Der kleine Angreifer heißt IP-Com und hat alles, was ein Troll braucht: Geld für Prozesse und ein Portfolio an Patenten. Der milliardenschwere US-Private-Equity-Fonds Fortress ist mit fast 50 Prozent beteiligt. Bernhard Frohwitter betreute die strittigen Patente bereits, als sie noch Bosch gehörten. Als dort die Mobilfunksparte eingestellt wurde, verkaufte Bosch die Rechte an Frohwitter, Anwalt in München, der die Firma IP-Com gründete.
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Investment in geistiges Eigentum
Frohwitter selbst distanziert sich von Trollen. "Wir sind eine neue Klasse von Asset-Managern, die es so zuvor in Deutschland nicht gegeben hat", sagt der Patentrechtsanwalt. Das Geschäftsmodell von IP-Com sei vollkommen anders als das eines Trolls. Während Trolle auf bloßen Verdacht, ein Patent sei verletzt, klagen, verwalte und betreue IP-Com Patente und vertrete die Interessen der Erfinder. Er beobachte seit 30 Jahren, wie sich große Konzerne häufig über Patente hinwegsetzten, sagt IP-Experte Frohwitter. "Wir vertreten Einzelerfinder und kleine Firmen, die nicht die Ressourcen haben, sich gegen die Großindustrie zu verteidigen." Der Prozess dauert an.
In den USA ist die Troll-Variante des Investments in IP (Intellectual Property, geistiges Eigentum) bereits umstritten. Der US Supreme Court macht sich mittlerweile öffentlich Gedanken darüber, ob den Trollen der Griff zu ihrer schärfsten Waffe erschwert werden sollte - dem schnellen Produktionsstopp. "In der Entscheidung "Ebay v MercExchange" wirft Richter Kennedy die Frage auf, ob es im öffentlichen Interesse liegt, einem Unterlassungsantrag stattzugeben, der offensichtlich und ausschließlich als Druckmittel für Lizenzverhandlungen dient", sagt Gärtner.
Die Trolle profitieren von Gesetzesverschärfungen
Zwar beginnen die Trolle nun, zum Schein Produktionsstätten zu kaufen. Doch immer noch besser als in Deutschland: Hier wird voraussichtlich im August 2008 das neue "Gesetz zur Verbesserung der Durchsetzung der Rechte des geistigen Eigentums" in Kraft treten. Die Regierung setzt damit die sogenannte EU-Durchsetzungsrichtlinie in deutsches Recht um.
Die neuen Gesetze sollen den Kampf gegen Produktpiraterie erleichtern und geistiges Eigentum schützen. Mit den neuen Bestimmungen wird die Beschlagnahmung von Waren an der Grenze vereinfacht. Der Patentinhaber kann Einsicht in Bankunterlagen verlangen. Und: Er hat schon vor Einleitung eines gerichtlichen Verfahrens einen Auskunftsanspruch gegenüber Dritten, selbst wenn diese noch keine Rechte verletzt haben. Doch mit der Position der Schutzrechtsinhaber verbessert sich auch die Rechtsposition der Trolle. Auf Unternehmen, denen das Geld für eine umfangreiche Patentrecherche fehlt, könnten bald harte Zeiten zukommen.
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- Familienunternehmen Erfindungen gibt's anderswo billiger 16.04.2008
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(sueddeutsche.de/bgr/mel)
Linke-Vize-Chefin Wawzyniak
Klar, dass Patentamt erteilt Patente, weil es gut daran verdient. Um den Schutz seines Patents muss sich der Inhaber aber selbst kümmern.
In China würden die Jungs mit ihrer Methode ganz schön vor die Wand laufen ;o)
Ich hatte vor 2 Stunden einen langen Beitrag geschrieben, dann aber verloren. Hier nochmal in Kurzform. Ich bin selbstständiger Software-Entwickler, der sowohl eigene Software entwickelt als auch für Firmen aller Größen arbeitet.
Patente werden oft mit dem kleinen Erfinder rechtfertigt, der sie dann den großen Firmen verkaufen kann und den gerechten Lohn bekommen kann. Das ist nicht mehr als ein Märchen.
Wie der sz-Artikel schon ausführt sind in vielen Bereichen, inkl. Software, Patente so trivial und so zahlreich und allumfassend, daß es in der Praxis schlicht *unmöglich* ist, keine Patente zu verletzen, weil fast alles patentiert ist, vom Warenkorb in Online-Shops über den Fortschrittsbalken bei Installationsprogrammen bis hin zu Programmiertechniken. *Jede* Software verletzt unzählige Patente von unbekannten Firmen. Es ist unmöglich, sie alle herauszufinden, geschweige denn zu umgehen.
