Von Karl-Heinz Büschemann

Die braune Vergangenheit holt die Industriellen-Familie Quandt ein: Neue Zeugenaussagen zeigen, wie sehr die Dynastie von Zwangsarbeitern profitiert hat.

Was der alten Mann mit brüchiger Stimme erzählt, ist bedrückend. "Es war viel schlimmer als Sklavenarbeit". Takis Mylopoulos spricht über seine Erlebnisse als Zwangsarbeiter in der Batteriefabrik Afa des Großindustriellen Günther Quandt in Hannover. "Man peitschte uns auch aus", berichtet der Zeitzeuge. "Man gab uns kein Wasser, wir mussten aus den Toiletten trinken." Eine einstündige Dokumentation des NDR, die ohne Ankündigung am späten Sonntagabend gesendet wurde, brachte das Thema der Zwangsarbeit in großen deutschen Unternehmen im Zweiten Weltkrieg wieder ins Bewusstsein.

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Der Bösewicht in der einstündigen Dokumentation ist Günther Quandt, dessen Nachkommen die heute wichtigste deutsche Industriellen-Familie repräsentieren. Tenor: Das heutige Vermögen der Familie beruht auf der Ausbeutung von Zwangsarbeitern.

Zu Wort kam in dem Film auch Benjamin Ferencz, einer der Ankläger der Nürnberger Prozesse. Zwischen 1945 und 1949 mussten sich die deutschen Kriegsverbrecher für ihre Tatan vor Gericht verantworten - die Quandts waren allerdings nicht dabei, weil man damals die heutigen Beweise für das Ausmaß ihrer Verstrickung nicht kannte.

"Hätten diese Beweise dem Gericht vorgelegen, wäre Quandt genauso angeklagt worden wie Flick, Krupp und andere Direktoren der IG Farben", sagte der in New York lebende Jurist nach der Präsentation der Fakten durch die Dokumentarfilmer.

BMW vor der Pleite gerettet

Die Quandts gehören zu den reichsten Menschen in Deutschland. In der Zeit nach dem Krieg entstand um den Namen Quandt ein regelrechter Mythos. Vor allem, weil Herbert Quandt, der gemeinsam mit seinem Bruder Harald von Vater Günther umfangreiche Industriebeteiligungen erbte, den vor der Pleite stehenden Autohersteller BMW übernahm und zu neuer Blüte führte.

Seitdem steht der Name Quandt in Deutschland für unternehmerischen Mut. Und er steht für kaum messbaren Reichtum. Die heutigen Vertreter der Familie Quandt werden gemeinsam auf ein Vermögen von etwa 24 Milliarden Euro geschätzt. Ist das gesamte Vermögen der Quandts schmutziges Geld, weil es durch Zwangsarbeit und Geschäfte mit der Hitler-Diktatur angehäuft wurde?

Lesen Sie weiter, was Unternehmensgründer Günther Quandt seinen Söhnen einschärfte

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