Unternehmen wie die Bahn bürden ihren Kunden immer mehr von dem auf, was sie früher selbst übernommen haben - und verprellen sie so. Schlimmer ist: Eine Spaltung der Gesellschaft droht.
Die Verbraucher haben in den vergangenen Jahren einiges gelernt. Sie können nun ihr Bankkonto selbst verwalten, ohne Hilfe Flüge buchen, ihre Urlaubsfotos ausdrucken, und Geübte schaffen es sogar, sich ihren Telefonanschluss alleine zu installieren. Vor allem gelernt haben sie dabei aber auch eins: Kommt man nicht gerade als Großkunde mit extra Kleingeld daher, ist man den Firmen, die diese Leistungen früher selbst übernommen haben, meist herzlich egal.
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Wer einen Fahrschein am Schalter kauft, muss bezahlen. Beim Kauf am Automaten spart man sich das Aufgeld. (© Foto: AP)
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Die Deutsche Bahn hat ihren Kunden diese Lektion gerade aufs Neue erteilt. Wer künftig einen Fahrschein am Schalter kaufen möchte, muss eine Servicegebühr bezahlen. Wer im Internet oder am Automaten selbst auf die Suche geht, kann sich das Aufgeld sparen. Dienstleistung wird zum kostenpflichtigen Zusatzangebot. Viele Firmen prahlen mit ihrem Service und bieten in Wahrheit immer weniger davon.
Intelligentes Geschäftsmodell
Nun hat der Verkehrskonzern diese Art der Einnahmeförderung nicht erfunden: Fluggesellschaften kassieren Zuschläge für Kerosin und Koffer, Banken lassen sich Kontoauszüge vergüten, und an der Telefon-Hotline wird pro Minute abgerechnet, während der Techniker das Computerproblem fernmündlich in den Griff zu bekommen versucht.
So etwas gilt als intelligentes Geschäftsmodell: Es verschleiert den wirklichen Preis einer Leistung. Und die Firmen können jede Arbeitsstunde, die der Kunde selbst in Gebrauchsanleitungen wühlt oder im Internet surft, von ihren eigenen Personalkosten abziehen.
Auf längere Sicht schaden sich die Unternehmen damit jedoch selbst. Denn sie verprellen das Wichtigste, was sie haben: ihre Kunden. Wenn alle den gleichen Hotline-Service bieten, machen sie sich austauschbar. Loyalität schwindet, der Käufer geht dahin, wo der Preis am niedrigsten ist. Dabei weiß jeder Marketing-Fachmann: Einen Kunden zu halten kostet den Bruchteil dessen, was investiert werden muss, um einen neuen zu gewinnen.
Was aber viel schlimmer ist: Solche Praktiken tragen zur Spaltung unserer Gesellschaft bei. Jene Menschen, die gut ausgebildet sind, sich im Internet zurechtfinden oder genug verdienen, um sich bei Bedarf Hilfe zu holen, fügen sich meist - wenn auch murrend - in ihr Schicksal.
Sie klicken sich online durch Hotelangebote, bellen "Ja" in den Telefonhörer, wenn eine elektronische Stimme ihnen verschiedene Funktionen erläutert, oder drücken tapfer "weiter", damit der Automat den Fahrschein ausspuckt. Immerhin haben sie auch deutliche Vorteile: Sie sparen sich das Warten am Bank- oder Fahrkartenschalter, können rund um die Uhr einkaufen, sich Sonderangebote sichern oder nach Feriendomizilen suchen.
Die, die am wenigsten haben, müssen am meisten zahlen
Jene Menschen aber, die sich nicht mit moderner Technik anfreunden, weil sie sie nicht bezahlen können oder schlicht nicht verstehen, werden abgehängt. Das sind vor allem Arme und Ältere. Die, die am wenigsten Geld zur Verfügung haben, müssen dann unter Umständen am meisten zahlen.
Das ist besonders schlimm, wenn der Kunde keine Auswahl hat, auf eine Dienstleistung aber angewiesen ist. Die alte Dame, die einmal in der Woche mit der Zehn-Euro-Fahrkarte ihren Enkel besucht, wird kaum ausweichen können. Sie wird den Umgang mit dem Automaten lernen oder die 2,50 Euro Aufschlag zahlen müssen.
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Meiner Meinung nach müsste der Bedienzuschlag nicht 2,50 Euro, sondern mindestens 25 Euro hoch sein. Wie soll die Bahn sonst kostendeckend arbeiten? Ein Schalterbeamter, der im Durchschnitt eine halbe Stunde (nach meinen eigenen Erfahrungen auch mal mit einer zusätzlichen Viertel-Überstunde versehen) mit der Ausarbeitung einer Zugfahrt und dem Ausstellen einer Bahnfahrkarte (bzw. Bahnfahrtpapierstapel) beschäftigt ist, muss doch schliesslich für seine Arbeitszeit entsprechend entlohnt werden, oder?