Daher ist jeder Entwickler, der versucht, eine Patent einer großen Firma gegenüber durchzusetzen, auch gleichzeitig ein Patentverletzer. Wenn er die Firma verklagt, wird er im Gegenzug auch von der Firma verklagt, und mit erheblich mehr Patenten. Selbst wenn das nicht so wäre, kosten derartige Gerichtsverfahren Unmengen an Geld und ziehen sich über Jahre. Kein einzelner, kleiner Entwickler kann es mit Nokia aufnehmen.
All das wissen alle. Deshalb klagt keiner, weder die großen Firmen untereinander, noch die kleinen die großen. Die großen Firmen haben aber eine Möglichkeit, kleinere Konkurrenten aus dem Spiel zu halten. Das wird selten benutzt, ist aber anscheinend ein wichtiges Instrument. Ansonsten würden nämlich auch die großen Firmen für die Abschaffung von (Software-)Patenten stimmen, aber sie wettern nur gegen die "Patent-Trolle" und wollen explizit keine Abschaffung von Patenten. Die kleinen Entwickler dagegen stimmen mit ganz erheblicher Mehrheit (80%, IIRC) für die völlige Abschaffung von Software-Patenten - so wie es auch im Gesetz steht, das Software-Patente ja gar nicht erlaubt (siehe mein Artikel unten). Das ergab eine Umfrage der EU.
Ich kenne beruflich unzählige Software-Entwickler und kennen keinen einzigen, nicht einen, der jemals eine Zahlung für ein Patent bekommen hat.
Patente sind, wie der sz-Artikel gut herausarbeitet, geschäftlicher Krieg. Im Moment befinden wir uns im Zustand des kalten Krieges - wenige große Spieler, die alle so viele Waffen haben, daß keiner sich traut, den anderen anzugreifen, weil er die Vergeltungsmaßnahmen f
HansKarl66 schrieb: "Soweit bekannt, gibt es im EU-Wirtschafts- und Rechtsraum keine einklagbaren Softwarepatente."
So steht es im Gesetz, ja. Sowohl in gültigen EU-Richtlinien als auch in deutschen Gesetzen.
Nur leider hält sich niemand daran. Das Patentamt erteilt munter reine Software-Patente. Die Gerichte erkennen sie auch an. Das ging bis zu den höchsten Fach-Gerichts-Instanzen, die Software-Patente anerkannt haben. Ebenso ist die EU-Kommision für Software-Patente und hat schon mehrere Anläufe gestartet, um sie auch formell zu erlauben. Das EU-Parlament ist sich uneins. Der letzte Kampf dauerte über Jahre und endete in einem Unentschieden, d.h. Begräbnis des neues Gesetzes. Damit sind Software-Patente zwar immer noch per Gesetz verboten, aber in der Praxis sehr wohl auch gerichtlich durchsetzbar. Dies ist, wie man so politisch so schön sagt, ein "einmaliger Vorgang".
Ähnliches gilt für die gesetzlichen Anforderungen der Innovation etc.. Laut Gesetz muß ein Patent eine echte Neuerung sein, auf die ein Fachmann nicht ohne weiteres kommt, und muß neu sein. In der Praxis sind die allermeisten Patente für Fachleute völlig offensichtlich, eine simple und triviale Kombination von zwei gängigen Technologien oder Praktiken, die als "Innovation" bezeichnet wird. Oft sind die Patente nicht mal neu, d.h. wurden bereits von anderen erfunden und genutzt. Trotzdem werden solche Patente erteilt.
In Multiplayer-Computerspielen gibt es eine von allen Spielern verachtete Subspezies, die so genannten Camper. Während sich alle anderen Teilnehmer mehr oder weniger den Spielregeln entsprechend wacker schlagen, Allianzen eingehen oder mutig in fremdes Terrain vordringen, um Ruhm und Ehre zu gewinnen, nistet sich ein Camper mit dem bisschen, was er hat (zum Beispiel einem Scharfschützengewehr) irgendwo ein und wartet.
Irgendwann kommt dann ein potenter Spieler des Weges. Der Camper wartet, bis der andere ihm den Rücken zudreht, dann erschießt/erdolcht/sprengt er den Gegner, mit dem er sich sonst nie messen könnte. Er sammelt dessen Besitztümer und Waffen auf und kriecht in sein Loch zurück. Dann wartet er weiter.
Viele Spieler finden, dass Camper nicht nur notorische Spielverderber, sondern auch traurige kleine Feiglinge mit äußerst fragwürdigen Vorstellungen von Ethik sind.
Ich erzähle diese Anekdote selbstverständlich ohne jeden Bezug zu dem obigen Artikel.
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