Seit sich der Elektronikhersteller Samsung einen Markenduft zugelegt hat, erwägen auch Autohersteller den Einsatz von Duftmarketing. Unternehmen versprechen sich vom ältesten und unerforschtesten unserer Sinne einen direkten Draht ins Unterbewusstsein des Konsumenten.
Duftmarketing ist im Kommen: Viele Unternehmen denken über Corporate-Identity-Düfte nach. Nach Logos fürs Auge und Jingles fürs Ohr soll der Wiedererkennungswert von Marken nun durch spezielle Wohlgerüche erhöht werden.
Bild vergrößern
Eine Testperson bewertet Gerüche im Labor. (© Foto: dpa)
Anzeige
Einer der ersten Konzerne, die das neue Marketinginstrument in großem Stil nutzen, ist Samsung. Der Elektronikhersteller stattete unlängst seine Flagship Stores mit einem sogenannten corporate scent - zu deutsch: einem Markenduft aus -, der über die Klimaanlage versprüht wird.
Der Duft sei mancherorts schon im regulären Handel zu riechen - und enthalte Referenzen zu weltweit genutzten Herrendüften, sagt Robert Müller-Grünow, Geschäftsführer der Kölner Firma Scentcommunication, der an der Entwicklung des Samsung-Dufts beteiligt war. Später wolle Samsung seinen Markenduft auch auf Verpackungen und Displays aufbringen.
Auch bei Ausstellungen, Premieren und Präsentationen wird mittlerweile oft nicht nur beleuchtet und beschallt, sondern auch beduftet: "Aktuell haben wir die BMW-Halle auf der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt komplett beduftet, mit einem wunderbaren Duft, der nach sauberer Luft riecht" sagt Müller-Grünow. Er betreibt das Duftgeschäft schon seit zehn Jahren und beschäftigt inzwischen zwölf Mitarbeiter.
Das Geschäft mit Düften wird immer selbstverständlicher: Nicht nur für Lebensmittel und Kosmetika werden Düfte entworfen, sondern auch für beliebige Marken und Produkte.
"Unser Auto riecht nicht genug nach Leder"
Anja Stöhr, Professorin für strategisches Marketing an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden, berät Firmen, die sich durch Düfte marketingstrategisch positionieren möchten.
Stöhr, die im Jahr 1996 ihre Dissertation zum Thema "Air-Design als Erfolgsfaktor im Handel" abgeschlossen hat, beobachtet, dass sich neben Kunden wie dem Bäckereienverband Bäko auch Buchhandlungen und Sportgeschäfte über die Möglichkeiten des Duftmarketings informieren - "eigentlich Bereiche, wo man nicht primär Düfte vermutet", sagt Stöhr.
Die meisten ihrer Kunden sind nicht so mutig wie Samsung: "Im Bereich Duftmarketing wollen meine Kunden erst einmal die Wirkung testen", sagt Stöhr. Wenige ihrer Klienten setzten Duftmarketing-Konzepte wirklich auf Dauer um.
Auch Autokonzerne liebäugeln offenbar mit der Idee eines Markenduftes. "Fast alle Autohersteller denken darüber nach, dass man Düfte gestalten sollte", sagt Robert Müller-Grünow von Scentcommunication.
"Es fing in den achtziger, neunziger Jahren damit an, dass Mercedes-Benz ein ganzes Team von Leuten beschäftigte, um den Duft aus den Materialien herauszubekommen, vor allem aus Kunststoffen. Ein anderer Luxushersteller kam auf uns zu und sagte: Unser Auto riecht nicht genug nach Leder", blickt Müller-Grünow zurück.
Laut Professor Hanns Hatt, Biologe an der Ruhr-Uni Bochum, ist das Auto ein idealer Ort für den Einsatz von Geruchsstoffen: Denn hier kann die Dosierung eines Duftes genau gesteuert werden.
