Discounter in der Kritik Wer auf Aldi zeigt...

Aldi am Pranger und die Bevölkerung ist entrüstet - doch dass bei den Preisen des Discounters irgendetwas nicht stimmen kann, konnte sich im Grunde jeder schon immer denken.

Ein Kommentar von Detlef Esslinger

Nichts liegt näher, als sich nun über Aldi zu empören. Die Einkäufer des Discounters bestellen in China Digitalkameras, Computer, Rührbesen, Kosmetika oder Topflappen, und man tritt ihnen vermutlich nicht zu nahe mit der Behauptung: Unter welchen Bedingungen all diese Sachen hergestellt werden, ist ihnen egal. Hauptsache, die Hersteller liefern zum vorgegebenen Preis, Hauptsache, ihre Sachen funktionieren.

Der Wettbewerb im Discounthandel wird immer härter, und die Chinaware ist für Aldi nicht nur ein Umsatzbringer, sondern auch von strategischer Bedeutung: Sie bleibt immer nur für ein paar Tage im Sortiment, damit die Leute stets aufs neue Anlass haben, zu kommen und zu schauen. Und wer erst mal da ist, der kauft auch Eier und Spaghetti.

Die Untersuchung eines kirchennahen Instituts, die am Dienstag veröffentlicht wurde, dokumentiert die Verhältnisse in den Fabriken. Mindestlöhne? Sie sind in China erstens so niedrig, dass sie kaum zum Leben reichen, zweitens werden sie auch nur von den wenigsten Betrieben gezahlt. Arbeiter, die Fehler machen, müssen mit Geldstrafen rechnen, und es gibt Textilfabriken, in denen die Beschäftigten allenfalls ein, zwei Tage im Monat frei haben.

Wer dies alles empörend findet, mag sich nun über Aldi aufregen - aber eines nicht vergessen: Wer mit dem Finger auf andere zeigt, zeigt immer auch mit drei Fingern auf sich. Ein Computer, der bloß 499 Euro kostet? Winterstiefel für 19,99 Euro? Lattenrost für 39,99 Euro? Dass an diesen Preisen irgend etwas nicht stimmen kann, konnte sich im Grunde jeder schon immer denken.

Und wer es jetzt nicht weiß, der will nicht wissen, sondern haben.