Man nennt sie Patenttrolle: Firmen, die unbemerkt Technologie-Schutzrechte aufkaufen, um anschließend Unternehmen mit Milliardenklagen zu überziehen.
Wenn es um Patente geht, ist die Konkurrenz nicht mehr die einzige Sorge der deutschen Technologie- und Softwarefirmen. Eine neue Gefahr droht von außerhalb des Systems. "Patenttrolle werden zum Problem für deutsche Unternehmen," sagt Joachim Henkel, Professor für Technologie- und Innovationsmanagement an der Technischen Universität München.
Trolle sind schadbringende Geisterwesen. Der Name Patenttrolle könnte sich aber auch von einer Phishing-Methode ableiten, die "trolling" genannt wird. (© Foto: iStock)
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Milliardenschwere Rückendeckung
Patenttrolle, auch Patenthaie genannt, sind Firmen, die darauf spezialisiert sind, Technologie-Schutzrechte aufzukaufen, um dann als Rechte-Inhaber anderen Unternehmen gegenüber Forderungen erheben zu können. Finanziert werden sie häufig durch Hedgefonds und Private-Equity-Firmen. Die aggressiven Patentverwerter nutzen die Technologien nicht, sondern beginnen eine Jagd auf mutmaßliche Patentverletzer. Der Name "patent trolls" wurde von einem Patentrechtsberater des US-Konzerns Intel geprägt und spielt auf die schadbringenden Geisterwesen aus der germanischen Mythologie an.
Die gefährlichste Eigenschaft der Trolle ist ihre Unabhängigkeit vom System - die Verteidigungsstrategien der Unternehmen gegen Wettbewerber sind nutzlos gegen sie. Denn das System funktioniert in den meisten Branchen auf Basis eines Waffenstillstands. "In vielen Industrien gilt: Solange man sich nicht zu dreist kopiert, klagen Wettbewerber nicht gegeneinander", sagt Henkel - es würde sofort der Gegenangriff drohen. Produzierende Unternehmen haben über die Jahre ein Waffenarsenal an Patenten aufgebaut, die als Tauschmasse dienen. Entweder lizenzieren sie die Technologien gegenseitig oder lassen sich einfach stillschweigend gewähren.
Unseriöse Patentverwerter
In dieses "Gleichgewicht der Abschreckung," wie es Anette Gärtner, Anwältin bei der internationalen Kanzlei Clifford Chance, nennt, bricht der Troll ein wie ein Wolf in die Schafherde. Er produziert nicht und verletzt deshalb keine Patente - also sind die angesammelten Schutzrechte in den Schränken der produzierenden Unternehmen völlig wirkungslos gegen ihn.
"Es handelt sich um einen Schock im System," sagt Markus Reitzig, Professor für strategisches und internationales Management an der London Business School, der gemeinsam mit Henkel die Wertzerstörung durch die Trolle erforscht hat. Im Gegensatz zu seriösen Patentverwertungsgesellschaften bauen Trolle auf Tricks: Sie melden ihren Anspruch auf Lizenzgebühren erst an, wenn eine Firma ihr Produkt bereits auf den Markt gebracht hat oder im Planungsprozess so weit fortgeschritten ist, dass eine Umkehr unmöglich ist.
Ihre schärfste Angriffswaffe ist ein rechtliches Instrument, das der Staat eigentlich Erfindern in die Hand gab, um sich vor Piratenprodukten zu schützen: die einstweilige Verfügung. Spricht ein Gericht einem Troll eine solche Eilverfügung zu, kann er in kürzester Zeit den Betrieb des angeblichen Verletzers lahmlegen oder dessen Waren an der Grenze stoppen lassen.
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Umstrittenes Anti-Piraterie-Abkommen
Klar, dass Patentamt erteilt Patente, weil es gut daran verdient. Um den Schutz seines Patents muss sich der Inhaber aber selbst kümmern.
In China würden die Jungs mit ihrer Methode ganz schön vor die Wand laufen ;o)
Ich hatte vor 2 Stunden einen langen Beitrag geschrieben, dann aber verloren. Hier nochmal in Kurzform. Ich bin selbstständiger Software-Entwickler, der sowohl eigene Software entwickelt als auch für Firmen aller Größen arbeitet.
Patente werden oft mit dem kleinen Erfinder rechtfertigt, der sie dann den großen Firmen verkaufen kann und den gerechten Lohn bekommen kann. Das ist nicht mehr als ein Märchen.
Wie der sz-Artikel schon ausführt sind in vielen Bereichen, inkl. Software, Patente so trivial und so zahlreich und allumfassend, daß es in der Praxis schlicht *unmöglich* ist, keine Patente zu verletzen, weil fast alles patentiert ist, vom Warenkorb in Online-Shops über den Fortschrittsbalken bei Installationsprogrammen bis hin zu Programmiertechniken. *Jede* Software verletzt unzählige Patente von unbekannten Firmen. Es ist unmöglich, sie alle herauszufinden, geschweige denn zu umgehen.
