Galadinner Vereint in Gegensätzen

Die Gäste auf der Bühne haben viel mehr gemeinsam, als gedacht. Zwischen Literatur, Theater und Leistungssport gab es noch eine Premiere beim Galadinner des diesjährigen SZ-Wirtschaftsgipfels.

Von Lea Hampel

Am Ende gibt es eine Premiere. Auf der Bühne des Adlon-Ballsaals steht, vermutlich zum ersten Mal in der jahrzehntelangen Hotel- und zehnjährigen Kongressgeschichte, eine blaue Mülltonne. Dabei war beim Dinner am Freitagabend nicht gerade Wegwerfware Thema. Es ging um Literatur, Theater und Leistungssport, um Erfolge, Niederlagen und Kehrtwendungen. Auf der Bühne saßen Sven Hannawald, Vierschanzentournee-Gewinner, Aino Laberenz, Bühnenbildnerin und Witwe von Christoph Schlingensief, und Literaturkritiker Denis Scheck. So unterschiedlich sie sind, so viel haben sie gemeinsam, zeigt das Gespräch: Sie befassen sich über das normale, unvermeidliche Maß hinaus mit der menschlichen Vergänglichkeit. Laberenz erlebte vor sechs Jahren den Tod ihres Mannes und verwaltet nun sein Erbe. Sven Hannawald betrieb lange einen Sport, den andere als lebensgefährlich betrachten. Und für Denis Scheck liegt der Wert von Literatur darin, dass sie von der eigenen Sterblichkeit ablenkt.

Noch eine Gemeinsamkeit ist an diesem Abend wichtig: Die drei Gäste bieten ungewöhnliche Perspektiven nach zwei Tagen, die von Debatten zur unternehmerischen und volkswirtschaftlichen Zukunft geprägt waren. So spricht Sven Hannawald über den Moment, als er sein Burn-out bemerkte, und wie er heute in Seminaren bei anderen Menschen Bewusstsein für die Gefahren beruflicher und privater Überforderung schaffen will. Aino Laberenz erklärt, wie hart es ist, das Erbe von jemandem weiterzuführen, der so umstritten war und Buh-Rufe so genoss wie Schlingensief.

Und Denis Scheck? Nun, der erklärt am Freitagabend mindestens die Welt. Skispringen sei "nichts anderes als eine Aufkündigung der Schwerkraft und Sterblichkeit". Die von ihm beäugte Spiegel-Bestsellerliste sei "ein Abbild des kleinsten gemeinsamen Nenners des literarischen Massengeschmacks", seine Arbeit "so eine Art Stiftung Warentest". Dass er jeden Monat so viele Bücher vor der Kamera wegwirft, sei "ein Fall von Notwehr".

Da kommt die Mülltonne wieder ins Spiel. Scheck bekommt zehn Bücher, die er bewerten soll, keines davon kommt in die Tonne. Er lobt Stuckrad-Barres "Panikherz" und findet das neueste Werk von Sahra Wagenknecht "gar nicht so schlecht". Das passt, denn Scheck ist fest überzeugt, dass Deutschlands wirtschaftlicher Erfolg auch auf der Liebe zu Büchern aus dem In- und Ausland beruht.