Börsen Italien führt Steuer auf Hochfrequenzhandel ein

Maschinen regieren die Börse

Der Hochfrequenzhandel an den Börsen boomt: Experten gehen davon aus, dass mittlerweile mehr als 70 Prozent des amerikanischen Aktienhandels von Computern gesteuert werden. Doch die Finanzkrise bringt die Handelscomputer an ihre Grenzen und lässt Hedgefonds an den Algortihmen zweifeln. mehr...

In Sekundenbruchteilen werden große Summen an den Börsen verschoben - ohne Einwirken von Menschen. Der computergesteuerte Hochfrequenzhandel nimmt immer weiter zu. Nun erhebt Italien als erstes Land überhaupt eine Steuer auf die automatisierten Geschäfte. Eine EU-Regelung könnte sich noch Jahre hinauszögern.

Italien hat als erstes Land überhaupt eine Steuer auf computergesteuerte Hochfrequenz-Geschäfte an den Börsen eingeführt. Seit Montag müssen Händler 0,02 Prozent auf Geschäfte zahlen, die in weniger als einer halben Sekunde ausgeführt werden. Beim Hochfrequenzhandel kaufen und verkaufen Computer automatisiert Wertpapiere nach den Vorgaben ihrer Betreiber. In Sekundenbruchteilen können so viele hundert Kauf- und Verkaufsanweisungen gegeben werden.

In Deutschland macht dieser Handel Schätzungen zufolge mehr als 40 Prozent des gesamten Handelsvolumens aus. Experten machen den Hochfrequenzhandel unter anderem für zum Teil massive Kursstürze an Börsen in der Vergangenheit verantwortlich.

An der New Yorker Börse hatte es beispielsweise im Mai 2010 einen historischen Kursrutsch gegeben. Der Dow-Jones-Index war zeitweise um neun Prozent eingebrochen und hatte damit mehr als 1000 Punkte verloren. Binnen Minuten schnellte der Kurs aber wieder nach oben. Der Kurssturz hatte die Börsen weltweit in Mitleidenschaft gezogen. Für die massiven Kursbewegungen wurde damals der Computerhandel verantwortlich gemacht.

Die Regulierung des Hochfrequenz-Handels ist wichtiger Teil der Reform der Finanzmarkt-Regeln der EU. Diese Reform wird derzeit zwischen den EU-Regierungen und dem EU-Parlament verhandelt. Die Umsetzung einer neuen Richtlinie für die Finanzmärkte in den EU-Mitgliedstaaten könnte jedoch noch Jahre dauern.