Generalstreik in Indien Millionen Arbeitnehmer legen öffentliches Leben lahm

Es ist einer der größten Streiks seit der Unabhängigkeit im Jahre 1947: Millionen Inder folgen dem Aufruf zum Generalstreik. Vor allem der Bankensektor ist betroffen, Märkte und Fabriken bleiben geschlossen, auch öffentliche Verkehrsmittel fahren nicht.

Aus Protest gegen die grassierende Inflation und schlechte Arbeitsbedingungen sind Millionen Inder einem Aufruf zahlreicher Gewerkschaften zum Generalstreik gefolgt. Arbeitnehmervertreter sprachen laut der Nachrichtenagentur Ians von einem der größten Streiks seit der Unabhängigkeit Indiens von britischer Kolonialherrschaft 1947.

Elf große und zahlreiche kleinere Gewerkschaften hatten zu dem Streik aufgerufen. Der Generalsekretär des indischen Gewerkschaftskongresses, Gurudas Das Gupta, bezeichnete den Generalstreik als "historisches" Ereignis. Es sei das erste Mal in der Geschichte des Landes, dass sie alle großen Gewerkschaften zu einem gemeinsamen Protest gegen die "arbeitsfeindliche Politik der Regierung" zusammengeschlossen hätten, sagte er.

Die Regierung hatte erfolglos an die Gewerkschaften appelliert, den eintägigen Streik abzusagen. Betroffen waren im ganzen Land vor allem der Bankensektor und Teile des öffentlichen Nahverkehrs. Die meisten staatlichen Banken, aber auch viele Märkte und Fabriken blieben geschlossen.

Zwar blieben die Auswirkungen in der Hauptstadt Neu Delhi und auch in der Finanzmetropole vergleichswesie gering. Schwer betroffen waren allerdings Bundesstaaten wie West-Bengalen, Tripura oder Kerala, wo kommunistische Parteien großen Einfluss haben.

Der Nachrichtensender NDTV berichtete, allein in Kerala hätten fünf Millionen Arbeiter und Angestellte gestreikt. In Kolkata, einer traditionell sehr gewerkschaftlich geprägten Stadt, blieben auch die Taxen und Rikschas stehen. Wie die Nachrichtenagentur PTI berichtete, wurden dort rund hundert Streikende wegen Störung des Straßen- und Bahnverkehrs vorübergehend festgenommen.

Die Demonstranten forderten mit ihrem Generalstreik einen landesweiten Mindestlohn sowie unbefristetet Verträge für mehr als 50 Millionen Zeitarbeiter. Zudem forderten sie die Möglichkeiten der Arbeitgeber einzuschränken, das geltende Arbeitsrecht zu beschneiden.