Interesse der Deutschen Telekom an dem Unternehmen spekuliert worden.

Das Service-Geschäft bringt bislang rund 15 Prozent der Umsätze im HP-Konzern. Diesen Wert will Unternehmenschef Hurd nun mit einem Schlag mehr als verdoppeln. Ziel ist es, vom fünften Platz der Serviceprovider auf den zweiten Platz vorzurücken. In diesem Geschäftsfeld hat sich vor allem IBM einen Namen gemacht. Doch auch ohne EDS konnte HP in der jüngsten Vergangenheit Erfolge feiern. Erst Anfang des Jahres hatte zum Beispiel die Deutsche Post den Amerikanern die Verwaltung ihrer Rechenzentren und das Datenmanagement übertragen.

Konzernumbau noch in vollem Gange

Mit dem Abschluss des Zukaufs rechnet HP im zweiten Halbjahr. Im Geschäftsjahr 2009 soll der Gewinn vor Sonderposten durch die Übernahme steigen, ab 2010 dann auch der Gewinn unterm Strich. In diesem Jahr rechnet HP ungeachtet der Übernahme mit einer Ergebnisverbesserung.

Experten sehen den Übernahmeplänen mit gemischten Gefühlen entgegen. Für das Geschäft spricht, dass HP dadurch mit einem Schlag zum Konkurrenten IBM aufschließen kann. Allerdings ist der laufende Konzernumbau längst noch nicht abgeschlossen, so dass sich mit einer Integration von EDS eine weitere Baustelle auftaucht.

Margen auch in der Krise

Außerdem gab die Entwicklung von EDS den Anlegern in der jüngsten Vergangenheit wenig Grund zum Jubel. Das Wachstum ging zurück, Jobs wurden abgebaut, der Aktienkurs brach ein. "Die Reaktion könnte etwas negativ ausfallen, da sich EDS einige Jahre lang ganz schön abgestrampelt hat", sagte Chuck Jones von der Investmentgesellschaft Atlantic Trust, die selbst HP-Anteile hält, gegenüber der Financial Times. Außerdem befürchteten einige Analysten, der Preis für EDS könnte zu hoch sein.

Wichtiger Grund für HP, die Übernahme zu forcieren, dürfte die Krisensicherheit von Computerdienstleistungen gewesen sein. Der HP-Konkurrent IBM hatte dieses Geschäftsfeld in den vergangenen Jahren daher bereits deutlich ausgeweitet.