Firmenpatriarch Metro-Mitgründer Otto Beisheim ist tot

Er hat den größten deutschen Handelskonzern aufgebaut, dann steckte er sein enormes Vermögen in Stiftungen. Seine SS-Vergangenheit sorgte für Kontroversen. Nun ist Otto Beisheim im Alter von 89 Jahren gestorben.

Der Mitbegründer des größten deutschen Handelskonzerns Metro, Otto Beisheim, ist tot. Der 89-Jährige sei am Montagmorgen in seinem Haus in Rottach-Egern am Tegernsee tot aufgefunden worden, teilte die Agentur Brunswick als Vertreter des Familienbüros der Otto Beisheim Gruppe mit. Der Milliardär habe an einer unheilbaren Krankheit gelitten.

Beisheim hatte 1964 in Mühlheim/Ruhr den ersten Metro-Markt gegründet. Das sogenannte Cash-and-Carry-Prinzip, das er in den USA kennengelernt hatte, war damals eine echte Innovation in Deutschland. Einzelhändler bekamen die Waren nicht mehr per Rechnung geliefert, sondern konnten sie selbst abholen und sofort bezahlen.

Metro hat den Mitgründer als "Pionier und eine Legende in der deutschen und internationalen Handelsbranche" gewürdigt. "Mit seinem Konzept des Selbstbedienungsgroßhandels revolutionierte er ab Mitte der 1960er Jahre eine ganze Branche und legte damit zugleich das Fundament für die heutige Metro Group", sagte Vorstandschef Olaf Koch.

Beisheim war jahrelang geschäftsführender Gesellschafter der Metro SB Großmärkte, später Verwaltungsratspräsident der Metro Holding AG. In dieser Zeit expandierte der Konzern enorm, 2011 lag der Umsatz bei 66,7 Milliarden Euro (PDF).

Beisheim wurde am 3. Januar 1924 als Sohn eines Gutsverwalters in Vossnacken bei Essen geboren. Nach seiner kaufmännischen Ausbildung in der Lederindustrie musste er in den Kriegsdienst. Vor Jahren wurde bekannt, dass Beisheim damals der SS zugehörte. Ein millionenschwere Zuwendung Beisheims an ein Gymnasium in Tegernsee kam wegen den Kontroversen über seine Vergangenheit 2005 nicht zustande. Die private Wirtschaftsuni WHU trägt seinen Namen, weil Beisheim ihr vor zwanzig Jahren 50 Millionen Mark gespendet hat.

Beisheim hielt zuletzt noch knapp zehn Prozent der Metro-Aktien. Die Otto-Beisheim-Gruppe plane keine Verkäufe der Anteile, sagte eine Sprecherin. Sein Erbe soll in die beiden gemeinnützigen Prof.-Otto-Beisheim-Stiftungen in München und in Baar in der Schweiz übergehen. Er war Träger des Bundesverdienstkreuzes, im Jahr 2000 hatte er den Bayerischen Verdienstorden verliehen bekommen.