"Natürlich kann man sagen, dass einem die Käfer, die davon sterben, wurscht sind." Aber die Sache mit dem Mais sei ja nur ein Beispiel für die Gefahren der Gentechnik generell. "Die Auswirkungen sind einfach nicht vorhersehbar." In Australien gab es kürzlich einen Fall, in dem der Verzehr von Gen-Erbsen Labormäuse plötzlich lungenkrank machte. "Da hatten Forscher jahrelang experimentiert, aber diese Folge kam dann doch überraschend", sagt Brendel. "Man wird nie jede denkbare Wirkung auf Umwelt und Tiere im Voraus testen können."

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"Das stimmt", räumt Karin Herbers ein. "Aber auch bei der konventionellen Züchtung besteht die Gefahr, dass Unerwünschtes passiert." So sei es bei Kartoffelkreuzungen vorgekommen, dass sich plötzlich der Gehalt an dem giftigen Solamin erhöht habe. Das Gen, das für die Amflora verwendet worden sei, stamme schließlich auch nur aus der Natur. "Wir haben es in den Bodenbakterien gefunden, und wir nehmen es beispielsweise zu uns, wenn wir Salat essen", sagt die Biologin. "Ständig nehmen wir Milliarden Gene zu uns, sie werden verstoffwechselt und ausgeschieden, na und?"

Plötzlich auf dem Lebensmittelmarkt

Vize-Präsident Schmidt ist überzeugt, dass die Risiken der Gentechnik keinen Deut größer sind als die der konventionellen Züchtung. "Ich möchte fast sagen: im Gegenteil." Die Zulassungsvoraussetzungen und Auflagen seien um ein Vielfaches höher, stellt er klar. Bei der Amflora-Kartoffel seien außerdem unerwünschte Auskreuzungen unwahrscheinlich. Ausnahmsweise sieht Greenpeace das genauso.

"Anders als bei Mais oder Raps ist die Gefahr, dass die Pollen von Gen-Kartoffeln auf benachbarte Felder gelangen, tatsächlich gering", bestätigt Brendel. Doch die Amflora könne ja auch erst bei der Ernte oder der Lagerung oder dem Transport mit normalen Kartoffeln vermischt werden. "Und dann landet sie auf einmal auf dem Lebensmittelmarkt."

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte bei ihrem Regierungsantritt die grüne Gentechnik ausdrücklich als eine "innovative Branche der deutschen Wirtschaft" bezeichnet. Die Ängste der Bevölkerung hielt die Physikerin für irrational. Sie wollte verhindern, dass wieder einmal in Deutschland erfolgreich geforscht, aber im Ausland das Geld verdient wird.

Auf bestem Weg den Anschluss zu verlieren

Doch womöglich passiert nun genau das. "Was bringt es uns, wenn wir hervorragende Forschungseinrichtungen haben, die Ergebnisse dann aber nicht anwenden dürfen", sagt Schmidt. "Man muss sich schon fragen, ob wir in Europa die Rahmenbedingungen haben, die nötig sind, um auf so einem Gebiet tätig zu sein. Da stellt sich für uns natürlich allmählich auch die Frage, ob wir weiter hier investieren wollen."

Brendel würde BASF keine Träne nachweinen. "Wer braucht schon pilzresistenten Mais oder Weizen?", fragt sie. "Und um tatsächlich eine an Dürre angepasste Pflanze zu entwickeln, wären so komplexe Forschungen nötig, dass Aufwand und Erfolg in keinem Verhältnis stünden." BASF hätte die Milliarde nicht in die Genforschung, sondern in nachhaltige Landwirtschaft stecken sollen. "Dann hätten wir dort längst Erfolge erzielt, die jeden Einsatz von Gentechnik überflüssig machen", sagt die Greenpeace-Expertin.

Herbers wird wütend, wenn sie das hört. Die promovierte Biologin steht in einem der Gewächshäuser, wo sich ein Blumentopf an den anderen reiht. Vorne befinden sich die Rapspflanzen, dahinter Weizen. Deutschland sei auf dem besten Weg den Anschluss zu verlieren, sagt Herbers und streicht mit der Hand über eine Rapsschote. "Glauben wir eigentlich ernsthaft, dass wir uns das leisten können, wo wir keine anderen Ressourcen haben als unser Know-how?"

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(SZ vom 17./18.5.2008/jkf)