Gentechnik Feindesland für Zauberlehrlinge

Für BASF steht viel auf dem Spiel. Seit 1998 hat die Konzerntochter BASF Plant Science eine Milliarde Euro in die Forschung und Entwicklung von Pflanzenbiotechnologie gesteckt. Neben der Kartoffel arbeiten die Gentechniker unter anderem an Ölpflanzen, die einen hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren aufweisen, oder an Weizen, der gegen Schadpilze resistent ist. "Bislang haben wir noch kein Produkt, mit dem wir Geld verdienen", sagt Ralf-Michael Schmidt, Vize-Präsident von BASF Plant Science.

Die Amflora sollte das erste sein. Auf 20 bis 30 Millionen Euro pro Jahr schätzt er die Lizenzgebühren, die sich mit der Stärkekartoffel verdienen ließen. Doch nach dem vorläufigen Nein der EU wird nun daraus zunächst nichts mehr. Warum die EU die Zulassung verweigert, weiß Schmidt nicht. "Ich vermute, dass es politische Gründe sind", sagt der 50-Jährige.

Mehr Glauben als Wissenschaft

"Good food statt Genfood", steht auf dem Transparent, das drei junge Demonstranten am Montag in Bonn vor sich hertragen. Hinter ihnen folgen mehrere überdimensionale Maiskolben, in denen weitere Protestler stecken. Traktoren fahren dicht aneinandergedrängt an den Fußgängern vorbei. "Für biologische Vielfalt - regional, fair, gentechnikfrei", steht auf einem ihrer Plakate.

Es ist ein breites internationales Bündnis von etwa 80 Agrar- und Umweltorganisationen, das sich da versammelt hat, um parallel zu der UN-Konferenz in Bonn gegen Hunger, Artensterben und Gentechnik zu demonstrieren. "Die Agro-Industrie führt die Welt in die Krise", ruft Vandana Shiva, indische Umweltschützerin und Trägerin des alternativen Nobelpreises, auf einer Kundgebung.

Vieles, was Kritiker oder Befürworter zur grünen Gentechnik sagen, hat weniger mit wissenschaftlichen Erkenntnissen zu tun als mit Glauben - und vielleicht auch mit Hoffen. Die neuen Techniken würden sich so rasant entwickeln, dass die langfristigen Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit noch gar nicht wirklich untersucht seien, schrieb der Weltagrarrat der UN Mitte April.

0,1 Prozent der Flächen in Europa

Umgekehrt seien aber auch die Vorteile noch nicht erforscht. Auch die Deutschen sind gespalten: Umfragen zeigen, dass die Mehrheit den Einsatz von gentechnisch veränderten Organismen bei der Lebensmittelproduktion ablehnt. "Vor diesem Hintergrund ist es für einen Politiker natürlich schwer, sich für Gentechnik einzusetzen", sagt Schmidt.

Andere Länder haben damit weniger Probleme. Weltweit werden mittlerweile auf 114 Millionen Hektar gentechnisch veränderte Nutzpflanzen wie Soja, Mais, Baumwolle und Raps angebaut. Weit vorn liegen die USA, gefolgt von Argentinien, Brasilien, Kanada, Indien und China.

In Europa wurden 2007 gerade einmal auf 110.000 Hektar Genpflanzen angebaut, das sind 0,1 Prozent der weltweit dafür genutzten Fläche - und es ging dabei ausschließlich um Mais. Das ist die einzige Pflanze, die bislang für den kommerziellen Anbau in Europa zugelassen ist. Doch selbst da mehren sich die Bedenken. So haben etwa Frankreich und Rumänien den Anbau gestoppt, weil es Hinweise darauf gibt, dass das in dem Mais enthaltene Insektengift auch nützliche Tiere schädigt.

Labormäuse wurden lungenkrank

In Deutschland dagegen säen Bauern in diesen Tagen munter aus. Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer hatte das - nach einer kurzen Unterbrechung - wieder erlaubt. Zum Ärger von Greenpeace-Aktivistin Ulrike Brendel. "Das Gift dieser Maissorte ist nichts, worüber man spekulieren müsste. Es lässt sich im Boden messbar nachweisen", sagt sie und kramt aus einem Ordner das entsprechende Schriftstück hervor.