Einnahmen von Medizinern Ärztehonorare steigen deutlich

Die deutschen Ärzte konnten ihre Einnahmen zwischen 2007 und 2011 erheblich steigern. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes profitieren fast alle Ärztegruppen davon. Die neuen Zahlen dürften gerade jetzt heftige Diskussionen nach sich ziehen.

Von Guido Bohsem, Berlin

Als die Kassenärztliche Bundesvereinigung zuletzt ihre Mitglieder befragte, stieß sie auf eine verblüffende Erkenntnis. Obwohl die Ärzte-Funktionäre keine Gelegenheit auslassen, über die schlechte Bezahlung zu jammern, zeigte sich die Mehrheit der Mediziner durchaus zufrieden. 56 Prozent der Ärzte gaben bei der Befragung der KBV an, sie fühlten sich ausreichend und gut bezahlt. Dass eher die Mediziner und weniger ihre Funktionäre richtig liegen, deckt sich mit der jüngsten Erhebung des Statistischen Bundesamtes. Demnach sind die Arzthonorare seit der letzten Umfrage kräftig gestiegen.

"Die Einnahmen der Arztpraxen waren im Jahr 2011 mit 483.000 Euro je Praxis um 21 Prozent höher als im Jahr 2007", heißt es in der Statistik. In gleicher Höhe stieg zudem der Reinertrag, pro Praxis 234.000 Euro. Für den einzelnen Praxisinhaber wuchs der Reinertrag ebenfalls, um 17 Prozent auf insgesamt 166.000 Euro.

Nun enthält die alle vier Jahre erhobene Statistik allerlei Fallstricke. So kann man zum Beispiel den Reinertrag des Praxisinhabers nicht eins zu eins mit dem Bruttolohn eines Arbeitnehmers gleichsetzen. Lediglich eine vorsichtige Annäherung ist möglich. Der Reinertrag ergibt sich, wenn man von den Einnahmen die Kosten der Praxis und die Gehälter für Personal abzieht. Aus der verbliebenen Summe muss der Mediziner aber noch die Ablöse finanzieren, die er seinem Vorgänger für die Praxis gezahlt hat.

Arzt ist nicht gleich Arzt

Und wie es beim Bruttoeinkommen auch der Fall ist, sind auf den Reinertrag Steuern fällig. Zudem fallen Kosten für den Schutz vor Unfällen und Invalidität an. Auch die Altersvorsorge sowie Kranken- und Pflegeversicherung muss bezahlt werden. Hat der Arzt Familie, sind vor allem letztere Kosten höher als beim Angestellten, der seine Familie meist mitversichern kann.

Überhaupt ist Arzt nicht gleich Arzt. Laut Bundesamt profitierten zwar so gut wie alle Ärztegruppen vom Anstieg der Honorare, aber zwischen den Fachrichtungen herrschen Unterschiede. So konnten die Allgemeinmediziner ihren jährlichen Reinertrag um 30.000 Euro auf 181.000 Euro steigern. Orthopäden verdienten 2011 im Durchschnitt einen Reinertrag von 293.000 Euro, vier Jahre zuvor waren es noch 17.000 Euro weniger. Deutlich besser wurden Augenärzte honoriert, deren Reinertrag 2011 um 78.000 Euro höher lag als 2007. Ob die Einkommen und Reinerträge auch in den vergangenen beiden Jahren so deutlich gestiegen sind, ist unklar. Zahlen der KBV deuteten zuletzt auf eine eher geringere Zunahme hin.

Da es sich bei den Angaben um Durchschnittswerte handelt, kann es durchaus Ärzte geben, die deutlich mehr oder deutlich weniger verdienen. Das hängt unter anderem davon ab, wo sie praktizieren. So finden sich in der Statistik die Einnahmen aus gesetzlichen sowie privaten Kassen. Letztere sind in der Stadt, wo mehr Privatpatienten leben, in der Regel höher als auf dem Land. Die Statistiken und auch der Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung dürften noch heftige Diskussionen entfachen. Denn erst am Mittwoch haben die Verhandlungen zwischen KBV und Krankenkassen über die Honorare des kommenden Jahres begonnen. Am nächsten Montag soll es weitergehen. Und dann dürften die Kassen neue Argumente bereithalten.