Daher ist jeder Entwickler, der versucht, eine Patent einer großen Firma gegenüber durchzusetzen, auch gleichzeitig ein Patentverletzer. Wenn er die Firma verklagt, wird er im Gegenzug auch von der Firma verklagt, und mit erheblich mehr Patenten. Selbst wenn das nicht so wäre, kosten derartige Gerichtsverfahren Unmengen an Geld und ziehen sich über Jahre. Kein einzelner, kleiner Entwickler kann es mit Nokia aufnehmen.
All das wissen alle. Deshalb klagt keiner, weder die großen Firmen untereinander, noch die kleinen die großen. Die großen Firmen haben aber eine Möglichkeit, kleinere Konkurrenten aus dem Spiel zu halten. Das wird selten benutzt, ist aber anscheinend ein wichtiges Instrument. Ansonsten würden nämlich auch die großen Firmen für die Abschaffung von (Software-)Patenten stimmen, aber sie wettern nur gegen die "Patent-Trolle" und wollen explizit keine Abschaffung von Patenten. Die kleinen Entwickler dagegen stimmen mit ganz erheblicher Mehrheit (80%, IIRC) für die völlige Abschaffung von Software-Patenten - so wie es auch im Gesetz steht, das Software-Patente ja gar nicht erlaubt (siehe mein Artikel unten). Das ergab eine Umfrage der EU.
Ich kenne beruflich unzählige Software-Entwickler und kennen keinen einzigen, nicht einen, der jemals eine Zahlung für ein Patent bekommen hat.
Patente sind, wie der sz-Artikel gut herausarbeitet, geschäftlicher Krieg. Im Moment befinden wir uns im Zustand des kalten Krieges - wenige große Spieler, die alle so viele Waffen haben, daß keiner sich traut, den anderen anzugreifen, weil er die Vergeltungsmaßnahmen f
HansKarl66 schrieb: "Soweit bekannt, gibt es im EU-Wirtschafts- und Rechtsraum keine einklagbaren Softwarepatente."
So steht es im Gesetz, ja. Sowohl in gültigen EU-Richtlinien als auch in deutschen Gesetzen.
Nur leider hält sich niemand daran. Das Patentamt erteilt munter reine Software-Patente. Die Gerichte erkennen sie auch an. Das ging bis zu den höchsten Fach-Gerichts-Instanzen, die Software-Patente anerkannt haben. Ebenso ist die EU-Kommision für Software-Patente und hat schon mehrere Anläufe gestartet, um sie auch formell zu erlauben. Das EU-Parlament ist sich uneins. Der letzte Kampf dauerte über Jahre und endete in einem Unentschieden, d.h. Begräbnis des neues Gesetzes. Damit sind Software-Patente zwar immer noch per Gesetz verboten, aber in der Praxis sehr wohl auch gerichtlich durchsetzbar. Dies ist, wie man so politisch so schön sagt, ein "einmaliger Vorgang".
Ähnliches gilt für die gesetzlichen Anforderungen der Innovation etc.. Laut Gesetz muß ein Patent eine echte Neuerung sein, auf die ein Fachmann nicht ohne weiteres kommt, und muß neu sein. In der Praxis sind die allermeisten Patente für Fachleute völlig offensichtlich, eine simple und triviale Kombination von zwei gängigen Technologien oder Praktiken, die als "Innovation" bezeichnet wird. Oft sind die Patente nicht mal neu, d.h. wurden bereits von anderen erfunden und genutzt. Trotzdem werden solche Patente erteilt.
In Multiplayer-Computerspielen gibt es eine von allen Spielern verachtete Subspezies, die so genannten Camper. Während sich alle anderen Teilnehmer mehr oder weniger den Spielregeln entsprechend wacker schlagen, Allianzen eingehen oder mutig in fremdes Terrain vordringen, um Ruhm und Ehre zu gewinnen, nistet sich ein Camper mit dem bisschen, was er hat (zum Beispiel einem Scharfschützengewehr) irgendwo ein und wartet.
Irgendwann kommt dann ein potenter Spieler des Weges. Der Camper wartet, bis der andere ihm den Rücken zudreht, dann erschießt/erdolcht/sprengt er den Gegner, mit dem er sich sonst nie messen könnte. Er sammelt dessen Besitztümer und Waffen auf und kriecht in sein Loch zurück. Dann wartet er weiter.
Viele Spieler finden, dass Camper nicht nur notorische Spielverderber, sondern auch traurige kleine Feiglinge mit äußerst fragwürdigen Vorstellungen von Ethik sind.
Ich erzähle diese Anekdote selbstverständlich ohne jeden Bezug zu dem obigen Artikel.
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