E-Auto-Versicherung Weniger Unfälle, höhere Werkstattkosten

Ein Elektroauto an einer Ladestation – bisher gibt es in Deutschland nur wenige Autos mit E-Antrieb.

(Foto: Jan Woitas/dpa)

Autos mit E-Antrieb beschäftigen auch die Kfz-Versicherer. Was Allianz, HUK-Coburg und Co. erwarten.

Von Anna Gentrup, Köln

An Ladestationen für Elektroautos backt Mathias Dalheimer gerne Waffeln. Ein von ihm entwickeltes Gerät gaukelt der Ladevorrichtung vor, ein E-Fahrzeug sei angeschlossen - dabei hat der Wirtschaftsingenieur nur ein Waffeleisen angedockt. Wenige Minuten später duftet es nach knusprigen Teigwaren. Die kreative Nutzung passt zur Lage: Immer mehr Ladestationen werden aufgestellt, doch bislang gibt es kaum Elektrofahrzeuge, die geladen werden müssten. Da ist oft ein Anschluss frei. Das Misstrauen der Autofahrer ist groß: Lohnt sich die Anschaffung eine Elektroautos? Wie lange hält der Akku? Sind Reparaturen teurer als beim Diesel oder Benziner?

Die Versicherer haben dagegen kaum Probleme mit den neuen Wagen. Das Risiko lasse sich über die vorhandenen Typklassen abbilden, sagt Joachim Müller, Chef der Allianz Versicherungs-AG und Vorstandsmitglied der Allianz Deutschland. "Das macht die Versicherung nicht teurer als die von konventionell betriebenen Fahrzeugen." Versicherer stufen Autos entsprechend dem Schadenrisiko ein, das beeinflusst die Versicherungsprämie.

Aktuell kalkulieren sie mit sinkenden Unfallzahlen. "Es zeichnet sich ab, dass es bei Elektrofahrzeugen etwas seltener zu Schäden kommt", sagt Jürgen Redlich, Leiter Kfz-Technik beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Bislang sind Fahrer eher gemächlich unterwegs - aus Sorge, der Akku könnte schlapp machen - darum passiert weniger. Das könnte sich ändern, wenn die Fahrzeuge weitere Strecken zurücklegen können.

Auch die Allianz rechnet mit weniger Schäden. E-Fahrzeuge würden um ein Viertel seltener in Unfälle verwickelt. Allerdings kostet die Reparatur satte 25 Prozent mehr als bei Wagen mit Verbrennungsmotor. Das liegt laut Allianz einerseits daran, dass nur spezialisierte Werkstätten die Wagen instand setzen können, dorthin müssen defekte Autos transportiert werden.

Eine Batterie kostet etwa 10 000 Euro. Wird sie beschädigt, ist das Auto ein Totalschaden

Andererseits ist es problematisch, dass Autohersteller teure Technik an Stellen im Fahrzeug verbauen, die bei Unfällen zu Schaden kommen. Die Ladesteckdose ist vorne am Auto schlecht platziert, sagt Allianz-Vorstand Müller. "Was auf den ersten Blick praktisch erscheint, ist in der Reparatur teuer bei Auffahr- oder Anstoßunfällen." Auch die Batterie müsse so verbaut sein, dass sie nicht schon bei kleineren Unfällen aufwendig ausgetauscht werden muss.

Die Allianz gewährt Neukunden mit Elektro- oder Hybridfahrzeugen ab Oktober 20 Prozent Prämienrabatt, bislang sind es zehn Prozent. Auch die HUK-Coburg gibt einen Nachlass. "Ökologisches Fahren soll belohnt werden", sagt Daniel John, Chefmathematiker in Coburg. "Wir gewähren Elektrofahrzeugen bis zu 15 Prozent Rabatt, denn ökologisch orientierte Fahrer sind tatsächlich auch vorsichtiger unterwegs." Die Coburger versichern aktuell etwa 3500 reine Elektrofahrzeuge, Hybrid-Modelle nicht eingerechnet.

Schwierigkeiten bereitet den Versicherern das Herzstück der strombetriebenen Autos: die Batterie. Eine Lithium-Ionen-Batterie, mit der ein Mittelklassefahrzeug 300 Kilometer fahren kann, kostet laut Allianz rund 10 000 Euro. Zudem bringen die Stromspeicher einige Hundert Kilogramm auf die Waage, es können 30 Prozent des Fahrzeuggewichts sein. "Die Batterie im Elektroauto ist auch für uns noch Neuland", sagt Allianz-Vorstand Müller. Bei Schäden ist der Batterie-Zustand oft entscheidend. "Ist die Batterie bei einem Unfall betroffen, wird es teuer" sagt GDV-Autoexperte Redlich. "Dann hat das Fahrzeug üblicherweise einen Totalschaden." Die Versicherer tun sich schwer, den Zustand der Speichereinheit zu beurteilen. "Wir müssen wissen, welchen Restwert die Batterie nach einem Unfall hat", sagt er. "Dazu benötigen wir die Daten der Autohersteller." Das sieht auch die Allianz so. "Es muss möglich sein, anhand von Fahrzeug- und Nutzungsdaten den Status quo der Batterie zu bestimmen", sagte Allianz-Mann Müller.

Noch fristen Fahrzeuge mit Elektroantrieb ein Nischendasein. Nach Zahlen des GDV waren Ende 2016 in Deutschland knapp 20 000 Elektrofahrzeuge versichert - ein Bruchteil der insgesamt 63 Millionen Fahrzeuge. E-Autos sind teuer in der Anschaffung, vielen Autofahrern ist die Kilometerreichweite zu gering, die sie zwischen zwei Ladevorgängen zurücklegen können. Zudem verfügt längst nicht jede Tankstelle über eine Lademöglichkeit, und das Aufladen dauert selbst an Schnell-Ladestationen zwischen 20 Minuten und einer Stunde - an einer Haushaltssteckdose sind es mehr als zehn Stunden. Doch die Technik wird besser. Auf lange Sicht führt kein Weg am Elektroantrieb vorbei. Die Versicherer müssen sich mit E-Fahrzeugen beschäftigen.