Streitfall Ladenschluss: In mehreren Bundesländern flammt die Debatte über Öffnungszeiten wieder auf. Immer mehr Supermärkte sperren erst um 22 oder gar 24 Uhr zu.
Vier Jahre nach der weitgehenden Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten kommt erneut Bewegung in die Debatte. Abgesehen von Bayern, wo die Geschäfte spätestens um 20 Uhr schließen müssen, ist vor allem unter Lebensmittelhändlern ein Wettlauf um einen möglichst späten Geschäftsschluss ausgebrochen. Gleichzeitig tobt in einigen Bundesländern ein Streit zwischen Politik und Einzelhandel über die Ladenöffnungszeiten.
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In Deutschland sind manche Supermärkte bis 22 oder gar 24 Uhr offen. (© AP)
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Der Wettbewerb im Lebensmittelhandel wird an vielen Standorten inzwischen auch über die Öffnungszeiten geführt. Den Anstoß dafür gab die Rewe-Gruppe vor mehr als einem Jahr. Die Handelskette war die erste, die ihre Supermärkte am Abend offen gehalten hatte: Heute können Kunden in 2300 der bundesweit 3300 Rewe-Supermärkten auch nach 20 Uhr einkaufen. Etwa 60 Läden sind sogar bis Mitternacht geöffnet. Rewe-Chef Alain Caparros hält es für möglich, dass bald sogar an 200 Standorten gilt: Ladenschluss 24 Uhr. "Die langen Öffnungszeiten haben Rewe im Wettbewerb große Vorteile verschafft, auch wenn Mitbewerber inzwischen nachgezogen haben", so Caparros. Viele Edeka-Märkte schließen inzwischen ebenfalls erst um 22 Uhr.
Vereinzelt sind dort die Türen sogar bis 24 Uhr geöffnet, und an fünf Standorten können die Kunden sogar rund um die Uhr einkaufen. "Infolge eines geänderten Lebensstils und einer größeren Zahl von Single-Haushalten gibt es vor allem in Ballungszentren einen Trend zu längeren Öffnungszeiten. Aber die Entscheidung darüber trifft jeder Markt vor Ort", sagte ein Edeka-Sprecher. Auch in den Supermärkten der Tengelmann-Gruppe (Kaiser's, Tengelmann) heißt es mittlerweile in vielen Filialen außerhalb Bayerns: "Wir haben für Sie bis 22 Uhr geöffnet." Je nach Wettbewerbssituation ist auch erst um Mitternacht Schluss.
Unter den Discountern ist der Wettlauf um lange Öffnungszeiten noch nicht so stark ausgeprägt. Zwar hat Rewe-Ableger Penny an 1500 seiner bundesweit 2400 Standorte auch nach 20 Uhr geöffnet. Aber die Konkurrenz gibt sich davon wenig beeindruckt. Die Marktführer im Billigsegment, Aldi und Lidl, schließen ihre Märkte nach wie vor um 20 Uhr. Und auch in den meisten der etwa 4000 Läden des Branchendritten, der Edeka-Tochter Netto, ist am Abend um 20 Uhr Schluss - abgesehen von einigen Ballungszentren, in denen manche Standorte bis 21 Uhr oder 22 Uhr geöffnet haben. Das sollen aber Ausnahmen bleiben. "Es gibt keine Pläne, die Öffnungszeiten auf breiter Front auszudehnen", betonte eine Sprecherin.
Für die Händler ist die lange Öffnung mit zusätzlichen Kosten verbunden. Der Aufwand für Logistik, Energie und Sicherheitsdienste steigt mit der Zahl der Stunden, die die Märkte am Abend geöffnet sind. Zu Buche schlagen aber auch die Personalkosten. Denn ab 18.30 Uhr erhalten die Beschäftigten einen Zuschlag. Die Supermarktbetreiber steuern dagegen, indem sie zu später Stunde die Bedientheken etwa für Wurst und Käse schließen. Auch setzen sie vielfach Mini-Jobber und Dienstleister ein, die für sie preiswerter sind als die Stammbelegschaft. Rewe-Chef Caparros räumt ein, dass manche Läden nach 20 Uhr nicht kostendeckend arbeiten. "Aber darum geht es nicht. Wichtig ist, die Läden insgesamt als Einkaufsstätte attraktiv zu machen. Wer einmal am späten Abend bei uns war, kommt beim nächsten Mal zu einer anderen Zeit wieder."
Arbeitnehmervertreter sehen die Bewegung zum späten Ladenschluss kritisch. Sie beklagen die zusätzlichen Belastungen, die lange Öffnungszeiten für die Beschäftigten mit sich bringen. Aus diesem Grund gibt es in Gewerkschaftskreisen viel Sympathie für eine Forderung der Grünen in Nordrhein-Westfalen. Sie drängen darauf, dass die Geschäfte in diesem Bundesland künftig spätestens um 22 Uhr schließen.
