Die Wrackwelle rollt. Deutsche Rostlauben überschwemmen den polnischen Markt. In Afrika drängen noch ältere Kisten die Kamele von der Straße. Die Iraker fahren alles, was noch rollt, und der Rest der Welt importiert vor allem gebrauchte Geländewagen und Luxuskarossen aus Deutschland.
Jährlich machen sich hunderttausende deutsche Gebrauchtwagen auf eine lange Reise gen Osten oder Süden. Dort werden die Autos dann weiter verkauft, auseinander genommen, repariert, oder gefahren, bis sie auseinander fallen.
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Gebrauchtwagen aus Deutschland werden vor allem in den Osten und Süden exportiert. (© Foto: sueddeutsche.de)
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Über sechs Millionen Gebrauchtwagen wechseln in Deutschland jährlich den Besitzer. Jedes zehnte Fahrzeug wird exportiert, schätzt Ferdinand Dudenhöffer vom Center for Automotive Research.
Vor allem alte Autos treten die Reise ins Ausland an. "Dort rentiert es sich oft noch, sie zu fahren, weil Steuer und Versicherung deutlich niedriger liegen, außerdem wird billig und kreativ repariert", sagt Ansgar Klein vom Bundesverband der freien Kfz-Händler.
Bärbel Baudach aus Passau hat ihren Mercedes 280er Kombi, Baujahr 1993, auch exportieren lassen. Zuerst hat sie versucht, ihn in Deutschland loszuwerden, doch kein Händler wollte ihn. Der Grund: Gebrauchtwagenhändler sind zu einem Jahr Gewährleistung verpflichtet.
"Wer kann bei einem elf Jahre alten Auto schon gewährleisten, dass im nächsten Jahr nichts kaputt geht?", fragt Bärbel Baudach. Verkaufen Händler die Autos ins Ausland, fällt die Gewährleistungspflicht weg.
Die meisten Autos verlassen Deutschland über die Grenze zu Polen. Der Anblick eines Sattelschleppers voller Rostlauben war auf den Autobahnen Richtung Osten ein vergessener Anblick, doch seit dem Beitritt des Landes zur EU im Mai dieses Jahres rollen wieder über 2000 Gebrauchte täglich über die polnische Grenze.
Billigware
Über 150.000 importierte Autos zählte das polnische Finanzministerium allein im Mai und Juni 2004. Auf nur knapp über 1000 Autos hingegen kommt das Statistische Bundesamt. Der Grund für die Differenz: Die deutschen Statistiker zählen innerhalb der EU nur Autos, die für mehr als 1000 Euro gekauft wurden. Die meisten der nach Polen verkauften Autos sind jedoch billiger, auch sind über 70 Prozent der Fahrzeuge älter als zehn Jahre.
In den vergangenen Jahren war der deutsch-polnische Autohandel fast zum Erliegen gekommen. Seit dem Jahr 2000 durften nur noch Autos eingeführt werden, die nach 1996 gebaut wurden und bestimmten Abgasvorschriften entsprachen.
Das traf jedoch nur die Importeure, in Polen durften auch die älteren Wagen gehandelt und gefahren werden. Nach EU-Standards war das ungerecht, und deswegen musste die Beschränkung zum EU-Beitritt weg. Seitdem ist der Import in neuem Schwung.
Das merken auch die deutschen Schrotthändler. Sie sind schlecht ausgelastet, und die Preise für Schrott steigen. Exportieren ist eben lukrativer als verschrotten.
Erhebliche Preisdifferenzen
Ansgar Klein vom Bundesverband der freien Kfz-Händler erklärt: "Der Preis eines 20 Jahre alten Golfs liegt hierzulande bestenfalls bei 50 bis 100 Euro, da er sich nur noch zur Verschrottung und als Ersatzteilspender eignet. In Osteuropa kann sein Wert jedoch bei 500 Euro liegen. "
Der Warschauer Regierung ist der deutsche Autoschrott ein Dorn im Auge. Darum hat sie vor, den Import durch eine Anmeldesteuer oder eine Recycling-Gebühr unattraktiv zu machen.
Auf die Preise für Gebrauchtwagen in Deutschland hat der Auto-Exodus nach Osten keinen Einfluss, behaupten Fachleute. Diese Fahrzeuge sind kaum gefragt, meint Hubert Jung, Geschäftsführer des Gebrauchtwagenmarkt-Analysten Eurotax Schwacke.
Anders sieht es auf dem polnischen Markt aus. Eurotax Polska, Schwackes polnisches Gegenstück, hat einen signifikanten Preisverfall festgestellt. Für Kraftfahrzeuge, die vor 1998 hergestellt wurden, wird circa 15 Prozent weniger gezahlt als vor dem EU-Beitritt.
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