Nicht nur wegen des Branding-Effekts ist der Einsatz von Düften in Autos interessant: Auch ein entspannteres Autofahren ist möglich. In Flugzeugen werden schon seit Jahren Düfte wie Minze oder Zitrus-Orange eingesetzt, um Ängste abzubauen. Besonders verkehrsberuhigende Wirkung hat laut Hatt der Duft eines Neuwagens.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
DFB-Elf vor der Europameisterschaft
Da müssen wir der Chemieindustrie ja wirklich dankbar sein für einen "wunderbaren Duft, der nach sauberer Luft riecht".
Donnerwetter. Was für ein Fortschritt. Das hat es ja seit Jahrmillionen nicht mehr, äh, also, gibt es seit Einführung der Industrie immer seltener ...
Für mich macht das künftig die Kaufentscheidung einfacher. Wer mich mit Industriegestank manipulieren will, bekommt die rote Nase gezeigt. Waschmittel kauf ich auch schon nur nach dem Kriterium, dass keine Parfümstoffe drin sind. Diese Gestank, den angeblich frisch gewaschene Wäsche aussendet, habe ich jahrzehntelang mit gerümpfter und teils niesender Nase ertragen.
Wenn ich Duft an der Wäsche will, kann ich selbst einen Tropfen naturreines Aromaöl ins Spülwasser geben.
Wirtschaftsmanager mit einem Rest an ethischer Bewusstsein und moralischer Verantwortung halten sich von solchen Maßnahmen fern. Wer das nicht tut, hat sich von selbst klassifiziert.
Leider sind die Verbraucher, die heutzutage schon mit aromatisiertem Convenience-Food aufwachsen, kaum noch in der Lage, den Unterschied zwischen echt und gefälscht wahrzunehmen. Ich schätze, das ist ein weiteres Argument dafür, mir meinen Altersruhesitz an der schottischen Atlantikküste zu suchen und in frisch meeresumtoster Schafsdungbrise ausschließlich Kleinstdestillerie-Single Malt zu mir zu nehmen ...
Genau...
und schon der Rauch einer Zigarette macht viele Bemühungen der Beduftungsbranche unwirksam...
Die Beeinflussung würde nicht mehr funktionieren.
wer hat also wirklich Interesse an einem weit verbreitetem Rauchverbot?
;-)
Was sich an dieser neuen Erfindung der Werbebranche zeigt ist dass die Konsumwelt die Menschen immer mehr einschließt. Rationale Entscheidungen sind ja bald schon nicht mehr möglich, wenn man etwas kaufen möchte. Sehen, Hören, Fühlen und jetzt auch riechen, über alle Sinne wird inzwischen das Unterbewusstsein des Kunden manipuliert. Ungesunde Stoffe sind wohl nichtmal das Problem. Daran das der Kunde krankwird hat niemand interesse. Wohl eher werden psychoaktive Stoffe eingesetzt, aber man muss ja nicht gleich den tefel an die Wand malen.
Trotzdem, vielleicht sollte man in Zukunft wirklich besser Homeshopping betreiben, da bleibt inem zumindest ein eil der Beeinflussung erspart.
Hat eigentlich jemand diese vielen Düfte auf Gesundheitsgefährdung überprüft?
Überall wird beduftet, aber wer sagt mir, daß in diesen Düften nicht Stoffe enthalten sind, die ungesund sind?
Und da diese Düfte auch nicht sofort als Düfte wahrzunehmen sind (riecht nach sauberer Luft) kann ich dem ganzen Zauber nichtmal aus dem Weg gehen, wenn ich nicht beduftet werden will.
Wo bleibt mein Persönlichkeitsrecht?
;-)
Ob sich die Hersteller ihern Duft patentieren lassen? Wenn BMW auf einen "wunderbaren Duft, der nach sauberer Luft riecht setzt, darf VW natürlich nicht das gleiche tun.
Und was mach ich mit meinem Garten? Wenn es da ebenfalls nach sauberer Luft riecht, werde ich dann abgemahnt und muss ein paar alte Autoreifen verbrennen? Fragen über Fragen...