Ein heftiger Streit tobt derzeit in Berlin. Dort wird über ein Ladenschlussgesetz gestritten, das die Sonntagsöffnung am Hauptbahnhof und an den Adventssonntagen regeln soll. Industrie- und Handelskammer und Handelsverband laufen Sturm gegen einen Gesetzentwurf, nach dem im Dezember wie in jedem anderen Monat maximal zwei verkaufsoffene Sonntage möglich sind, die aber nicht aufeinander folgen dürfen. Welche das sind, bleibt den Geschäften überlassen. Am Hauptbahnhof soll der Verkauf von nicht reisewichtigen Waren weiter verboten sein. Dagegen soll der Verkauf auf dem Flughafen Tegel ohne Einschränkungen weiterlaufen.
Verhärtete Fronten gibt es auch in Mecklenburg-Vorpommern. Dort hat das Oberverwaltungsgericht Greifswald die Verordnung zur sogenannten Bäderregelung im Ladenöffnungsgesetz für unzulässig erklärt. Danach war es in mehr als 150 Städten an bis zu 49 Sonntagen im Jahr erlaubt gewesen, die Geschäfte zwischen 11.30 Uhr und 18.30 Uhr zu öffnen.
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(SZ vom 20.09.2010/aum)
Mal etwas weniger Jammern.
Den Familienbetrieb um die Ecke haben wir in 7 Jahren, die wird dort wohnen, eine handvoll Mal zum Einkaufen besucht.
Das liegt daran, dass wir innerhalb der Öffnungszeiten Mo-Fr im Zeitraum 9:00-18:00 nicht in der Nähe sind, samstag hat der nur bis 13:00 geöffnet, aber da ist der Wocheneinkauf ohnehin schon geschehen. Für den Wocheneinkauf eignet er sich nicht, da dass Angebot zu begrenzt ist.
Aber trotzdem lebt dieser Laden, obwohl ein paar Schritte weiter ein Supermarkt steht, der 6 Tage die Woche 8:00-20:00 geöffnet hat.
Irgendwann wird's Quatsch, aber ich frage mich auch, wieso einige penetrant an Regeln festhalten wollen, die ursprünglich vor knapp 100 Jahren aufgestellt wurden und damals sicher ihre Berechtigung hatten.
Irgendwann wird man eben von der Realität überholt und darf feststellen, dass damit etwas entsteht, was weitaus schlechter ist, als das, was man mit beherztem Eingreifen hätte haben können.
Dann wundert man sich, warum Internetgeschäfte so boomen und den normalen Läden die Kunden wegblieben. Liebe Kritiker: es liegt nicht nur am Preis. Es liegt auch daran, dass die Läden dann zu haben, wenn ein durchschnittlicher Mensch Zeit zum Einkaufen hätte. Nach Arbeit und Arbeitsweg hat man eben keine Zeit, 19:57 noch schnell in ein Geschäft in der Innenstadt zu hetzen. Und Samstags macht erst ebenso keinen Spaß, wenn sich die Menschenmasse durch die Fußgängerzone schiebt. Dagegen kann man es sich im Internet eben anschauen und aussuchen, wenn man Zeit hat. Das ist unter Umständen eben erst 21:30, wenn die Kinder versorgt sind.
Und auch der Supermarkt wird wieder um 20:00 schließen, wenn man feststellt, dass von 20:00-24:00 durchschnittlich nur zwei Kunden im Laden sind.
Gut, nach 22 Uhr ist es eigentlich quatsch, aber wenn man oft erst um kurz vor 19 Uhr rauskommt, wäre es stressig, nach Hause zu kommen, zu essen und dann noch einzukaufen.
Ich muss zwar nicht am Sonntag einkaufen, allerdings muss man auch als Kritiker des Sonntagseinkaufes zugeben, dass im Gegensatz zu Ländern, wo die Läden täglich öffnen dürfen, die Innenstädte am Sonntag praktisch tot sind.
... das mag ja in den Markenshop-Ketten, die ihre Angestellten in Schichten einsetzen (drangsalieren) funktionieren. Für kleinere Familienunternehmen, die sich mehr recht als schlecht über Wasser halten und die noch ein bisschen Individualität in das Warenangebot bringen, ist das langfristig der endgültige Tod!!! Wie soll man als Familienunternehmen denn diese Öffnungszeiten auch nur ansatzweise abdecken. Mit externem Personal? Davon können kleine und mittelständische Betriebe bei der Wettbewerbssituation nur träumen!
Die Supermärkte mit langen Öffnungszeiten, die ich in Hamburg kennengelernt habe (in Bayern gibts ja sowas trotz FDP in der Regierung immer noch nicht!) haben garantiert außer dem Strom fürs Licht und die Kassen und zwei 400 EUR Studentenjobs an der Kasse keine weiteren Kosten gehabt. Die Waren wurden bestimmt nicht während der Nacht in die Regale nachgefüllt (und wenn: wann der Hiwi diesen Job macht ist ja für die Kosten eh egal), die Tiefkühltruhen laufen hoffentlich sowieso die ganze Zeit und einen Supermarkt mit Sicherheitspersonal hab ich auch noch nicht gesehen. Längere Öffnungszeiten könnten sogar gut dafür sein, um mehr Vollzeit- statt Teilzeitstellen zu bekommen, weil der Spitzenpersonalbedarf (z.B. Samstags) zugunsten der Nacht abgebaut und damit der Personalbedarf insgesamt geglättet wird.
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