"Bedienzuschlag" ist eine sinnentstellende Verkürzung. "Selbstbedienzuschlag" ist der richtige Ausdruck, den sich nur ein Monopolist ohne Wettbewerber leisten kann.
Als Geschäftsmodell für andere Branchen nur zu empfehlen: z.B. im Kaufhaus, wenn ich an der Kasse bezahlen will, statt bargeldlos am Automaten, wenn mich ein Verkäufer beraten soll, erstmal 10,- Beratungsgebühr, der Mann hat ja schließlich seine Zeit nicht gestohlen.
Eine extra-gebühr kann ich auch nur für einen extra-service verlangen! Alle wollen mehr dienstleistung, sie muss natürlich aber auch bezahlt werden. Solange die bahn ihre anderen vertriebswege nicht im griff hat, empfinde auch ich diese gebühr als abzocke!
Vertriebsweg fahrkartenautomat: Leider funktionieren die dinger nicht immer oder sind auch auf grossen bahnhöfen nur in unzureichender zahl vorhanden. Mehr als ein mal wurde meine bahncard schon nicht akzeptiert. Um sich die comfort/bonus-punkte hinterher gut schreiben zu lassen, muss man viel aufwand betreiben und bekommt diese dann auch nur aus kulanz!
Vertriebsweg internet: Um diesen weg nutzen zu können, muss man sich schon zu hause befinden, also nichts für unterwegs. Die Tickets nach hause schicken lassen, kostet auch eine gebühr. Ticket selber drucken geht, man muss jedoch von zu hause starten und stellt auch noch die komplette hardware (rechner, internetanschluss, drucker + tinte) selber zur verfügung. Wäre hier nicht die weitergabe der kostenersparnis angesagt?
Vertriebsweg "im zug": Teuer, weil auch mit zusatzkosten verbunden und nur mit geeigneter zahlungsmöglichkeit machbar.
Vertriebsweg handy: Gut, weil von (fast) überall machbar. Es kommen jedoch kosten für wap-nutzung dazu! Ausserdem können keine comfort/bonus-punkte gesammelt werden!
Vertriebsweg schalter/reisecenter: Bislang kostenlos, jedoch oft mit mangelnder kompetenz, lust und freundlichkeit der mitarbeiter verbunden. Hinzu kommen (sehr) lange wartezeiten! Zukünfitig wohl nur noch gegen gebühr...
Abgesehen von den steigenden ticketpreisen ansich, steigen die beschaffungskosten stetig bei gleichzeitig sinkendem service! Solange keine zuverlässigen und kostengünstigeren vertriebswege funktionieren, solange ist dies keine gebühr für eine serviceleistung, sondern abzocke!
Wieder mal die SZ...erst 3 Absaetze lang Geschwurbel und ein Rundumschlag ("Viele Firmen prahlen mit ihrem Service und bieten in Wahrheit immer weniger davon.") und dann gehts los:
Die Bahn will eine Servicezuschlag von 2.50 Euro einfuehren - und eine Spaltung der Gesellschaft droht!
Ich wusste gar nicht dass diese kleinen Zuschlaege so gefaehrlich sein koennen...das haben sich die Bahnmanager bestimmt nicht genau ueberlegt - oder sie wussten es halt auch nicht. Vielleicht ist es auch ein Teil der finsteren neoliberalen Verschwoerung im Lande - Spaltung der Gesellschaft und divide et impera. Banken, Telekomprovider, Versicherungen und Computerhersteller machen laut A. Borchardt schliesslich auch mit.
Und die arme alte Dame die einmal in der Woche den Enkel besucht, die steht vor dem Automaten und weiss nicht weiter. Anscheinend koennen ihr die Eltern des Enkels nicht erklaeren welche Knoepfe sie fuer ja immer gleiche Strecke druecken muss...da ist es besser die Allgemeinheit zahlt die Servicegebuehr fuer live-Beratung mit ihren Fahrkarten mit. Ist auch sozialer...
Frueher war alles besser - die Fahrkarte bekam man, wenn man in der Schlange dran war, am Schalter, zur Bank ging man zwischen 9:00 und 12:00 und dann wieder von 14:00 bis 17:00 Uhr, die Post gehoerte dem Staat und versorgte einen auch mit Telefon, und alle, alle waren zufrieden.
Wie Zitronen bedarf es die Bahnkunden in allen Extremen auszuquetschen. Nicht nur die permanenten, in immer kürzeren Zeitabständen hinzunehmenden Preiserhöhungen, die absolut in keiner Relation stehen, auch die phantasie-entsprungenen SERVICEGEBÜHREN, die nicht nur nach ABZOCKE riechen, sondern der Bahn UNBERECHTIGTERWEISE hohe Zusatzeinnahmen sichern, zeigen einen BITTEREN GESCHMACK!
Doch wie bitter muss die Pille sein, dass dieser Abzocke Einhalt geboten wird?
Die Vorstellung, dass nur ein Tag jeder Bahnkunde "vergisst", ein Ticket zu ziehen...... welch eine Resonanz....??????
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