Gierige Banker, politische Lichtgestalten und der Gehaltsverzicht für Manager als Patentrezept: In der Finanzkrise suchen viele Akteure und Beobachter einfache Wahrheiten - aber die gibt es nicht.
Die Politik hat geliefert, jetzt sind die Banken dran. Das Rettungspaket steht, doch nun zieren sich die Banken, ob und wie sie unter den Rettungsschirm des Staates schlüpfen sollen; einzig die BayernLB wagte sich zunächst aus der Deckung.
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"Der Sozialismus rettet den Kapitalismus": Protestschild vor der New Yorker Börse (© Foto:)
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Nanu, eine von der Finanzbranche herbeigebettelte Hilfe, die nun kaum jemand annehmen will? Diese Volte kann nur den überraschen, der in der Finanzkrise an einfache Wahrheiten glaubt.
Bisher hört und liest man ja vor allem dreierlei: Erstens, die Krise sei von gierigen Bankern ausgelöst worden und sie habe die Weltwirtschaft beinahe in den Abgrund gerissen. Zweitens, die sonst so viel gescholtenen Regierenden seien über sich hinausgewachsen; schon werden Kanzlerin Merkel und Finanzminister Steinbrück zu Lichtgestalten der Politik stilisiert.
Drittens sei nun alles gut, erst recht, wenn der Staat die Banker nur ausreichend hart domestiziere (Gehaltsverzicht!). Alle diese Aussagen sind so schlicht wie ungenau. Sie bedürfen, zurückhaltend formuliert, der Ergänzung.
Niemand, wirklich niemand weiß, wie nah die Welt am Abgrund stand; allzu leichtfertig werden in der Öffentlichkeit Vermutungen zu Wahrheiten. Wenn man aber nicht weiß, wie groß die Gefahr war, lässt sich auch nicht sagen, ob das Rettungspaket greift. Es gibt hier keine mathematischen Abläufe. Kann sein, dass nun alles gut wird. Kann auch sein, dass der eigentliche Knall erst noch kommt.
Und weiter: Dass die Politik so rasch reagierte, ist weniger beeindruckend als behauptet. Den Regierenden blieb doch angesichts der Panik in den Banken und dem Dauerbeschuss der Experten kaum etwas anders übrig; der Druck war einfach übermächtig. Die Politiker mögen besser sein als ihr Ruf, aber sie sind auch wieder nicht die grandiosen Durchblicker, als die sie jetzt mitunter dargestellt werden.
Schon gerät in Vergessenheit, dass der Staat die Krise mitausgelöst hat: In den USA, wo er aus sozialen Gründen die Banken in windige Hypothekenfinanzierungen drängte. Und in Deutschland über die mangelnde Kontrolle von öffentlichen Finanzinstitutionen. Deshalb sollte man den künftigen staatlichen Einfluss auf die Banken nicht überbewerten.
Ob die bereitgestellten 500 Milliarden Euro am Ende tatsächlich fällig werden (eine Horrorvorstellung), hängt nicht an der Frage, ob der Staat Gehälter deckelt. Entscheidend wird sein, ob es für alle Banken mehr Transparenz, mehr Langfristigkeit und mehr Haftung gibt.
Auch die Bankenwelt muss aus ihren Fehlern lernen. Der Kleinmut unter den angeschlagenen Instituten ist erschreckend, sich bloß nicht als Erste unter den Rettungsschirm begeben zu wollen. Geheimniskrämerei aber darf es nun nicht mehr geben; jeder muss zu seinem Tun und Lassen stehen.
Ohnehin wird die Debatte über eigene Versäumnisse sehr defensiv geführt; wenige Banker erst wagen sich an die Öffentlichkeit. So aber wird man kein Vertrauen zurückgewinnen, weder in der Öffentlichkeit noch in den eigenen Branchenkreisen.
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(SZ vom 20.10.2008/aho)
Sehr geehrter Herr Beise,
Sie scheinen in der Tat eine andere Wahrnehmung der Dinge zu haben als die überwiegende Mehrheit der Bürger. Denn es ist in den Medien aus meiner Sicht nirgends die Rede davon, dass nunmehr nach dem Rettungspaket die größten Prebleme beseitigt sind. Mit wenigen Ausnahmen wird allerdings die Politik hoch gelobt. Man muss die Vermutung haben, dass eben diese Medien von hoher Warte zum Loben verdonnert worden sind. Anders kann ich mir diese kollektive Lobhudelei nicht erklären. Nebenbei verweise ich auf den heutigen Kommentar von Heribert Prantl in Ihrer Zeitung, der wohl in wesentlich deutlicheren Worten zumindest die Versäumnisse der Politik beschrieben hat. Ihr Kommentar, Herr Weise erinnert in fataler Weise an die Ausflüsse des Herrn Professor Sinn. Sie werden indes durch ständiges Wiederholen durch wechselnde Personen und Talk-Shows mitnichten wahrer. Es hat in der Medienzunft zum großen Teil die Journallie bis Dato nicht den Mut aufgebracht, den Werdegang und die Aufschaukelung der Krise und die Namen der Akteure bis hin zur einschlägigen Gesetzgebung zu veröffentlichen. Das sollte nun doch nachgeholt werden.
Weder die Banken, noch die Politik sind das Fundament, die Grundlage eines Staates, dies ist einzig die Realwirtschaft, und zu dieser haben sowohl die Banken, wie die Politik ein gestörtes Verhältnis.
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Es ist dann alles ähnlich so wie im Verkehrswesen: Alle kümmern sich um die Verkehrs-Vorschriften, aber die Automobilwerker müssen Däumchen drehen.
So macht man seine Gegner fertig: Man unterstellt ihnen irgendwelche Aussagen, die sie zwar nie gemacht haben, aber wer wird schon so kleinlich sein, und beweist dann mit großer Geste, wie falsch sie liegen. Logik ist da Nebensache.
Die Banken sind zwar in Panik, aber deswegen steht die Finanzwelt doch nicht am Abgrund.
Die Regierung handelte nur wegen des Dauerbeschusses durch Banken und Experten. Aber trotzdem, ob es gut war, weiss man noch nicht. Herr Beise hatte sicher eine bessere patente Idee, die verrät er uns aber nicht, Patentschutz, vermutlich.
Und die US-Regierung ist ausserdem Schuld, die hat die Banken zu ihrem hirnlosen Verhalten gezwungen. Vermutlich auch zur Auszahlung von Boni, die mehr als die Hälfte des Gewinns ausmachten (und die weitergezahlt werden wenn Verluste entstehen). Dabei dachte ich immer, dass der geringe Einfluss des Staates in den USA die Grundlage für den "Erfolg" des dortigen Systems wäre, war das vor der Krise nicht Ihre Meinung, Herr Beise.
Manchmal denke ich: tiefer gehts nicht mehr. Aber die Wirtschaftsredaktion der SZ zeigt mir, dass meine Prognosefähigkeiten schlecht sind.
"Bisher hört und liest man ja vor allem dreierlei:" ...
"Erstens, dass die Politik so rasch reagierte, ist weniger beeindruckend als behauptet."
"Zweitens, entscheidend wird sein, ob es für alle Banken mehr Transparenz, mehr Langfristigkeit und mehr Haftung gibt."
"Drittens Geheimniskrämerei darf es nun nicht mehr geben; jeder muss zu seinem Tun und Lassen stehen."
"So(nst) wird man kein Vertrauen zurückgewinnen" ...
..versagen der Deutschen Politik.Das ist inoffiziell eine Offenbarung!!!!
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