Finanz-Start-ups Die große Wette

Wer Geld hat, steckt es in deutsche Fintechs - kann das gut gehen? Ob die Investments jemals Rendite abwerfen, ist völlig unklar.

Von Heinz-Roger Dohms

Unter den vielen Finanz-Startups, die es mittlerweile in Deutschland gibt, ist der 2007 gegründete Düsseldorfer Kreditvermittler Auxmoney fast schon ein Urgestein. Auf seinen bislang größten Erfolg hat das Fintech allerdings ein Weilchen warten müssen - genauer: Bis Mitte Januar dieses Jahres. Da teilte der niederländische Versicherer Aegon nicht nur mit, 15 Millionen Euro in Auxmoney zu investieren, sondern in den nächsten drei Jahren 1,5 Milliarden Euro über die Kreditplattform verleihen zu wollen. Raffael Johnen, der Gründer der im Jahr 2007 gegründeten Firma, war entsprechend obenauf: "Dieses Investment ist ein starkes Signal für die gesamte Fintech-Branche in Europa und darüber hinaus."

Auf den ersten Blick mag verwundern, dass ein niederländischer Konzern solche Summen in ein deutsches Start-up steckt - zumal Auxmoney wie viele andere Fintechs bislang Verluste schreibt. Tatsächlich sind solche Deals in diesen Wochen aber fast schon an der Tagesordnung.

Denn nachdem die Euphorie um die deutsche Fintech-Szene zwischenzeitlich abgeflaut war, scheint sie mittlerweile keine Grenzen mehr zu kennen. Insgesamt 39 Finanzierungen hat die Beratungsfirma Barkow von Januar bis März dieses Jahres gezählt. Wenn man davon ausgeht, dass in der Regel noch ein paar Investments nachgemeldet werden, läuft alles auf ein Rekordquartal hinaus - die bisherige Bestmarke liegt bei 40.

Dass auf absehbare Zeit keine Gewinne erzielt werden, scheint niemanden zu stören

Die höchsten Finanzierungen strichen der Tagesgeldvermittler Weltsparen mit 30 Millionen Euro und die Solarisbank mit 26 Millionen Euro ein. Auch acht weitere Fintechs erhielten "Fundings" in jeweils zweistelliger Millionenhöhe - was umso bemerkenswerter ist, als sich die Pendants in Großbritannien oder den USA zuletzt deutlich schwerer taten, an frisches Kapital zu kommen. Insgesamt sind damit seit 2012 nun schon 1,7 Milliarden Euro in deutsche Finanz-Startups geflossen.

Von einer Blase wollen Branchenexperten wie Oliver Keine vom Fintech-Spezialisten Crossbuilders trotzdem nicht sprechen. "Dafür steckt in vielen Fintech-Entwicklungen einfach zu viel Substanz."

Dass viele Startups auf absehbare keine Gewinne erwirtschaften dürften, scheint dabei niemanden zu stören. Es geht um eine große Wette: Auch wenn viele Firmen scheitern werden, einige könnten durchkommen und den etablierten Banken, Fondsgesellschaften und Versicherern eines Tages den Rang ablaufen. Und dann ist Zahltag. Ob die Wette jemals aufgehen wird? Unklar. Denn die traditionellen Anbieter aus der Finanzindustrie geben sich den jungen Angreifern natürlich nicht kampflos geschlagen. Zudem drängen Internetgiganten wie Google, Apple oder Facebook in den Markt.

Eines ist bemerkenswert: Handelte es sich bei den Investoren bis vor ein, zwei Jahren vornehmlich um spezialisierte Risikokapitalgeber, ist der Kreis der Fintech-Finanziers mittlerweile kunterbunt. So beteiligte sich bei Solaris - neben einem japanischen Großinvestor und der Bertelsmann-Tochter Arvato - nach SZ-Informationen auch die italienische Bank Unicredit. Bei einem weiteren Fintech namens Finleap wiederum befand sich Susanne Porsche unter den Investoren. Und bei Auxmoney beteiligte sich neben Aegon auch verschiedene Privatinvestoren wie der frühere Deutschbanker Axel Wieandt.