Das Steuerparadies der Rolling Stones Sympathie für Holland

Beim Verdienen sind die alten Rocker der Rolling Stones seit langem Weltmeister. Doch die Musikgruppe hat noch anderswo die Nase vorn: beim Steuersparen.

Von Paul Trummer

Es war der 18. Februar 2006, Hochsommer in Brasilien, als sich am Strand der Copacabana die dienstälteste Rockband der Welt einfand, um ein Open-Air-Konzert zu geben. Im Rahmen ihrer "A bigger bang"-Tour gastierten die Rolling Stones in Rio de Janeiro und luden Fans kostenlos zu diesem Konzert ein.

Geschätzte 1,2 Millionen Zuschauer folgten der Einladung zum Gratis-Konzert. Wer allerdings denkt, die Band wäre kostenlos aufgetreten, der irrt. 750.000 Dollar soll der Stadt Rio de Janeiro dieses Geschenk an ihre Einwohner gekostet haben, zahlreiche Sponsorengelder fetteten das Gehalt der Band auf.

Spitzenverdiener laut Forbes

Wenn es um Geld geht, ist bei den Rolling Stones Schluss mit Rock'n Roll - dann regieren Buchhalter und Optimierer. Für das Magazin Forbes ist die Band Spitzenverdiener der Branche: 2006 sollen sie mit ihrer "A Bigger Bang"-Tour 138,5 Millionen Dollar verdient haben. Hinzu kommen Einnahmen aus CD-Verkäufen, Sponsoring und Merchandising.

Damit das verdiente Geld nicht allzu leicht in die Hände des Fiskus gerät, wandte sich die Band laut New York Times mal wieder an den diskreten holländischen Steuerberater Johannes Favie. Seine Agentur Promogroup betreut die Musiker schon seit 30 Jahren und half ihnen dabei, die Steuerbelastungen gering zu halten.

Mit Erfolg. Wie die Zeitung berichtet, zahlten die Stones in den vergangenen 20 Jahren 7,2 Millionen US-Dollar an Steuern - was bei einem Einkommen von geschätzten 450 Millionen Dollar einer Steuerquote von 1,5 Prozent entspricht.

Vermögen in Stiftungen geparkt

Die Vertrauensbasis war also gegeben, als ihnen Johannes Favie zur Gründung einiger Stiftungen in Holland riet - aus einem triftigen Grund: Zur Vermeidung von Erbschaftsteuer. Denn die holländischen Stiftungen ermöglichen den Stones, ihr Vermögen am Fiskus vorbei an ihre Erben weiterzugeben.

Dies könnte der Band auch gelingen: Eine November 2006 veröffentlichte Studie des unabhängigen Forschungsinstitutes für Multinationale Unternehmen (SOMO) mit Sitz in Amsterdam kam zu dem Schluss, die Niederlande seien ein Steuerparadies, eine Art Cayman Islands für Künstler.

Steuerparadies Niederlande

In der Studie, die sueddeutsche.de vorliegt, führte SOMO Hollands Steuerabkommen mit anderen Staaten als einen der Hauptgründe dafür an: "Die Niederlande haben ein extensives Netzwerk an Doppelbesteuerungsabkommen, die eine doppelte Besteuerung verhindern sollen und dabei Steuern auf Lizenz- und Dividendeneinkommen erheblich kürzen", heißt es in der Studie. Und diese Abkommen könnten dazu führen, dass Lizenzeinnahmen, die in eine holländische Holding oder aus dieser heraus fließen, unbesteuert bleiben.

Ein vorteilhaftes System für Musiker, die einen Großteil ihres Einkommens mit internationalen Lizenzerträgen erwirtschaften. So verlegten neben den Rolling Stones auch die Stadionfüller U2 ihren Geschäftssitz nach Holland - nachdem Irland eine drastische Einschränkung der Steuerbefreiung für Musiker ankündigt hatte. Auch bei U2 geht es neben Musik eben auch um Geld: Das Vermögen der Band wird auf 629 Millionen Euro geschätzt.