Deutsche Goldreserven Das Erbe des Wirtschaftswunders

Lagerraum der Bundesbank in Frankfurt. Ein Barren wiegt etwa 12,5 Kilo.

(Foto: AFP)

Die Bundesbank holt ihr Gold nach Deutschland - und bedient damit Gefühle.

Von Jan Willmroth

Ein wenig verhält es sich mit Deutschlands Gold gerade so, wie mit Jack Sparrow und seiner Mission. In seiner Geschichte, dem "Fluch der Karibik", ist der Bann erst gebrochen, wenn jemand das gesamte Aztekengold wieder an seinen Fundort zurückgebracht hat. Nur ein Medaillon fehlt noch, als die Handlung beginnt. Von all den Legenden, die das Edelmetall zum Motiv haben, taugt die Geschichte des verfluchten Piratenschiffs Black Pearl noch am besten, um sich dem zu nähern, was da gerade mit dem Goldschatz der Bundesrepublik Deutschland geschieht.

Denn auch der sorgte und sorgt für glühenden Emotionen, lässt viel Raum zum Spekulieren und ist für manche noch immer Anlass, die Bundesbank zu verfluchen. Es geht ja auch um etwas. Dem deutschen Staat gehören 3381 Tonnen Gold, es sind die weltweit zweithöchsten Goldreserven eines Landes nach den USA. Die Bundesbank hat versprochen, bis zum Ende des Jahrzehnts die Hälfte davon nach Frankfurt zu holen. Allein 2015 habe man 210 Tonnen Gold in die Tresore der Zentralbank verfrachtet, hieß es jetzt, also viel mehr als im Jahr zuvor. Frankfurt sei jetzt die mit Abstand größte Lagerstätte.

Wie genau das Gold nun dorthin gekommen ist, verheimlicht die Bundesbank. Bekannt ist nur, dass es wohl in Kisten transportiert wurde. Auf Schiffen, etwa? "Gold ist ein Vertrauensanker für die Werthaltigkeit unserer Bilanz", sagt Jens Weidmann, der Bundesbankpräsident, in einem Video. Das Piratenmotiv verfängt sich.

Bislang lagerten die Bundesbarren größtenteils im Ausland, in Paris, London und New York; zumindest in der französischen Hauptstadt soll sich bis 2020 aber kein deutsches Gold mehr befinden. Obwohl, war jemals welches dort? Und wenn ja, wer garantierte denn, zumal in Zeiten der Eurokrise, dass es dort auch sicher war, sich nicht andere Länder daran vergreifen? Es gab (und gibt) hierzulande tatsächlich Menschen, die wegen solcher Zweifel eine "Heimholung" des gesamten deutschen Goldes forderten (und fordern).

Die Bundesbank hatte 2013 erstmals angekündigt, ihre Goldreserven teilweise nach Hause zu bringen. Es gibt diese überhaupt nur, weil die Bank deutscher Länder von 1951 an Dollar in Goldforderungen tauschte, in den Sechziger- und Siebzigerjahren wuchs der Schatz schnell. "Es ist tatsächlich so, dass das deutsche Wirtschaftswunder in Gold aufgewogen wurde", spricht nun Bundesbank-Vorstand Joachim Nagel in die Kamera. Gold verursacht Lagerkosten und bringt nicht einmal Rendite, wenn das Metall nicht massiv im Wert steigt. Ökonomische Vernunft einmal beiseite: Wer will schon das Wirtschaftswunder sonstwo lagern?